Bittenfeld siegt trotz vieler Verletzter

Es war keine 60-minütige Glanzvorstellung des TV Bittenfeld gegen den OSC Rheinhausen, dennoch reichte es zu einem sicheren Sieg. „Der war keine Selbstverständlichkeit“, sagt Günter Schweikardt. Der Bittenfelder Trainer freut sich über den Sprung auf den dritten Platz. „Den hätte uns vor ein paar Wochen kaum einer zugetraut.“

„Heimstärke gegen Auswärtsschwäche“ hatte das TVB-Hallenheft „Wildnews“ im Ausblick auf das Spiel des TV Bittenfeld gegen den OSC Rheinhausen getitelt. Der TVB hatte bis dato sämtlich sieben Heimspiele gewonnen, der OSC nur ein Auswärtsspiel. Auch der Rheinhausener Trainer stapelte vor dem Spiel tief. „Wir wollen das Ergebnis im Rahmen halten“, sagte Achim Schürmann.

Dass sich der Gegner keinesfalls als Punktelieferant präsentierte, überraschte Günter Schweikardt nicht. „Solche Aussagen zeigen, wie die Mannschaften bei uns antreten“, sagt er. „Befreit und ohne Druck.“ Und tatsächlich hatte der OSC Rheinhausen im heimischen Duisburg mehr Anlaufschwierigkeiten als im Spiel selbst: Bei der Abfahrt muckte der Motor eines Kleinbusses, zudem fehlte in der Scheibenwaschanlage der Frostschutz.

Zumindest 25 Minuten war der Außenseiter für den Favoriten ein unangenehmer Gegner. Das lag unter anderem an der schwachen Chancenverwertung des TVB bis dato: Nicht einmal die Hälfte aller Würfe fand den Weg ins Tor der Gäste. Doch auch die Deckung des TV Bittenfeld, ohne den verletzten Abwehrchef Ludek Drobek, offenbarte in den ersten 30 Minuten manche Schwäche. „Sein Fehlen machte sich schon bemerkbar“, sagt Schweikardt. „Und auch Adrian Wehner hätte uns in der einen oder anderen Phase sicher gutgetan.“ Der Rest der Mannschaft – inklusive beider Torhüter – habe die Aufgabe aber gut gelöst.

Der 31:25-Sieg des TVB stand für den „Spion“ des MT Melsungen am Spielfeldrand nicht infrage. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ihr das Spiel verlieren könntet“, sagte Michael Schweikardt nach dem Spiel im Gespräch mit seinem Vater und TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Mit dem Resultat waren selbst die Rheinhausener nicht unglücklich. „Wenn wir diese Leistung in der nächsten Woche wieder abrufen können, werden die Punkte wieder auf unserer Seite landen“, sagte OSC-Trainer Achim Schürmann.

Im nächsten Heimspiel erwartet Rheinhausen den HSC Coburg. Der war mit dem überraschenden 34:27-Sieg gegen den bisherigen Tabellenzweiten TV Neuhausen/Erms mitverantwortlich dafür, dass der TV Bittenfeld am Wochenende auf den dritten Platz nach vorne rückte und vor Bietigheim und Neuhausen das bestplatzierte württembergische Team in der Liga ist. „Das hätte uns vor drei, vier Wochen sicher kaum einer zugetraut“, sagt Günter Schweikardt.

Dabei sieht’s personell derzeit alles andere als gut aus. Wann Jens Baumbach nach seiner hartnäckigen Ellbogenverletzung sein Comeback feiern wird, steht in den Sternen. Sein Kollege auf Linksaußen, Marcel Lenz, arbeitet derweil an seiner Rückkehr. Die Patellarsehne macht keine Probleme mehr. Günter Schweikardt hofft, dass Lenz noch in der Hinrunde wieder dabei sein wird. „Aber natürlich wissen wir, dass er ein halbes Jahr nicht gespielt hat.“

Wesentlich frischer sind die Verletzungen von Adrian Wehner und Ludek Drobek. Wehner wird nach seinem Muskelfaserriss in der Wade möglicherweise schon am Sonntag in Groß-Umstadt dabei sein, spätestens aber am 17. Dezember in der Porsche-Arena beim Derby gegen Bietigheim.

Drobeks Bandscheibenvorfall wird zunächst konservativ, mit Spritzen, behandelt. „Wir haben große Hoffnung, dass er spätestens in der Rückrunde wieder spielen kann“, sagt Schweikardt. „Je früher, desto besser.“

Kurz vor der Pause des Rheinhausen-Spiels fuhr den Bittenfeldern der Schreck in die Glieder, als Arnor Gunnarsson umknickte und behandelt werden musste. Es war aber halb so schlimm: Der Isländer stand im zweiten Spielabschnitt wieder auf dem Platz.

Angesichts des personelles Engpasses wäre dem TVB geholfen, könnte er den einen oder anderen Spieler aus dem Perspektivteam in den Kader nehmen – und auch einsetzen. Doch gerade das ist das Problem: Der Festspielparagraf lässt dem TVB begrenzten Spielraum: Junge Spieler, die mehr als ein Spiel binnen vier Wochen in der Bundesliga bestreiten, sind in der zweiten Mannschaft für vier Wochen gesperrt.

Allzu gerne hätte Günter Schweikardt am Samstag gegen Rheinhausen Michael Seiz oder Martin Kienzle eingesetzt. Beide saßen für den Notfall umgezogen neben der Auswechselbank. „Ohne den Festspielparagrafen hätte ich sie sicher zehn Minuten eingesetzt“, sagt Günter Schweikardt. Er plädiert dafür, den Paragrafen für Spieler unter 21 Jahren abzuschaffen – unabhängig von der Spielklassenzugehörigkeit. „Talentierte Spieler sollten auch in höheren Klassen Praxis sammeln.“