„Von solchen Gegnern haben wir geträumt‘‘

Mit dem Heimspiel gegen Bad Schwartau am Samstag in einer Woche startet der TV Bittenfeld in seine sechste Bundesliga-Saison. Nach der Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga steht für den TVB die nächste Herkulesaufgabe an: Von den 20 Teams bringen 13 Erstligaerfahrung mit, das Niveau wird höher sein. „Wir spielen jetzt gegen Mannschaften, von denen wir vor ein paar Jahren noch geträumt haben“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Mit einer Portion Unsicherheit waren die Bittenfelder vor fast genau einem Jahr in die Qualifikationssaison gestartet. Und diesmal? „In der eingleisigen 2. Liga zu spielen, kommt einem weiteren Aufstieg gleich“, sagt der TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Das muss man zunächst einmal wissen.“ Und damit erklärt sich quasi von alleine, wie knifflig die Aufgabe sein wird.

Andererseits sind der dritte und vierte Platz in den vergangenen beiden Spielzeiten schlagkräftige Argumente, selbstbewusst in die Saison zu starten. Das sieht wohl auch der eine oder andere Konkurrent so, für den der TVB zum Kreis der Aufstiegskandidaten zählt. „Wer so etwas sagt, versteht nichts vom Geschäft“, sagt Schweikardt. „Oder aber es ist Taktik.“

Die jüngsten Erfolge sind für Schweikardt der Lohn harter und akribischer Arbeit. Und natürlich auch ein Stück weit Bestätigung. Spätestens am ersten Spieltag der neuen Saison jedoch sind sie von vernachlässigbarer Bedeutung.

Wie in der Qualifikationssaison, so erwartet der Trainer auch nun wieder eine bis zum Schluss hochspannende Saison. Nur eben auf viel höherem Niveau. „Kaum einer kann sicher sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben.“ Durchhaltevermögen sei gefragt, zumal die Runde mit vier Spielen mehr extrem lang sein wird. Möglichst verletzungsfrei bleiben und sich seine Ressourcen sorgsam einteilen, so lautet die Devise.

Das Verletzungspech hat die Bittenfelder in der Vorbereitung bereits mächtig heimgesucht. Die gesamten vier Augustwochen spielte der TVB mit teilweise deutlich reduziertem Kader. Und das auch noch gegen Mannschaften wie den HSV Hamburg, die Füchse Berlin oder den TV Großwallstadt.

Adrian Wehner verletzte sich beim Turnier in Altensteig an der Schulter, fiel wochenlang aus und ist immer noch nicht ganz fit. Arni Sigtryggsson fehlte wegen der Geburt seiner Tochter zunächst im Training und zog sich dann eine Bizepszerrung zu. Alexander Heib plagte eine hartnäckige Oberschenkelverhärtung. Der frischgebackene Junioren-Weltmeister Jan Forstbauer laboriert an einer Sprunggelenksverletzung, Florian Schöbinger hat eine starke Prellung an der Schulter. Simon Baumgarten ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht spielfähig.

„Wir haben nie komplett gespielt, das ist sehr schade“, sagt Schweikardt. Entsprechend ernüchternd war das eine oder andere Resultat wie das 20:34 gegen den HSV oder das 23:38 gegen die Füchse. „Das hat uns gezeigt, wie weit wir von solchen Top-Mannschaften noch weg sind.“ Die Ergebnisse alleine indes sind für Schweikardt nicht aussagekräftig. Man müsse auch immer die Spielverläufe berücksichtigen. „Und wir hatten durchaus auch gute Phasen.“

Ein Muster ohne Wert seien die Spiele nicht gewesen. Schließlich bekam so mancher Akteur mehr Spielanteile als geplant. Beispielsweise Leon Pabst. Der 20-jährige Neuzugang war nach dem Ausfall Baumgartens und Schöbingers der einzig verbliebene Kreisläufer. „Er hat seine Sache gut gemacht“, sagt sein Trainer. „Aber natürlich dürfen wir ihn noch nicht mit Florian oder Simon messen.“

Nicht zu vergleichen mit seinen Vorgängern sei auch der zweite und letzte Neue im Kader, Torhüter Gregor Lorger (29). Der Slowake gilt als ein ruhiger Vertreter seiner Zunft und ist damit das krasse Gegenteil der extrovertierten Björgvin Gustavsson und Bastian Rutschmann. Nach anfänglichen Problemen komme Lorger immer besser in Fahrt. Schweikardt ist überzeugt davon, dass er mit Lorger und Daniel Sdunek ein gutes Gespann hat.

15 Feldspieler hat Schweikardt im Kader, darunter mit Martin Kienzle (19) und Michael Seiz (18) zwei, die in der vergangenen Saison noch dem Perspektivteam angehörten und die auch in dieser Saison vornehmlich in der Württemberg-Liga zum Einsatz kommen werden. Weil mit dem Comeback von Baumgarten wahrscheinlich erst im Oktober zu rechnen und der eine oder andere Spieler noch angeschlagen ist, wird der TVB zum Saisonstart kaum in Top-Verfassung antreten können.

„Natürlich ist es wichtig, gut in die Runde zu starten“, sagt Schweikardt. „Aber wir lassen uns deswegen jetzt nicht verrückt machen.“ Zumal mit der Rückkehr von Stamm-Kreisläufer Baumgarten der TVB um eine Alternative reicher sein wird: Schöbinger könnte wieder auf die Spielmacherposition rücken.

Zwischenziele
Mehr Klarheit im Spätherbst

In Bestbesetzung hat der TVB vor allem im Rückraum ausreichend Alternativen – und eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Nach Schweikardts Einschätzung sind „viele längst nicht am Ende ihrer Entwicklung, da steckt noch einiges dahinter“. Klarkommen muss der TVB, wie schon seit November, ohne seinen Abwehrchef Ludek Drobek. „Er wird uns schon fehlen“, sagt Schweikardt. Auf einen festen Mittelblock möchte er sich nicht festlegen, er will – je nach Gegner – flexibel aufstellen. Auch den Abwehr-/Angriffwechsel werde es weiterhin geben. Allerdings auch nicht zwingend.

Ein Saisonziel lässt sich der Trainer nicht entlocken. „Es spielen so viele Faktoren mit, die wir nicht beeinflussen können.“ Der TVB setze sich Zwischenziele. „Im November werden wir mehr wissen.“

Grundsätzlich ist Schweikardt überzeugt davon, dass die Einführung der eingleisigen 2. Liga die richtige Entscheidung war. Wie bei jeder Reform, gebe es auch hier Kritiker und Befürworter. „Für den Handball ist die Liga auf jeden Fall gut, für manchen Verein jedoch könnte es eine grenzwertige Herausforderung sein.“ Schweikardt glaubt allerdings nicht, dass sich Clubs finanziell übernehmen werden. „Ich denke, es ist mittlerweile Vernunft eingekehrt, die Vereine sind doch meist kleine Unternehmen.“

Die Handball-Fans, da ist sich Schweikardt sicher, werden profitieren. „Wir spielen doch jetzt gegen Mannschaften, von denen wir vor ein paar Jahren noch geträumt haben.“ Entsprechend groß ist der Respekt vor Teams wie TUSEM Essen, Minden, Nordhorn oder Empor Rostock. „Doch bei aller Vorsicht: Bange machen gilt nicht.“