Handball geht anders

Die Bittenfelder Zweitliga-Handballer haben den 33:28-Sieg bei der SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen ausgiebig gefeiert. Mindestens genauso wichtig war für Günter Schweikardt, dass seine Spieler das überharte Derby ohne weitere Blessuren überstanden. „Handball geht anders“, sagt der TVB-Trainer. „Man sollte die Regeln nicht allzu oft übertreten.“

Der TVB wollte vor 900 Zuschauern in der Herrenberger Markweghalle den siebten Sieg in Folge, die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen unter keinen Umständen die siebte Pleite hintereinander kassieren. Während der TVB die Punkte auf dem Weg in die eingleisige 2. Liga brauchte, ging’s für die abgeschlagenen Herrenberger allenfalls ums Prestige.

Für den Geschmack des Bittenfelder Trainers übertrieben es die Herrenberger dabei bisweilen mit dem Körpereinsatz. „Wir hatten schon erwartet, dass Herrenberg mit einer massiven Abwehr zum Erfolg kommen will“, sagt er. „Meines Erachtens war der Einsatz aber zu hart.“ Er habe jedenfalls eine andere Auffassung vom Handball. „Das war kein schönes Spiel.“

Vom ersten Angriff an ging’s heftig zur Sache, die jungen Schiedsrichter Jan und Manuel Lier (Stuttgart/St. Gallen) unterschätzten offenbar die giftige Atmosphäre auf dem Spielfeld. Mit Gelben Karten, Ermahnungen und Beschwichtigungen versuchten sie, die Gemüter zu beruhigen. Doch in der ersten Viertelstunde lagen mehr Spieler auf dem Boden, als Tore fielen. „Das Spiel ist schon in der Anfangsphase ausgeufert“, sagt Schweikardt. „Es gab auch viel zu viele Diskussionen.“

Herrenberger sind die Zeitstrafenkönige der Liga

Dass der eine oder andere seiner Spieler nicht immer klein beigegeben habe, sei verständlich. Es sei wie im richtigen Leben: Man dürfe sich nicht alles gefallen lassen und müsse sich gegebenenfalls wehren – „den Regeln entsprechend“.

Sechs Zeitstrafen kassierte der TVB insgesamt, ungewöhnlich viele für seine Verhältnisse. In der Strafenstatistik liegt er auf dem letzten Platz mit 77 Hinausstellungen in 28 Spielen, das macht einen Schnitt von 2,8 pro Spiel. Die Herrenberger dagegen führen hier deutlich mit 182 Zeitstrafen – inklusive der zehn vom Samstag. Im Schnitt kassierte die SG damit 6,5 Strafen.

Ein flüssigen Spiel kam in der Markweghalle so nicht zustande. Im allgemeinen Trubel hat die Bittenfelder Defensive bisweilen die Übersicht verloren, „wir standen in den ersten 30 Minuten nicht kompakt genug“. Zudem schossen die Bittenfelder den Herrenberger Keeper Maximilian Bender regelrecht warm. Der 20-Jährige, den die SG vom Erstligisten TSG Friesenheim ausgeliehen hat, blieb vor der Pause bei fünf von sieben Bittenfelder Siebenmetern der Sieger und war auch aus der Distanz häufig auf dem Posten. Folgerichtig lag der TVB nach 24 Minuten mit vier Toren im Hintertreffen (8:12). Zur Pause war er beim 14:13 wieder dran.

So richtig in den Griff bekam der Favorit die SG jedoch auch in den zweiten 30 Minuten nicht, obgleich sich die Defensive deutlich steigerte. Fulminant indes war wieder einmal der Schlussspurt. Nach Valentin Hörers 25:25 für die SG (51.) drehten vor allem die Bittenfelder Außen Arnor Gunnarsson und Tobias Schimmelbauer auf, zudem steigerte sich Torhüter Bastian Rutschmann enorm und avancierte mit zum Matchwinner. Mit vier Toren in Folge zog der TVB, frenetisch angefeuert von seinen Fans, vier Minuten vor dem Ende auf 29:25 davon und siegte letztlich etwas zu deutlich mit 33:28.

„Unsere Fans waren mit ein Garant dafür, dass wir gewonnen haben“, sagt Schweikardt. „Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass wir etwas souveräner aufgetreten wären.“ Positiv sei, dass sich der Kader nicht weiter reduziert habe. „Es gibt keine weiteren Blessuren.“

Am Samstag, 16. April, kommt der Tabellennachbar TV Korschenbroich in die Gemeindehalle, der den Tabellenführer Bergischer HC mit 32:29 besiegte. In diesem Spiel geht es für den TVB darum, den fünften Platz zu verteidigen – und möglicherweise die letzten beiden Punkte zur Qualifikation zu holen.

Wobei Günter Schweikardt selbst bei einem Sieg die Beine noch nicht hochlegen will. „Vor ein paar Wochen habe ich gedacht, 40 Punkte reichen auf jeden Fall“, sagt er. „Das würde ich so jetzt nicht mehr unbedingt unterschreiben.“ Die Hauptkonkurrenten ThSV Eisenach und der EHV Aue lassen sich einfach nicht abhängen.

Das Polster des TVB bleibt auch sechs Spieltage vor Ende bei sechs Punkten.