Ein paar Tränen zum Abschied

Emotionen hat’s auf dem Spielfeld gegeben im letzten Heimspiel der Bittenfelder Zweitliga-Handballer. Nach der Partie und vor der Party flossen bei der Verabschiedung von Jens Baumbach (27), Ludek Drobek (35) und Bastian Rutschmann (28) gar Tränen. Während der Torhüter zu FA Göppingen wechselt, werden die beiden anderen beim TVB andere Aufgaben übernehmen.

Im letzten Saisonheimspiel des TVB gegen den TV Groß-Umstadt ging’s eigentlich nur noch um die vielzitierte goldene Ananas. Frei von Gefühlsausbrüchen indes war die Partie nicht – im Gegenteil: Es war einiges geboten auf dem Feld. Und nach der Pressekonferenz wurde es emotional.

Für den ersten Aufreger auf dem Spielfeld sorgte kurz vor der Pause Florian Schöbinger. Beim Versuch, Jens Elsner zu überlisten, traf der Bittenfelder Kreisläufer den Torhüter des TV Groß-Umstadt am Kopf. Schöbinger entschuldigte sich, Elsner nahm an. Nico Büdel jedoch baute sich bedrohlich vor Schöbinger auf.

Der beste Torschütze der Groß-Umstadter war auch in der 48. Minute beim nächsten Ärger beteiligt. Sein Wurf landete – abgefälscht – im Toraus. Die große Frage war nur: von wem? TVB-Torhüter Bastian Rutschmann war sich sicher, dass er und nicht ein Abwehrspieler zuletzt am Ball war. Also kein Eckball. Schiedsrichter Tobias Küsters war anderer Meinung.

In Wilhelmshaven kannte keiner den TV Bittenfeld

Darüber regte sich Bastian Rutschmann fürchterlich auf und gab auch nach der ausgesprochenen Zeitstrafe gegen ihn nicht klein bei. Die Folge: zweimal zwei Minuten für den Torhüter. Und dies im letzten Heimspiel für den TVB. Die Fans auf der Tribüne schüttelten den Kopf. Für sie war die Aktion bei der 28:22-Führung des TVB völlig unnötig.

Ein bisschen unangenehm war’s Rutschmann hernach schon. Zumal er eine weitere persönliche Niederlage einstecken musste: Das Duell mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden aus Oftersheimer Zeiten, Axel Buschsieper, verlor Rutschmann in dieser Saison knapp. Elfmal warf der Groß-Umstadter Linksaußen aufs Tor, sechsmal musste Rutschmann hinter sich greifen.

In der nächsten Saison wird Rutschmann keine Gelegenheit haben, diese Bilanz aufzubessern. Der Torhüter wird in der 1. Bundesliga bei FA Göppingen spielen, der Linksaußen in der 3. Liga. Zwei Jahre war Rutschmann beim TVB. Was er denn besonders vermissen werde, wollte Moderater Jens Zimmermann bei der Verabschiedung wissen. „Die verrückten Schwaben“, sagte Rutschmann, der gebürtige Badener. Bevor er nach Bittenfeld wechselte, spielte der 28-Jährige in der 2. Liga Nord beim Wilhelmshavener HV. „Dort kannte keiner den TV Bittenfeld. Aber jeder wusste, da spielt irgendjemand in der Porsche-Arena.“

Im Sommer 2007 kam Ludek Drobek zum TVB und entwickelte sich schnell zu einem Publikumsliebling. Derzeit erholt sich der Tscheche von einer Bandscheibenoperation. Bis zum Beginn der neuen Saison will er wieder fit sein. Im Trikot des Zweitligisten wird Drobek dann allerdings nicht mehr auflaufen. Er soll der zweiten Mannschaft, die in dieser Saison in die Württemberg-Liga aufgestiegen ist, mit seiner großen Erfahrung helfen. So ganz indes scheint Drobek mit der 2. Liga noch nicht abgeschlossen zu haben. „Natürlich bin ich immer bereit auszuhelfen, falls jemand verletzt ist.“

Fast schon eine Institution beim TVB ist Jens Baumbach. Seit 2001 spielt er in Bittenfeld und ist damit einer der Dienstältesten. An drei Aufstiegen war der Linksaußen beteiligt – oder an vier, schließlich kann die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga auch als eine Art Aufstieg angesehen werden.

Eine hartnäckige Ellbogenverletzung zwang Baumbach, mit dem Handball aufzuhören. „Es war eine sehr schöne Zeit hier“, sagte er und musste die eine oder andere Träne unterdrücken. Wie Drobek, so wird auch Baumbach dem Verein erhalten bleiben. In welcher Funktion, ist jedoch noch nicht klar. Derzeit kümmert er sich um das Scouting.

In den zehn Jahren beim TVB gab’s für Baumbach eine ganze Reihe von Höhepunkten. Die Spiele gegen den Lokalrivalen SG BBM Bietigheim zählten zweifellos dazu. Am Samstag ist es wieder so weit: Um 18 Uhr treffen in der Bietigheimer Viadukthalle der Fünfte SG BBM und der Vierte TVB aufeinander. Bittenfeld hat Platz vier sicher, Bietigheim könnte im Falle einer Niederlage um einen Rang nach hinten rutschen.

Der Blick auf die Tabelle wird die beiden Kontrahenten allerdings wohl eher am Rande interessieren. Bietigheim wird sich für die 29:32-Hinspielniederlage in der Stuttgarter Porsche-Arena revanchieren wollen. Und die Bittenfelder? Sie könnten ihr Punktekonto aus dem vergangenen Jahr toppen. 46 Zähler hatten sie 2009/2010 gesammelt, zwei mehr hätten sie im Falle eines Sieges.