„Jeder hat seine eigene Strategie“

Der TV Bittenfeld braucht morgen gegen den HC Empor Rostock dringend zwei Punkte, um sich von den Abstiegsrängen zu entfernen. „Es ist insofern ein richtungsweisendes Spiel, weil es uns zeigen wird, wo’s in den nächsten Wochen für uns hingeht“, sagt der Bittenfelder Co-Trainer Klaus Hüppchen. Trotz der 3:7 Punkte spürt er „keine große Verunsicherung“ im Team.

Wenn’s nicht läuft, treten schnell die Grantler auf den Plan. So spricht in Bittenfeld der eine oder andere bereits nach fünf Spielen und 3:7 Punkten vom Abstiegskampf. Klaus Hüppchen, Co-Trainer beim TVB, ist kein Freund von Pauschalurteilen. Von einem Fehlstart oder gar einer Krise will er nichts wissen. „Natürlich sehen 3:7 Punkte nicht besonders gut aus und wir wollen auch nichts schönreden“, sagt er. „Aber wir müssen relativieren.“

Hätte der TVB beim unglücklichen 21:22 in Erlangen einen Punkt und beim 26:26 gegen Düsseldorf zwei Punkte geholt, „dann hätten wir die ganze Diskussion jetzt nicht.“ Dass drei Zähler aus fünf Spielen nicht optimal sind, ist Hüppchen klar. „Man könnte aber auch sagen, es ist erstaunlich, dass wir überhaupt schon drei Punkte haben. Bei all den Problemen, mit denen wir fertig werden mussten.“

Die verletzungsbedingten Ausfälle von Simon Baumgarten, Florian Schöbinger, Adrian Wehner und etliche angeschlagene Spieler seien für eine Mannschaft wie den TVB eben schwer zu verkraften. In der vergangenen Spielzeit hätten dem TVB oft 90 Prozent des Leistungsvermögens zum Sieg gereicht. „Das ist in dieser Saison nicht mehr der Fall.“

Für Hüppchen besteht indes kein Grund, in Panik zu verfallen. Das Trainerteam, die Mannschaft und das Umfeld hätten sich bereits vor der Saison darauf eingestellt, dass der TVB mit mehr Niederlagen umgehen müsse als in der Vergangenheit. Nach fünf Spielen will Hüppchen auch keine Grundsatzdiskussion führen. „Erstens wissen wir, wie die Niederlagen zustande gekommen sind, zweitens hat die Mannschaft immer alles gegeben.“ Das Gefüge sei intakt, Hüppchen spürt keine größere Verunsicherung bei den Spielern. Sicherlich lese jeder die Zeitung und schaue ins Internet. „Jeder hat seine eigene Strategie, damit umzugehen.“

Hüppchen hofft, „dass jedem Spieler bewusst ist, was morgen auf dem Spiel steht“. Er geht auch davon aus, dass jeder das Maximale aus seiner Leistung herausholen werde. „Am Ende der Saison laufen sieben, acht Verträge aus, im Dezember beginnen in der Regel die Verhandlungen.“ Das allein müsse für die Spieler Grund genug sein, an die Grenze zu gehen.

Auch – oder gerade – morgen gegen den HC Empor Rostock. Der schaffte es in der vergangenen Saison als zehntes und zugleich letztes Team der 2. Liga Nord in die eingleisige 2. Liga. Vornehmlich zwei Gründe gab’s für die Zittersaison: Die Auswärtsschwäche mit nur acht Punkten und das Verletzungspech.

Gegen Ende der Hinrunde hatten sich die Rostocker die Dienste des Junioren-Nationalspielers Rico Göde vom damaligen Erstligisten Ahlen-Hamm gesichert. Der Kreisläufer erwies sich als die erhoffte Verstärkung, auch in den ersten fünf Spielen dieser Spielzeit überzeugte der 29-Jährige: Mit 31 Toren liegt er auf Rang zehn der Torschützenliste.

Göde ist einer von fünf Jugend- oder Junioren-Auswahlspielern im Kader. Aus Magdeburg kamen zur neuen Saison Torhüter Felix Storbeck, Philip Weber (Rückraum) und Benjamin Meschke (Kreis). Vom Zweitliga-Absteiger TSV Altenholz kehrt Tom Wetzel zurück, aus Eisenach wechselt der Linkshänder Gabor Langhans (22) zum HC. Mit Weber, der eine Schulteroperation hinter sich hat, darf HCE-Trainer Holger Schneider allerdings erst in der Rückrunde rechnen.

Die Rostocker sind mit 5:5 Punkten ordentlich in die Saison gestartet. Wobei’s – wie in der vergangenen Runde – zu Hause bislang deutlich besser lief als in der Fremde. Das belegen die Siege gegen die SG BBM Bietigheim (30:29) und den VfL Bad Schwartau sowie das 31:31 zuletzt gegen den Erstliga-Absteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim. Auswärts unterlag der HCE gegen Leipzig mit 19:21 und Saarlouis mit 32:35.

Gegen Friesenheim führte Rostock zwei Minuten vor dem Ende noch mit zwei Toren, verlor noch einen Punkt und zudem Jens Dethloff mit einem Cut am Auge. Gegen Bittenfeld wird der 29-Jährige jedoch wieder dabei sein – im Gegensatz zu Michael Höwt. Der Linksaußen muss sich an der Schulter operieren lassen.

Kopf der Rostocker Mannschaft ist Mittelmann Michal Bruna (33). Der Tscheche kam vor sechs Jahren von den Füchsen Berlin. „Da werden wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Klaus Hüppchen. Dasselbe gilt auch für den eigenen Angriff, der sich auf variable Deckungsformationen der Rostocker einstellen muss.

Verzichten muss der TVB nach wie vor auf Kreisläufer Simon Baumgarten und mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf Adrian Wehner. Die Schulterverletzung ist noch nicht vollständig ausgeheilt.