„Haben eine große Chance vertan“

Siegessicher waren die Bittenfelder Zweitliga-Handballer nach Groß-Umstadt gereist, ernüchtert und mit einer 32:37-Niederlage kehrten sie zurück. „Wir haben eine große Chance vertan, noch mehr Sicherheit zu bekommen“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Und mit dieser Leistung müssen wir uns keine Gedanken um einen der vorderen Plätze machen.“

Die Bittenfelder hatten es sich so schön ausgemalt: Ein Pflichtsieg beim Vorletzten TV Groß-Umstadt, anschließend mit jeweils mindestens 5000 Fans im Rücken in der Porsche-Arena erst am Freitag die Bietigheimer und am zweiten Weihnachtsfeiertag den EHV Aue bezwingen. Mindestens auf Rang drei wäre der TVB in die WM-Pause gegangen.

Daraus wird nun nichts. Nach 12:2 Punkten wurden die Bittenfelder am Sonntag auf ziemlich unsanfte Art und Weise auf den Boden zurückgeholt: 32:37 beim TV Groß-Umstadt – und es hätte noch schlimmer ausgehen können für den Tabellendritten.

Nur zwei von 14 Spielen hatte der Aufsteiger bis dato gewonnen, in keiner Partie waren ihm mehr als 31 Treffer gelungen. Und ausgerechnet gegen den TVB tobten sich die Hessen nach Herzenslust aus.

Die Signale waren erkannt

Wie konnte das passieren? „Wir wussten eigentlich, was uns erwartet“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Groß-Umstadt hat sich zuletzt gesteigert, wir haben die Signale erkannt – nicht erst durch das starke Spiel beim Bergischen HC.“ Theorie und Praxis indes lagen vorgestern ein gutes Stück auseinander, was für den Bittenfelder Trainer aber auch zum Großteil am Gegner lag. „Groß-Umstadt hat mit großer Begeisterung und Konsequenz gespielt“, sagt er. Dem Gegner sei alles gelungen. „Andererseits haben wir es zugelassen.“

Ein schwacher Trost war’s für Schweikardt, dass in der Pressekonferenz nach dem Spiel vom besten Auftritt des TV Groß-Umstadt seit Jahren die Rede war. War’s auf der anderen Seite die schwächste Vorstellung des TVB in dieser Saison? „Wir hatten auch schon andere Spiele, in denen wir nicht so begeisternd gespielt haben“, sagt Schweikardt – und denkt dabei an Aue, Korschenbroich oder Frankfurt.

Als die Bittenfelder zur Pause mit 16:18 im Hintertreffen gelegen hatten, setzten die Fans auf den zweiten Spielabschnitt. Da indes geriet der TVB rasch vom 17:19 mit 17:24 ins Hintertreffen. Doch selbst da war für Schweikardt die Chance noch da, dem Spiel eine Wende zu geben. Hätte sich doch die Abwehr irgendwann stabilisiert. „Wir haben viel zu viele Zweikämpfe verloren.“ Und wie das oft so ist, passte auch im Angriff nicht viel zusammen.

Im zweiten Spielabschnitt brachte Schweikardt den angeschlagenen Adrian Wehner für kurze Zeit, nahm ihn aber zügig wieder heraus. „Wir wollten nicht riskieren, dass die Verletzung wieder aufbricht.“ Eine dritte Wechselmöglichkeit hätte dem TVB gutgetan, blieben doch fast alle acht Spieler – inklusive der beiden Torhüter – unter Form. Den nicht gerade üppigen Kader will Schweikardt allerdings nicht als Entschuldigung für den schwachen Auftritt gelten lassen.

Der Trainer geht davon aus, dass seine Spieler aus der Niederlage lernen. „Ich hoffe, sie wissen spätestens jetzt, dass man mit einer durchschnittlichen Leistung in dieser Saison kaum ein Spiel gewinnen kann.“ Auch nicht beim Vorletzten. Der TVB dürfe sich nicht zu sicher sein, unter den ersten neun zu landen. „Die Saison ist noch lang, es ist viel Stehvermögen gefragt.“

Bei aller Enttäuschung: Schweikardt hat bereits heute die nächste „hochinteressante Aufgabe“ im Blick: das Derby in der Porsche-Arena am Freitag gegen die SG BBM Bietigheim. 5800 Zuschauer sahen in der vergangenen Saison das 27:27-Unentschieden nach dramatischem Spielverlauf.