„Wissen jetzt, in welcher Liga wir sind“

Das hat wehgetan. Zumindest ein bisschen ärgern wollten die Bittenfelder Zweitliga-Handballer den DHC Rheinland in ihrem ersten Auswärtsspiel in dieser Saison, doch der TVB war für den Erstliga-Absteiger kein wirklicher Maßstab. „Es ist nicht ganz einfach, so eine Niederlage wegzustecken“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Jetzt wissen wir, in welcher Liga wir spielen.“

„Bittenfeld vergeht Hören und Sehen“ und „Ratka ist trotz Sieg nicht zufrieden“ titelte die Neuß-Grevenbroicher Zeitung nach dem 32:24-Sieg des DHC Rheinland gegen den TV Bittenfeld am Freitag. Solche Schlagzeilen liest kein Trainer der unterlegenen Mannschaft gerne, viel dagegenzusetzen indes hatte der Bittenfelder Coach nicht. Nur fünf Minuten durften die TVB-Fans von einer Überraschung träumen, dann brachen nach und nach die Dämme. „Das Spiel war nach zwölf Minuten schon entschieden“, sagt Günter Schweikardt. Zu diesem Zeitpunkt stand’s 8:3 für die Dormagener, acht Minuten später 12:4. Beim 18:8 hatte der Favorit seinen höchsten Vorsprung im Spiel herausgespielt, der TVB schlitterte geradewegs auf ein Debakel zu.

Die „zu vielen Undiszipliniertheiten“, die Richard Ratka im Spiel seiner Mannschaft gesehen hat, bezogen sich auf die zweiten 30 Minuten. Die gestalteten die Bittenfelder mit 14:14 ausgeglichen. Immerhin. So richtig tröstlich fand’s Günter Schweikardt aber nicht. „Man versucht ja immer, irgendetwas Positives aus einem Spiel herauszuziehen.“ Den Willen, der Partie auch nach dem schier aussichtslosen Rückstand eine Wende zu geben, wollte er seiner Mannschaft nicht absprechen. Alleine: Die Qualität reichte an diesem Tag bei weitem nicht, beim 22:16 war der geringste Abstand erreicht. „Wir hatten als Team und auch jeder Einzelne zu viele schwache Phasen“, sagt Schweikardt.

Beim Sieg gegen Bad Schwartau in der Woche davor hatte der TVB in der Anfangsphase erhebliche Probleme, kam aber wieder in die Spur. Die Dormagener indes erstickten jegliches Aufbäumen der Bittenfelder im Keim. „In der Abwehr standen wir im Verbund nicht gut und hatten auch im Eins-gegen-Eins das Nachsehen.“ Dies machte auch den TVB-Torhütern Daniel Sdunek und Gregor Lorger das Leben schwer, die klar im Schatten des Dormagener Keepers Jendrik Meyer standen, der den Bittenfelder Angreifern mit 18 gehaltenen Bällen den Nerv raubte. Ein gutes Dutzend Mal scheiterte der TVB zudem an Pfosten und Latte oder er verfehlte das Tor. „Mit der Wurfquote können wir natürlich auch nicht zufrieden sein“, sagt Schweikardt.

In allen Belangen absolut unterlegen

Unterm Strich sei’s ein „ernüchternder“ Auftritt seiner Mannschaft gegen einen allerdings auch sehr starken Gegner gewesen, der seinem Team in allen Belangen absolut überlegen gewesen sei. „Daraus müssen wir rasch unsere Lehren ziehen.“ Das Spiel in Dormagen habe gezeigt, dass sein Team einen guten Tag brauche, um in dieser Liga zu bestehen.

Am kommenden Samstag steht die nächste harte Bewährungsprobe an: In Erlangen zu gewinnen, dürfte kaum einfacher werden. Zuletzt unterlagen die Franken beim Erstliga-Absteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim nur knapp mit 19:20, ließen in den zweiten 30 Minuten lediglich acht Gegentreffer zu. Im Pokalwettbewerb vor zweieinhalb Wochen hatte der TVB zwar beim 28:26 das bessere Ende für sich. Die Punkterunde aber, so Schweikardt, sei etwas ganz anderes.

Trotz aller Ernüchterung nach der Auswärtspleite: Schweikardt blickt optimistisch nach vorne. „Wir haben 2:2 Punkte, es ist noch alles in Butter.“