Bittenfeld hofft auf die große Party in der Arena

In Obernburg musste die Qualifikationsfeier ausfallen, heute Abend wollen die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld vor mindestens 5000 Zuschauern in der Porsche-Arena diese im großen Rahmen nachholen: Bei einem Sieg im württembergischen Derby gegen den TV Neuhausen/Erms wäre alles klar. Die Ermstäler allerdings sind derzeit in prächtiger Form. TV Bittenfeld (5. Platz, 41:19 Punkte) – TV Neuhausen/Erms (7. Platz, 37:23 Punkte/heute, 20.30 Uhr, Porsche-Arena).

Obernburg ist ein nettes Städtchen mit einer sehr schönen Halle. Die Bittenfelder indes fahren nicht gerne nach Mainfranken: Bei fünf Ausflügen brachten sie gerade einmal ein mickriges Pünktchen mit nach Hause. In der vergangenen Saison stolperte der TVB auf dem Weg zu den Relegationsspielen, am Ostermontag beendete Tuspo mit dem 32:32 die Serie von acht Bittenfelder Siegen in Serie.

Der erkrankte Bittenfelder Trainer verfolgte das Spiel daheim am Live-Ticker – und hat sich mächtig geärgert. „Ein Unentschieden beim Tabellenletzten kann nicht unser Anspruch sein“, sagt Günter Schweikardt. „Wir sollten uns alle Gedanken machen, wie wir solche Spiele künftig angehen.“ Seinen Spielern habe er jedenfalls seine Meinung zum lahmen Auftritt in Obernburg deutlich mitgeteilt. Hätten die Bittenfelder ihre Pflichtaufgabe erfüllt, wäre die – wenn auch minimale – Chance auf Rang zwei noch intakt gewesen. Besonders stabil scheinen in der Schlussphase der Saison weder der TV Hüttenberg noch der Bergische HC zu sein. Vier Punkte in den letzten vier Spielen aufzuholen, wäre für den TVB zumindest nicht ausgeschlossen gewesen bei dem schweren Restprogramm, welches das Führungsduo noch vor der Brust hat.

Tröstlich dürfte den TVB stimmen, dass ihm in der neuen Saison die Fahrt nach Obernburg – mit höchster Wahrscheinlichkeit – erspart bleiben wird. Tuspo steigt in die 3. Liga ab, der TVB steht kurz vor der Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga. Heute Abend könnte er endgültig einen Haken an die Sache machen.

Der TV Neuhausen/Erms ist, anders als Obernburg, eigentlich ein gern gesehener Gegner des TVB. Die beiden Teams kennen sich aus unzähligen Testspielen, bei denen Bittenfeld stets im Vorteil war. Auch in den Pflichtspielen ging Neuhausen leer aus: 33:25 siegte der TVB in der vergangenen Saison in der Gemeindehalle und holte mit 28:22 die Punkte aus der gefürchteten Hofbühlhalle. Auch in der Hinrunde hatte Bittenfeld beim 29:25 in Metzingen das bessere Ende für sich. Danach jedoch hatte es lange Zeit nicht ausgesehen. 15:10 führte Neuhausen, ehe der TVB die heiß umkämpfte Partie vom 14:16 zum 20:16 drehte.

Trotz der positiven Bilanz: Neuhausen als Lieblingsgegner der Bittenfelder zu bezeichnen, wäre verwegen. Nach dem überraschenden achten Platz im Aufstiegsjahr legte der TVN im zweiten Jahr in der 2. Liga einen phänomenalen Start hin: In den ersten zwölf Spielen blieb er bei 21:3 Punkten ungeschlagen und führte lange die Tabelle an. Drei Niederlagen in Folge warfen Neuhausen etwas zurück.

Was es draufhat, bewies es aber noch mehrfach in dieser Saison. Der TVN holte einen Punkt beim Tabellenführer TV Hüttenberg und zwei Zähler in Bietigheim. In den jüngsten vier Partien gab’s viele Parallelen zu den Bittenfeldern: Neuhausen verlor zu Hause gegen den EHV Aue sowie in Eisenach und Erlangen. Und Neuhausen besiegte, wie der TVB, den TV Hüttenberg (30:27) und den Bergischen HC (31:26).

Vor allem der neueste Coup gegen die Löwen sorgte für Aufsehen. Die Ermstäler führten den bisherigen Tabellenführer phasenweise vor, lagen mit 10:4, 21:13 und 23:17 vorne. Ein überragendes Spiel machte, außer dem tschechischen Nationaltorhüter Milos Slaby, der neunfache Torschütze Fabian Gutbrod. Der 22-jährige Rückraumspieler, derzeit noch mit Zweifachspielrecht in Diensten von FA Göppingen, wechselt zur neuen Saison zum Erstligisten HBW Balingen-Weilstetten.

Die Bergischen Löwen taten sich ungemein schwer gegen die aggressive, laufstarke und bewegliche 3:2:1-Deckung des TVN und leisteten sich etliche Abspielfehler. Die nutzte Neuhausen eiskalt zu Kontertreffern. Nach diesem fulminanten Auftritt trübte nur die Verletzung von Alexander Stevic die Stimmung beim TVN: Der Spielgestalter brach sich kurz vor Schluss das Jochbein und fällt heute aus.

Stark besetzt ist Neuhausen auf allen Positionen: Am Kreis spielen Daniel Reusch und der Ex-Bittenfelder Julius Emrich, Rechtsaußen Alexander Trost und Ralf Bader bringen Erstligaerfahrung mit, Linkshänder Jeremias Rose kam vor der Saison aus Hildesheim. Große Talente sind unter anderem Marcel Schiller (19), Ferdinand Michalik (24) und Simon Oesterle (20).

„Wir haben noch einmal ein großes Spiel vor uns“, sagt Günter Schweikardt, der in Neuhausen eine ähnliche Entwicklung sieht wie in Bittenfeld. Die vergangenen zehn Jahre hätten gezeigt, dass sich Jugendarbeit lohne. „Es ist toll, dass es beide Mannschaften auf diese Weise an die Spitze der 2. Liga geschafft haben.“

Auch wenn den Bittenfeldern selbst bei einer Niederlage die Qualifikation kaum mehr zu nehmen sein wird: Schweikardt will unbedingt heute alles klarmachen. „Ich bin mir sicher, dass sich alle richtig reinhängen werden.“ Neu im Kader sein wird Michael Seiz vom Perspektivteam.