Bittenfeld lässt sich nicht einlullen

Entweder hauchdünn oder glasklar: Der sechste Sieg in Folge des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld war einer der zweiten Kategorie. Der TVB ließ der TSG Groß-Bieberau beim 31:19 (17:12) nie eine Chance. Die TSG versuchte, die Bittenfelder mit ewig langen Angriffen einzulullen, die indes blieben hellwach. Arnor Gunnarsson war, wie zuletzt in Düsseldorf, nicht zu bremsen.

Das Führungsduo Bergischer HC und TV Hüttenberg hatte sich zu seinen Siegen gegen die TSG Groß-Bieberau gequält, die Bittenfelder waren also gewarnt. Obgleich die Odenwälder bei 13 Punkten Rückstand auf den zehnten Platz keine Chance mehr haben auf die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga, wollen sie die Saison offensichtlich nicht auslaufen lassen. Zudem hatte die TSG in den vergangenen beiden Spielzeiten in Bittenfeld sehr gut ausgesehen.

Am Samstag hatte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Göttmann vor den rund 800 Zuschauern in der Gemeindehalle etwas Besonderes einfallen lassen: Mit einer äußerst offensiven Abwehrformation wollten sie die Distanzschützen des TVB verunsichern. Beim 26:21-Hinspielsieg der Bittenfelder hatte Dominik Weiß alleine zehnmal getroffen.

Vorne dagegen vertraute Groß-Bieberau auf seine bewährte Spielweise: Mit ewig langen Angriffen, fast immer am Limit des Zeitspiels, wollten sie die Bittenfelder Defensive einschläfern und zu unbedachten Aktionen verleiten. In den ersten 30 Minuten gelang das hin und wieder. Der TVB agierte bisweilen etwas zu sorglos.

Die Defensivtaktik der ersatzgeschwächt angetretenen Groß-Bieberauer jedoch ging in die Hose. Die Bittenfelder legten einen Blitzstart hin, beim 5:0 nach viereinhalb Minuten schritt TSG-Trainer Göttmann mit einer frühen Auszeit ein. Am Spielverlauf indes änderte sich nichts Wesentliches: Den Schiedsrichtern Thomas Hörath und Timo Hofmann schliefen vom ständigen Zeitspielanzeigen fast die Arme ein, unter Druck unterliefen den Gästen etliche Abspielfehler. Die nutzten die Bittenfelder gleich reihenweise zu Kontern.

Nicht zu halten war wieder einmal Rechtsaußen Arnor Gunnarsson. Der Isländer, vor einer Woche beim Sieg in Düsseldorf 14-mal erfolgreich, netzte diesmal auch neunmal ein – und zwar aus allen Lagen und Winkeln. Im Positionsangriff zeigte Adrian Wehner eine starke Leistung.

Nach zehn Minuten führte Bittenfeld mit 8:3, fortan pendelte sich der Vorsprung zwischen vier und sechs Toren bis zum 17:12-Halbzeitstand ein. Der kam einer Vorentscheidung gleich, denn zu beschränkt waren die Gäste in ihren Offensivmöglichkeiten. Außerdem hatte der TVB vorn wie hinten noch Reserven. Einer freute sich übrigens besonders: In der 28. Minute erzielte Marcel Lenz sein erstes Tor nach seiner langen Verletzungspause.

Der Start in die zweiten 30 Minuten allerdings war nicht so, wie ihn sich das TVB-Trainergespann Günter Schweikardt/Klaus Hüppchen vorgestellt hatte. Die ersten vier Angriffe verpufften. Schaden richtete diese Flaute nicht an, weil sich die Bittenfelder Defensive um den aufmerksamen Jürgen Schweikardt deutlich steigerte. Groß-Bieberau lief sich fest, scheiterte am Block oder an Torhüter Bastian Rutschmann. Gerade einmal zwei Tore gelangen den Gästen in den ersten zwölf Minuten nach der Halbzeitpause.

Spätestens beim 22:14 (42.) durch Florian Schöbinger nach einem Zauberanspiel Schweikardts gab’s keinen Zweifel mehr, wer als Sieger die Gemeindehalle verlassen wird. Auch wenn den Groß-Bieberauern mangelnder Kampfgeist nicht vorzuwerfen war.

In den letzten zehn Minuten jedoch brachen die Gäste doch noch ein, nur noch zweimal fand der Ball den Weg ins Bittenfelder Tor. Der TVB zauberte noch ein bisschen und schickte den Gegner mit einer 31:19-Schlappe nach Hause.

Mit dem sechsten Sieg in Serie eilen die Bittenfelder mit Riesenschritten in Richtung eingleisige 2. Liga. Die Konkurrenz um Platz neun punktete zwar erneut ausnahmslos. Doch sechs Punkte Vorsprung bei noch sieben Spielen sind ein Wort.

Am Samstag (20 Uhr) steht in Herrenberg das württembergische Derby gegen die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen an.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Schimmelbauer (3), Schöbinger (5), Forstbauer (2), Weiß (1), Lenz (2), Schweikardt, Gunnarsson (9/1), Heib, Sigtryggsson (2), Wehner (7).

TSG Groß-Bieberau: Beck; Göbel, Malik (4), Knobloch (2/2), Gaydoul (1), Laurencz (4), Rybakov (5), Konrad, Bauer (3), Neumann, Arnold.