Rückkehrer Schöbinger, Schlitzohr Gunnarsson

Nach nur einem Spiel lässt sich die eigene Leistungsstärke und die der Konkurrenz nur schwer einschätzen. Die Bittenfelder Zweitliga-Handballer indes sind froh, dass sie mit dem Sieg gegen den Vorjahresvierten der Nordstaffel, den VfL Bad Schwartau, die erste Prüfung bestanden haben. „Das war ein starker Gegner“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt, der sich nicht nur über das Comeback von Schöbinger freute.

Der Rahmen war überschaubar. Ein bisschen mehr als 600 Zuschauer hätten sich die Bittenfelder zum Saisonauftakt schon gewünscht. Trotz Urlaubszeit. Immerhin drückte der Waiblinger Oberbürgermeister dem TVB vor Ort die Daumen – und überreichte Trainer Günter Schweikardt vor dem Anpfiff ein Kuvert. „Ich hoffe, dass diese kleine Geldleistung der Stadt Waiblingen hilft, dass der TVB auch der eingleisigen 2. Bundesliga eine Spitzenleistung zeigt“, sagte Andreas Hesky.

In der Anfangsphase hätten die Bittenfelder den städtischen Zuschuss am besten gegen eine große Packung Baldrian getauscht. Die Hände zitterten beträchtlich. „Ich denke, jeder hat gesehen, dass wir alle sehr angespannt waren“, sagt Schweikardt. „Wir wussten nicht, was auf uns zukommt.“

Da nutzte dem TVB offensichtlich auch das Videostudium des Gegners nichts. Der spazierte ziemlich unbehelligt durch die Bittenfelder Defensivabteilung. „Wir waren darauf vorbereitet, was Bad Schwartau spielt“, sagt Schweikardt. Trotzdem habe sein Team keine Lösungen gefunden, den Spielfluss des Gegners zu unterbinden.

Dass dem Trainer dies nicht gefallen hat, war ihm am Spielfeldrand deutlich anzusehen. Schweikardt grübelte, wechselte die Positionen und Spieler munter durch. So lange, bis es endlich passte. Und eben jene Variationsmöglichkeiten brachten den Bittenfeldern schließlich den Sieg. Für Schweikardt waren sie „der große Trumpf in unserem Spiel“.

Das fing schon im Tor an. Gregor Lorger und Daniel Sdunek bildeten ein starkes Gespann. Beide waren in entscheidenden Situation hellwach – wie übrigens auch Arnor Gunnarsson. Der beste Bittenfelder Torschütze der vergangenen Saison schnappte sich nach 22 Minuten gedankenschnell den Ball am Kreis und versenkte ihn zum Ausgleich im Netz, während die halbe Mannschaft des Gegners auf den Pfiff der Schiedsrichter wartete.

„Man muss auch eingestehen, dass wir in der einen oder anderen Situation auch ein bisschen Glück hatten“, sagt Schweikardt. Das hatte der TVB vor allem in der Anfangsphase, als ihm einige Treffer im Nachwurf gelangen.

Einen prima Einstand feierte Florian Schöbinger nach seiner Schulterverletzung. Mit dem Comeback war am Samstag nicht unbedingt zu rechnen. „Wir haben uns am Freitag nach dem Training dazu entschieden, dass ich’s versuchen werde“, sagte Schöbinger nach der Partie. So früh ins Spiel zu kommen und dazu so lange auf dem Feld zu stehen, damit habe er aber nicht gerechnet. „Ich bin froh, dass ich der Mannschaft ein bisschen helfen konnte.“

Das sah auch sein Trainer so. „Man hat deutlich gesehen, dass wir mit Florian mehr Stabilität in der Abwehr hatten und torgefährlicher waren.“ Dass seine beiden Linkshänder auf der rechten Rückraumposition, Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer, am Samstag leistungsmäßig etwas abfielen, bereitet Schweikardt keine allzu großen Sorgen. „Dafür waren andere gut, was zählt, ist der Mannschaftserfolg.“

Schweikardts Trainerkollege Thomas Knorr indes haderte mit „einigen falschen Kopfentscheidungen“ seiner Spieler. Und damit, dass er zwei wichtige Akteure zum Auftakt nicht dabei hatte: Abwehrchef und Kreisläufer Kevin Jahn plagt eine Achillessehnenverletzung, Marcel Schliedermann fehlte wegen höherer Gewalt: Der HSV Hamburg forderte die Dienste des Rückraumspielers im Spiel gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke an. Der 20-Jährige ist mit Zweifachspielrecht beim Deutschen Meister ausgestattet. Knorr hatte für die Abstellung wenig Verständnis. „Ich hoffe, dass wir im nächsten Spiel gegen Hamm unseren Bankdrücker wieder dabeihaben.“

Hamm unterlag im ersten Spiel mit 24:31 dem DHC Rheinland. Beim Erstligaabsteiger müssen die Bittenfelder am Freitag (19.45 Uhr) ran.