Bittenfeld will auswärts einen Großen knacken

Mit 10:2 Punkten ist der TV Bittenfeld im Kalenderjahr 2011 eines der erfolgreichsten Teams der 2. Handball-Bundesliga Süd und auf dem besten Weg in die eingleisige 2. Liga. Der Gegner morgen ist momentan drei Punkte hinter seinem Saisonziel zurück: Die HSG Düsseldorf will in die 1. Liga und darf sich gegen den TVB keinen Ausrutscher erlauben.

HSG Düsseldorf (3. Platz, 37:13 Punkte) – TV Bittenfeld (6. Platz, 32:18 Punkte/Samstag, 18.15 Uhr). Es läuft sehr gut beim TV Bittenfeld, der die verletzungsbedingten Ausfälle überraschend gut weggesteckt hat. Beim souveränen Auftritt gegen die HSG Frankfurt (36:24) waren alle drei Langzeitverletzten wieder in der Halle: Der frisch an der Hand operierte Thorsten Salzer musste viele Fragen nach seinem Gesundheitszustand beantworten. Ludek Drobek feuerte seine Mannschaft nahe der Auswechselbank an – in Zivil freilich noch nach seiner Bandscheibenoperation. Und Simon Baumgarten war bereits wieder im Einsatz: Der am Kreuzband operierte Kreisläufer bediente den Live-Ticker.

Salzer wird als Erster sein Comeback feiern. Dominik Weiß pausierte nach seinem Mittelhandbruch Ende Dezember sechs Wochen, bei einem ähnlichen Heilungsverlauf könnte Salzer möglicherweise am 16. April gegen den TV Korschenbroich wieder eingreifen. Es könnte allerdings auch ein bisschen länger dauern als bei seinem Rückraumkollegen: Die Mittelhand ist etwas komplizierter gebrochen.

Ex-Welthandballer Stephan soll’s als Sportdirektor richten

Auch ohne das Trio überzeugten die Bittenfelder zuletzt. Hatten sie gegen Hüttenberg (27:26), in Saarlouis (34:33) und in Coburg (26:25) noch etwas Glück, benötigten sie davon gegen die harmlosen Frankfurter nicht viel. Morgen indes werden’s die Bittenfelder schwer haben, ihre Serie von 8:0 Punkten auszubauen.

Die HSG Düsseldorf kennt nach dem Abstieg in der vergangenen Saison nur ein Ziel: die sofortige Rückkehr in die erste Liga. Dazu haben die Rheinländer einen ganzen Batzen Geld in die Hand genommen. Investiert wurde nicht nur in Spieler wie Daniel Brack (Hannover-Burgdorf) oder Valdas Novickis (Leichlinger TV), sondern auch neben dem Platz. Die HSG holte Daniel Stephan als Sportdirektor.

Der Ex-Welthandballer hat jedoch vorgestern überraschend seinen Drei-Jahresvertrag zum Saisonende gekündigt. „Die Voraussetzungen, warum ich letztes Jahr bei der HSG unterschrieben habe, haben sich leider verändert“, sagt Stephan in einer Pressemitteilung des Vereins. Mit Stephans Namen wollten die Düsseldorfer Sponsoren gewinnen. Das indes scheint nicht funktioniert zu haben. Zudem hatte ein größerer Sponsor im Dezember Insolvenz angemeldet. Die Rede ist von einem Verlust im sechsstelligen Bereich. Am sportlichen Ziel der Düsseldorfer hat sich nichts geändert: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, sagt Stephan.

Die HSG startete mit 8:0 Punkten perfekt in die Saison, musste dann jedoch drei Niederlagen in Folge einstecken und unterlag auch am neunten Spieltag mit 26:29 in Bittenfeld. Anschließend gab’s imponierende 20:0 Punkte, ehe die HSG gegen die SG BBM Bietigheim mit 25:26 eine schmerzliche Heimniederlage kassierte. In Eisenach und Hüttenberg setzte es weitere Niederlagen, zuletzt trennte sich das Team von Trainer Ronny Rogawska vom Bergischen HC mit 32:32.

Damit mussten die Löwen die Tabellenführung an den punktgleichen TV Hüttenberg abgeben, die Düsseldorfer lauern mit drei Zählern Rückstand auf dem dritten Platz.

Trotz drei Punkten Rückstand: Die Chancen der HSG sind gut

Klar, dass sie in den letzten neun Spielen nicht mehr viele Punkte herschenken dürfen im Kampf um den Direktaufstieg oder zumindest die Relegation. Die Chancen stehen so schlecht nicht, das Restprogramm der HSG ist durchaus lösbar.

TVB-Trainer Günter Schweikardt glaubt nicht, dass die HSG schon aus dem Titelrennen ist. „Da ist noch längst nichts entschieden“, sagt er. Was den Kader betrifft, ist die HSG mindestens so gut besetzt wie die Bergischen Löwen. „Düsseldorf lebt von seiner individuellen Stärke“, sagt Schweikardt. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich die Unruhe im Umfeld auf die Leistungen der Mannschaft auswirken werden – im Gegenteil. „Es ist zu befürchten, dass sich die Routiniers jetzt erst recht beweisen wollen.“

Überdurchschnittlich besetzt ist die HSG im Tor mit dem litauischen Nationalspieler Almantas Savonis und seinem Kollegen Matthias Puhle, der in der nächsten Saison beim Erstligisten HBW Balingen-Weilstetten unterschrieben hat. Prunkstück ist der Rückraum mit dem litauischen Nationalspieler Valdas Novickis, Ex-Nationalspieler Michael Hegemann, Daniel Brack und dem besten Torschützen Jan-Henrik Behrends. Am Kreis ergänzen sich Junioren-Nationalspieler Max Weiß und der österreichische Nationalspieler Patrick Fölser. Gefährlich sind die schnellen Außen Marcel Wernicke (ehemals Dormagen) und Florian von Gruchella, ebenfalls Junioren-Nationalspieler.

„Natürlich sind wir Außenseiter“, sagt Schweikardt. „Schade, dass wir nicht komplett sind. Aber vielleicht gelingt uns trotzdem eine Überraschung.“ In Bittenfeld musste das Führungstrio die Punkte liegen lassen. Nun ist’s für den TVB eigentlich an der Zeit, auch auswärts ein Spitzenteam zu knacken. Zumal die Bittenfelder noch ein paar Punkte brauchen: Mit dem TVB, Korschenbroich, Erlangen, Saarlouis, Eisenach und Aue kämpfen sechs Teams um die restlichen vier Qualifikationsplätze.

Der TVB wird in derselben Besetzung wie gegen die HSG Frankfurt antreten. Also auch wieder mit Linksaußen Marcel Lenz.