Bittenfeld auf der Suche nach der Sicherheit

Für den neutralen Zuschauer hätte der Spielverlauf kaum prickelnder sein können. Mit dem 26:26-Unentschieden gegen die HSG Düsseldorf endete jedoch die Heimserie von 16 Siegen in Folge des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld. „Das Spiel hat gezeigt, dass es auch zu Hause nicht so einfach ist zu gewinnen“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Das sollten allmählich alle begreifen.“

In den zehn Spielen des vierten Spieltags gab’s nur einen Auswärtssieg, der TV Neuhausen/Erms setzte sich mit 35:30 beim VfL Bad Schwartau durch. Achtmal siegten die Heimteams, und am einzigen Unentschieden waren die Bittenfelder beteiligt. 26:26 gegen die HSG Düsseldorf. Nur?

Das ist Ansichtssache, auch wenn den Heimspielen gerade in dieser schweren Saison besondere Bedeutung zukommt. Einerseits ist schwierig, ein Spiel zu gewinnen, wenn die Chancenauswertung so mager ist wie am Samstag – und in den Spielen zuvor – und die halbe Mannschaft verletzt fehlt, angeschlagen oder nicht in Form ist. Vor allem in den ersten 30 Minuten wirkte TVB-Trainer Günter Schweikardt an der Seitenlinie bisweilen etwas ratlos. Der Angriff arbeitete mehr Handball, als er spielte, viel zu leicht waren die Aktionen zu durchschauen.

Großartige personelle Rotationen war kaum möglich, das Team stellte sich fast von selbst auf. Die verletzten Adrian Wehner und Simon Baumgarten hätten dem TVB in diesem Spiel besonders gutgetan. Zumal der eine oder andere Spieler auch noch nach vier Spieltagen nach seiner Form und Sicherheit sucht.

„So gesehen, müssen wir mit dem einen Punkt leben, es hätte schlimmer ausgehen können“, sagt Schweikardt. „Außerdem waren wir ja auch schon fünf Tore hinten.“ Unterm Strich habe sein Team nicht die Leistung gebracht, um gegen Düsseldorf zu bestehen. Zumindest hat’s nicht zu zwei Punkten gereicht – wobei der Trainer wieder einmal den vielen vergebenen Chancen nachtrauert. „Wenn wir früher rangekommen wären, hätten wir’s vielleicht sogar noch geschafft.“

Im Magen lagen Schweikardt vor allem die fünf vergebenen Siebenmeter. „Hier ist der Schütze nun einmal klar im Vorteil.“ Arnor Gunnarsson, bei dem sich gute und weniger glückliche Aktionen abwechselten, scheiterte gleich dreimal an HSG-Torhüter Mathias Lenz, Alexander Heib und Jürgen Schweikardt jeweils einmal. Gunnarsson hätte 32 Sekunden vor Schluss zum Held werden können, nachdem er die Verantwortung beim letzten Strafwurf übernommen hatte. Der Isländer hatte zuvor ein paar Mal aus dem Feld getroffen. „Er hat sich gut gefühlt“, sagt Schweikardt.

Nicht nur im Angriff, auch in der Abwehr stimmte einiges nicht beim TVB. Der Düsseldorfer Ex-Nationalspieler Michael Hegemann nützte den Freiraum clever aus. „Da haben wir nicht nach vorne, sondern quer verteidigt und das Spiel des Gegners nicht unterbunden.“

Grundsätzlich, so Schweikardt, fehle seinen Spielern derzeit die „Selbstverständlichkeit und nötige Sicherheit“ in ihren Aktionen. „Wenn ich entschlossener zu Werke gehe, ist die Aussicht auf Erfolg automatisch größer.“

Auffällig war am Samstag auch, dass dem einen oder anderen Spieler die Spritzigkeit abhandengekommen und der Trainingsrückstand deutlich ist. Für Schweikardt ist das zwar eine Erklärung, aber längst keine Entschuldigung. „Wir haben nach wie vor Spieler, die fit sind.“

Am Freitag bereits muss der TV Bittenfeld beim ASV Hamm-Westfalen ran. Beim Erstliga-Absteiger läuft es auch alles andere als perfekt, liegt er doch mit 3:5 Punkten gemeinsam mit den Bittenfeldern in der zweiten Tabellenhälfte. In Hamm hat der TVB die Chance, den gegen die HSG Düsseldorf verlorenen Punkt wieder zurückzuholen.

Wie das funktionieren soll, erklärte Günter Schweikardt auf der Pressekonferenz nach dem Düsseldorf-Spiel. „Wir haben manche Dinge nicht gut gelöst“, sagte er. „Wenn wir die im nächsten Spiel besser machen, wird sich der Erfolg von ganz allein einstellen.“