TV Bittenfeld ist wieder in der Spur

Zwei Niederlagen in Folge, drei Punkte Abstand zum Abstiegsplatz, fünf Wochen Pause und den Tabellenzweiten vor der Brust: Die Nervosität war spürbar am Freitagabend beim Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld. Entsprechend erleichtert zeigt sich TVB-Trainer Günter Schweikardt nach dem 27:26-Sieg gegen den TV Hüttenberg.

Wenn sich die Bittenfelder Fans in dreieinhalb Monaten an die Saisonhöhepunkte erinnern werden, wird das Spiel des TVB gegen den TV Hüttenberg am Freitag in der Porsche-Arena dabei sein. Die finalen Minuten waren an Spannung und außergewöhnlichen Toren kaum zu überbieten.

Florian Schöbingers Treffer unter Zeitspielgefahr zum 26:26 begeisterte nicht nur seinen Trainer („ein genialer Wurf“). Doch was danach kam, war noch kurioser – und gab reichlich Anlass zur Diskussion. Beim finalen Bittenfelder Konter brachte der Hüttenberger Andreas Scholz unglücklich Simon Baumgarten zu Fall. Die Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner setzten bereits zum Pfiff an. Irgendwie indes bekam Baumgarten – im Liegen – den Ball doch noch zu fassen und bugsierte ihn ins Tor zum 27:26-Siegtreffer.

War der aber regulär? „Meiner Meinung nach hätte es hier zwei Minuten gegen uns und Siebenmeter für Bittenfeld geben müssen“, sagte Jan Gorr. Vehement widersprechen wollte Baumgarten dem Hüttenberger Trainer nicht. „Nachdem ich gestürzt bin, wollte ich nur irgendwie den Ball sichern“, sagte er. „Ich hatte damit gerechnet, dass die Schiedsrichter das Tor wegen eines technischen Fehlers nicht geben.“ Mancher hatte Baumgarten im Kreis liegen sehen, bevor der Ball die Hand des Kreisläufers verlassen hatte. „Kreis war’s eher nicht“, sagt Baumgarten. „Vielleicht wären eine Zeitstrafe und ein Siebenmeter die fairste Entscheidung gewesen.“

Etwas glücklich sei der Sieg sicher zustande gekommen, gab auch TVB-Trainer Günter Schweikardt zu. „Wenn aber eine Mannschaft den Sieg eher verdient gehabt hat, dann waren wir es.“ Garanten für den Erfolg gab’s einige.

Die Neuen. Gerade einmal eine Woche haben die beiden Neuverpflichtungen Arni Sigtryggsson und Thorsten Salzer mit der Mannschaft trainiert. Gegen Hüttenberg bekamen sie überraschend viele Spielanteile. Eigentlich sei zunächst ein Angriff-Abwehr-Wechsel zwischen Jan Forstbauer und Sigtryggsson geplant gewesen, sagt Schweikardt. Weil der Junioren-Nationalspieler Mühe hatte, sich durchzusetzen, kam der Isländer schnell auch in der Offensive zum Einsatz – und rechtfertigte diesen mit acht Toren und einer sehr guten Quote. „Das hat er sehr gut gemacht“, sagt Schweikardt. „Allerdings dürfen wir das eine Spiel nicht gleich überbewerten.“

Zufrieden war der Trainer auch mit Salzer, auch wenn der in der Offensive nicht so sehr in Erscheinung trat. „Man hat gesehen, dass uns beide Spieler guttun.“

Das Comeback. Im letzten Spiel vor der WM-Pause hatte sich Dominik Weiß die Hand gebrochen. Gegen Hüttenberg setzte er im linken Rückraum gleich wieder Akzente. Mit drei Toren in Folge war er maßgeblich daran beteiligt, dass sich der TVB zu Beginn der zweiten 30 Minuten auf vier Tore absetzte. „Man hat gesehen, wie wichtig er für uns ist“, sagt Schweikardt.

