Unglückliche Schlussphase des TVB

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld ist nah dran gewesen am ersten Auswärtssieg in dieser Saison. In einem hochspannenden und hitzigen Derby unterlag der TVB beim TV Neuhausen/Erms vor 1250 Zuschauern mit 27:30 (12:14). Sieben Minuten vor Schluss hatten die Bittenfelder mit 24:23 geführt, brachten sich aber mit einigen unglücklichen Aktionen um den Lohn.

War’s ein verdienter oder am Ende doch etwas schmeichelhafter Sieg für den TV Neuhausen? Darüber gab’s nach den 60 emotionalen Minuten unterschiedliche Auffassungen. Den Neuhausener war’s egal: Sie tanzten nach dem Schlusspfiff in der stimmungsvollen Hofbühlhalle ausgiebig. Zu feiern gab’s zweierlei: Den ersten Pflichtspielsieg gegen Bittenfeld im fünften Anlauf und die Tatsache, als einziges Team in der eingleisigen 2. Liga noch ohne Niederlage zu sein.

Viel indes hat am Samstag nicht gefehlt, und die Neuhausener hätte es erwischt. In der dramatischen Schlussphase entschieden Nuancen über Sieg und Niederlage.

Bei den Bittenfeldern gab’s die erste Überraschung schon vor dem Spiel. Nach seinem Kreuzbandriss stand Simon Baumgarten zum ersten Mal wieder im Kader. Weil sich auch Adrian Wehner wieder fit meldete, trat der TVB in Bestbesetzung an. Sowohl der Kreisläufer als auch der Rückraumspieler nahmen zunächst jedoch auf der Bank Platz. Von dort mussten sie mit ansehen, dass der TVB einen ähnlich schwachen Start erwischte wie in der vergangenen Saison.

Die Gäste hatten enorme Probleme mit der aggressiven 3:2:1-Deckung der Neuhausener. Ungenaues Passspiel, technische Fehler und eine schwache Wurfquote führten zum 2:5-Rückstand nach zehn Minuten. Doch es wurde noch schlimmer: Arnor Gunnarsson scheiterte mit seinem ersten Siebenmeter an TVN-Keeper Thomas Bauer. Dann schaffte es der TVB, binnen eines Angriffes gleich dreimal den Ball aus den Händen gleiten zu lassen und behielt ihn nur mit viel Dusel in den eigenen Reihen. Die Angriffsbemühungen wirkten bis dahin fahrig und unstrukturiert.

Beim 9:4 für Neuhausen nahm TVB-Trainer Günter Schweikardt seine Auszeit. Gregor Lorger ersetzte im Tor Daniel Sdunek. Im Rückraum sollten es nun Alexander Heib, Jürgen Schweikardt und Dominik Weiß richten. Und tatsächlich: Nun lief’s im Angriff wie in der Abwehr vor dem guten Lorger besser. Heib ordnete das Spiel und nahm sich mutig die Würfe. Beim 10:9 (23.) war Bittenfeld wieder im Spiel – und zog in der 27. Minute seinen Trumpf: Baumgarten feierte sein Comeback. Günter Schweikardt versuchte von nun an, die offensive Deckung mit den beiden Kreisläufern Schöbinger und Baumgarten auszuhebeln. Trotzdem rettete Neuhausen beim 14:12 eine knappe Führung in die Halbzeit.

In Unterzahl geht Bittenfeld zum ersten Mal in Führung

Hektisch begannen die zweiten 30 Minuten. Die Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner, vor der Pause noch souverän, hatten fortan große Mühe. Sie brummten Jürgen Schweikardt und Tobias Schimmelbauer je eine Zeitstrafe auf. Doch der TVB überstand die Unterzahl glänzend und schaffte beim 15:15 (36.) erstmals seit dem 1:1 den Ausgleich und sechs Minuten später beim 19:18 – wieder in Unterzahl – die erste Führung im Spiel.

Lorger wurde immer stärker, doch auch auf der anderen Seite steigerte sich der für Bauer im zweiten Abschnitt eingewechselte Magnus Becker. Das Spiel nahm an Härte zu, die eine oder andere zweifelhafte Entscheidung von Moles/Pittner sorgte für hörbaren Unmut auf dem Platz und auf der Tribüne. Sieben Minuten vor Schluss traf Schöbinger zum 24:23 für den TVB – es war indes zugleich die letzte Führung im Spiel. Neuhausen wackelte, aber Bittenfeld spielte dem Gegner in die Karten.

Zudem hatte Neuhausen das Glück auf seiner Seite. Ein Wurf von Jeremias Rose fand durch die Beine Lorgers den Weg ins Tor zum 24:24. Dann parierte der TVB-Keeper einen Strafwurf von Nico Büdel – aber nur halb, denn der Ball kullerte gerade so über die Linie zum 25:24. Nach dem 25:25 wurde Lorger bei einem harmlosen Wurf von Ferdinand Michalik auf dem falschen Fuß erwischt (56./26:25).

Beim nächsten Angriff entschieden die Schiedsrichter auf ein umstrittenes Stürmerfoul von Weiß, Julius Emrich machte im Gegenzug mit einem glücklichen Abpraller das 27:25. Nachdem Alexander Trost einen Konter nach einem technischen Fehler des TVB zum 28:25 abgeschlossen hatte, war zwei Minuten vor dem Ende das Derby entschieden.

Der TV Bittenfeld musste sich mit 27:30 geschlagen geben. Es war eine Niederlage der besonders ärgerlichen Art, denn die schlechtere Mannschaft war Bittenfeld keinesfalls.

TV Neuhausen/Erms: Bauer, Becker; Emrich (3), Trost (2), Reusch, Schiller (2), Stevic (1/1), Klingler, Michalik (3), Büdel (7/2), Rose (6), Oesterle, Schröder (4), Bader (2).

TV Bittenfeld: Sdunek, Lorger; Schimmelbauer (1), Schöbinger (4), Salzer, Forstbauer (1), Weiß (3), Pabst, Schweikardt (5/3), Gunnarsson (5), Heib (6/2), Sigtryggsson (1), Wehner, Baumgarten (1).