Bittenfelder Jubel mit 23 Stunden Verspätung

Seit Samstag um kurz nach 21 Uhr ist klar: Der TV Bittenfeld wird in der nächsten Saison in der eingleisigen 2. Handball-Bundesliga spielen. Nach dem Sieg des ThSV Eisenach gegen den EHV Aue kann der TVB nicht mehr auf den Relegationsplatz zurückrutschen. „Es ist schön, dass wir jetzt diese Sicherheit haben“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Beim enttäuschenden 32:32-Unentschieden in Obernburg hatte der Bittenfelder Chef-Trainer daheim am Live-Ticker leise mitgelitten. Nun zwang die hartnäckige Mittelohrentzündung Günter Schweikardt auch am Freitag zu einer Zwangspause. Ausgerechnet beim Auftritt in der Porsche-Arena vor der tollen Atmosphäre mit knapp 5700 Zuschauern. Und ausgerechnet in einem Spiel, in dem der TVB mit einem Sieg den Sack hätte zumachen können in Sachen Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga.

Mit dem 24:24 gegen den TV Neuhausen/Erms machten die Bittenfelder am Freitag nur einen halben Schritt. „Die Freude war deshalb eher etwas verhalten“, sagt Co-Trainer Klaus Hüppchen, der anstelle von Schweikardt die Verantwortung hatte. Zittern indes mussten die Bittenfelder nur 23 Stunden, für den anderen Schritt sorgte der ThSV Eisenach. Nach dem 34:28 der Eisenacher gegen Aue war klar, dass der TVB selbst bei drei Niederlagen nicht mehr auf den zehnten Platz zurückfallen kann. 42 Punkte stehen auf dem Konto, deren 35 bei Aue, das es nach neun Spielen in Folge wieder erwischte.

Beide Mannschaften kommen noch einmal zurück

Nach dem vor allem in den zweiten 30 Minuten intensiv geführten Derby, in dem die Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch nicht immer einen stabilen Eindruck hinterließen, waren beide Trainer zufrieden. Einigermaßen zumindest. TVN-Coach Markus Gaugisch, „weil wir in der ersten Halbzeit nicht gerade unsere Top-Leistung abgerufen haben und trotzdem nur mit einem Drei-Tore-Rückstand in die Pause gingen“.

Und Klaus Hüppchen, weil er nach dem 23:22 durch Fabian Gutbrod drei Minuten vor dem Ende die Punkte schon in Neuhausen gesehen hatte. „Normalerweise ist dann das Spiel für uns weg. Dass wir noch mal zurückgekommen sind, ist schon eine große Sache.“

Die Enttäuschung über „nur“ einen Punkt kann Hüppchen einerseits nachvollziehen. Andererseits aber auch nicht. „Die Erwartungshaltung ist groß“, sagt er. „Man muss aber auch sehen, dass zwischen dem TV Bittenfeld und dem TV Neuhausen keine Welten liegen. Das sind zwei Teams auf Augenhöhe.“

Natürlich hätte auch er den TV Bittenfeld nach den recht souveränen ersten 30 Minuten im zweiten Spielabschnitt gerne ähnlich dominant gesehen. Und beim 17:12 nach 35 Minuten sah’s auch sehr gut aus für den TVB. In den restlichen 25 Minuten indes brachten die Bittenfelder den Ball nur noch siebenmal im Tor des starken Milos Slaby unter. 24 Treffer: Weniger oft traf der TVB in dieser Saison nur beim 22:28 in Eisenach und 21:28 gegen Aue. Übrigens ebenfalls in der Porsche-Arena. „Wir haben vorne einfach nichts mehr hingekriegt“, sagt Hüppchen.

Selbst wenn der Punkt vom Freitag nicht die Qualifikation bedeutet hätte: Hüppchen ist sich sicher, dass der TVB die nötigen Zähler noch geholt hätte. „Die Frage war nur, wann und wie.“ Unter allen Umständen vermeiden indes wollte Hüppchen ein Endspiel am letzten Spieltag. Da muss der TVB bei der SG BBM Bietigheim antreten. In den Derbys zwischen den beiden Kontrahenten knistert’s auch, wenn’s lediglich um zwei Punkte geht. Den zusätzlichen Druck des Ligaverbleibs braucht niemand.

Apropos Bietigheim: Die SG musste sich am Wochenende dem Tabellenführer TV Hüttenberg knapp mit 27:28 geschlagen geben und den TV Bittenfeld in der Tabelle vorbeiziehen lassen. Der TVB darf sicher sein, dass sich der Nachbar Platz vier bis zum Saisonende zurückholen will. Außer gegen den TVB muss die SG noch gegen den HC Erlangen und beim Tabellenzweiten Bergischer HC antreten.

Die Bittenfelder scheinen mit den Spielen beim Drittletzten OSC Rheinhausen und gegen den Vorletzten TV Groß-Umstadt leicht im Vorteil. Günter Schweikardt und Klaus Hüppchen lassen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass mit der vorzeitigen Qualifikation die Saison für ihr Team noch längste nicht zu Ende ist. Mit drei Siegen soll der vierte Platz verteidigt werden.

Bei der Maximalausbeute kann der TVB noch Dritter werden

Mindestens. Bei der Optimalausbeute könnte sogar noch Rang drei und dabei die Vorjahresplatzierung drin ein. Zwei Punkte ist die HSG Düsseldorf im Vorteil. Doch in Korschenbroich und in Neuhausen haben schon andere Mannschaften nichts zu bestellen gehabt.

Weil am Freitag nur eine Feier auf Sparflamme stattfand, möchte Schweikardt diese mit einem Sieg im letzten Heimspiel gegen Groß-Umstadt in knapp zwei Wochen „gemeinsam mit unseren Fans“ nachholen.

Bis dahin soll auch die letzte ausstehende Personalie geklärt sein: die Torhüterfrage. Wer Nachfolger von Bastian Rutschmann wird, der zum Erstligisten FA Göppingen wechselt, könnte sich bereits in dieser Woche entscheiden.