Das Torhüterduo. Die Hüttenberger hatten mit Matthias Ritschel einen starken Rückhalt, der TVB hielt auf dieser Position mit zwei Torhütern dagegen. Daniel Sdunek fand gut in die Partie, hatte dann aber in ein paar Szenen Pech. Nach 23 Minuten kam Bastian Rutschmann. Der künftige Göppinger parierte einige schwierige Bälle, wackelte aber in der Schlussphase ein wenig. Sieben Minuten vor dem Ende kehrte Sdunek zurück. „Unterm Strich war’s eine gute Leistung unserer Torhüter“, sagt Schweikardt. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, ein funktionierendes Duo zu haben.“

Die Defensive. Bis auf wenige Ausnahmen präsentierte sich die 6:0-Abwehr kompakt, was auch ein Verdienst der Neuen war. Der Mittelblock stand fast durchweg sicher, den gefährlichen Polen Tomasz Jezewski hatte der TVB sehr gut im Griff. Jürgen Schweikardt, im Angriff diesmal mit weniger Spielanteilen, zeigte hier eine gute Leistung. Ganz wichtig war sein energisches Eingreifen neun Sekunden vor dem Ende. Für das kassierte er zwar eine Zeitstrafe, er unterband aber clever den letzten Angriff des Gegners.

Die Offensive. Gegen die aggressive und offensive Deckung der Hüttenberger hatten die Bittenfelder in einigen Phasen ihre Schwierigkeiten, zu schleppend wurden bisweilen die Angriffe vorgetragen. Besser wurde es, als der flinke und ideenreiche Alexander Heib die Spieleröffnung übernahm. „Das hat er prima gemacht“, sagt sein Trainer.

Die Fans. „Das war wieder einmal echte Bittenfelder Porsche-Arena-Atmosphäre“, sagt Günter Schweikardt. Nach verhaltenem Beginn peitschten die 5340 Fans den TVB nach vorne. „Sie haben einen großen Anteil am Erfolg“, sagt der Trainer.

Die Statistik. Der TV Bittenfeld musste nur eine Zeitstrafe absitzen (Jürgen Schweikardt), der TV Hüttenberg drei (Florian Laudt, Andreas Scholz, Sven Pausch). Arnor Gunnarsson verwandelte sämtliche vier Siebenmeter für den TVB. Hüttenberg traf nur einmal bei drei Versuchen (Sven Pausch). Einmal scheiterte Pausch an TVB-Torhüter Bastian Rutschmann, Florian Billek warf über das Tor.

Das Fazit. Nach zwei Niederlage in Folge hat sich der TV Bittenfeld mit dem nicht unbedingt erwarteten Sieg gegen den Tabellenzweiten zurückgemeldet. Grund zur übermäßigen Euphorie indes gibt’s noch nicht. Das findet auch Günter Schweikardt und sagt – frei nach Aristoteles: „Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.“

Am Samstag geht’s nach Erlangen. Der HC hat die mit Abstand wenigsten Gegentore aller 18 Mannschaften kassiert. Das heißt, der TVB muss sich in der Offensive etwas einfallen lassen.

Günter Schweikardt geht die nächsten schweren Aufgaben optimistisch an. „Der breite Kader wird uns guttun.“ Mit allen Nachteilen, die er auch mitbringen kann. „Die Spieler müssen jetzt um ihre Spielanteile noch mehr kämpfen.“

Die Lage. Der große Gewinner des 20. Spieltags war der Bergische HC. Der Tabellenführer besiegte den nächsten Gegner des TVB, den HC Erlangen, mit 26:18 und baute seinen Vorsprung auf drei Punkte aus. Außer Hüttenberg schwächelte auch der Dritte: Die HSG Düsseldorf unterlag in eigener Halle der SG BBM Bietigheim mit 25:26. Der TV Bittenfeld profitierte von der 31:32-Niederlage des ThSV Eisenach beim HSC Coburg. Dadurch vergrößerte sich das Polster der Bittenfelder auf den ersten Abstiegsrang auf fünf Punkte.