TVB gegen OSC oder Heimstärke gegen Auswärtsschwäche

Nachdem das letzte Wochenende mit vier gewonnenen Punkten – sowohl durch einen sportlichen Sieg in Neuhausen als auch durch einen rechtlichen gegen den Bergischen HC – abgeschlossen wurde, soll dieser Trend durch einen weiteren Heimsieg fortgesetzt werden. Der OSC Rheinhausen hingegen hat eine Negativserie von vier Niederlagen in Folge zu beklagen und muss zuletzt als Aufsteiger immer mehr Lehrgeld zahlen.

Ende der neunziger Jahre spielte der OSC  04 (Olympischer Sportclub) Rheinhausen noch in der Eliteklasse des deutschen Handballs. Nach einer finanziellen Bruchlandung fand der Verein sich ab der Saison 1998/1999 in der Landesliga wieder und musste mehr oder minder bei null anfangen. Jeweils zwei Spielzeiten benötigte der Verein um die Landes-, Verbands- und Oberligen in Richtung Regionalliga zu verlassen. Im sechsten Jahr gelang auch von dort der Sprung nach oben und der OSC besiegelte nach zwölf Jahren Abstinenz die Rückkehr in den Bundesliga-Handball.

Nach zwei Auftaktniederlagen zu Beginn der Saison steigerten sich die Spieler aus dem Duisburger Stadtteil und konnten einen goldenen September feiern. Drei Siege aus vier Partien verhalfen dem OSC zu einem Platz in der vorderen Tabellenhälfte. Nach einem durchwachsenden Oktober mit zwei Siegen und zwei Niederlagen, schlug das Leistungsbarometer im November nach unten aus. Die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet kassierte vier, teilweise herbe Schlappen und findet sich aktuell nur noch auf dem 14.Platz in der Tabelle wieder. Der Abstand auf den Relegationsplatz ist mit einem Punkt zwar noch überschaubar, die Distanz auf den neunten Rang mit 5 Zählern beunruhigender. Vor allem wenn sich der Trend der letzten Wochen bestätigt wird es für den Neuling der zweiten Liga eine große Herausforderung auch in der kommenden Saison zweitklassig zu spielen.

Das mit fünf neuen Spielern verstärkte Team wird von Trainer Achim Schürmann betreut, der unter anderem für den TBV Lemgo in der 1.Bundesliga spielte und aus der eigenen Jugend des Vereins entstammt. Von den Neuverpflichtungen sollte vor allem ein Spieler erwähnt werden, der vom SF Hamborn aus der Oberliga kam. Mirko Szymanowicz, der gleichzeitig Hoffnungsträger auf dem Weg zu der eingleisigen Liga ist und der aktuell zweitbeste Torschütze der 2.Bundesliga Süd. Der Mann mit dem schwer auszusprechenden Namen hat bereits 89 Saisontore auf dem Konto und stellt somit einen großen Erfolgsfaktor für den OSC dar. Um den nächsten Rheinhäuser in der Torschützenliste zu finden, muss man deutlich weiter nach unten schauen. Mirko Bernau mit 43 und Fabian Schneider mit 39 Toren folgen mit deutlichem Abstand auf Szymanowicz, der beim OSC sowohl im mittleren als auch rechten Rückraum zum Einsatz kommt. Bei 380 Saisontoren geht also mehr als jeder vierte Treffer auf das Konto des Toptorjägers, eine Zahl die die Abhängigkeit deutlich macht.

Der TVB wird also für den Samstag gewarnt sein und sollte der Ruhigstellung von Szymanowicz eine hohe Priorität verleihen. Bisherige Aufeinandertreffen in der 2.Bundesliga gab es nicht, womit beide Teams Neuland betreten werden. Glaubt man der Statistik aus der laufenden Saison, muss der TVB als Sieger in der eigenen Halle vom Platz gehen. Alle sieben Heimspiele gewannen die Wild Boys bis dato und der Sieg in Neuhausen dürfte für ordentlich Rückenwind sorgen. Rheinhausen gewann in dieser Saison erst einmal in fremder Halle, beim Sieg in Korschenbroich am 4.Spieltag. In Korschenbroich kassierte der TVB wiederum die letzte Niederlage und dürfte somit gewarnt sein, den OSC nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Saison hat schon einige Überraschungen parat gehabt und am Wochenende sollte aus Bittenfelder Sicht keine weitere ergänzt werden.

Das Spiel vom vergangenen Samstag dürfte dabei hilfreich sein und den Spielern von Günter Schweikardt und seinem Trainerteam eine ordentliche Portion Selbstvertrauen verleihen. Nach einer mäßigen ersten Halbzeit drehte das Team in beeindruckender Manier das Spiel und besiegte die Überraschungsmannschaft von Trainer Markus Gaugisch, den TV 1893 Neuhausen, am Ende mit 29:25. Inklusive den zwei Punkten aus dem BHC-Spiel, die man vom Sportgericht erhalten hat, steht der TVB mit 20:8 Punkten auf einem guten 5.Platz. Der Abstand auf den oberen der beiden Relegationsplätze beträgt dabei nur noch einen Zähler. Die Situation zeigt wie schnell sich Perspektiven ändern können, warnt die Mannschaft des TVB aber auch davor überheblich zu werden. In erster Linie geht es für unsere Jungs weiterhin um das Erreichen der eingleisigen 2.Bundesliga. Auf dem Weg dorthin hat sich die Ausgangslage im Vergleich zu vergangenen Wochen deutlich verbessert. Ein Polster von 9 Zählern steht inzwischen als Differenz zwischen dem TVB und den brisanten Plätzen neun und zehn in der aktuellen Tabelle.

Dass das so ist und man als Sieger aus der Hofbühlhalle in Neuhausen abreisen durfte war auch ein großer Verdienst vom Torhüterduo Rutschmann und Sdunek. Nach dem Daniel Sdunek im ersten Durchgang seine Mannschaft im Spiel hielt, zeigte Rutschmann nach seiner Einwechslung eine erstklassige Leistung und ließ die Spieler des TV Neuhausen reihenweise verzweifeln. Bester Torschütze des TVB war Dominik Weiß, der mit seinen sieben Treffern (unter anderem in wichtigen Phasen des ersten Durchganges) einen großen Beitrag leistete. Der baumlange Rückraumspieler hat seit dem letzten Spiel schon einen Treffer mehr erzielt als in der gesamten Vorsaison. Mit seinen 75 Saisontoren gehört er zu den Top 15 in der Torschützenliste der 2.Bundesliga Süd. Arnor Gunnarsson, der in Neuhausen nicht seinen besten Tag erwischte, hat einen Treffer weniger und damit ebenfalls einen exzellenten Wert vorzuweisen.