TVB muss kühl bleiben in der „Hofbühlhölle“

Das erste württembergische Derby in der 2. Handball-Bundesliga gegen Haslach-Herrenberg-Kuppingen hat der TV Bittenfeld klar für sich entschieden. Im Auswärtsspiel morgen wartet eine ungleich kniffligere Aufgabe: Der TV Neuhausen/Erms musste sich in 13 Spielen nur beim Bergischen HC geschlagen geben und ist auf Platz zwei das Überraschungsteam dieser Saison. TV Neuhausen/Erms (2. Platz, 21:5 Punkte) – TV Bittenfeld (7. Platz, 16:10 Punkte/Samstag, 20 Uhr, Hofbühlhalle Metzingen-Neuhausen).

Mit dem Sieg gegen Obernburg hat sich der TVB bis auf fünf Punkte an Neuhausen herangespielt. Die Ermstäler mussten beim Bergischen HC die erste Saisonniederlage hinnehmen. „Wir haben nicht optimal gespielt“, sagt TVN-Trainer Markus Gaugisch nach dem 27:31. „Wenn man gegen diese starke Mannschaft auswärts nicht hundert Prozent abrufen kann, hat man keine Chance.“

Nicht optimal war auch die Leistung der Bittenfelder gegen Obernburg. Gegen den Abstiegskandidaten konnte sich der TVB die eine oder andere Schwäche erlauben. Morgen indes muss er deutlich zulegen, sonst wird’s nichts werden mit dem zweiten Auswärtssieg: Der Gegner zählt zu den größten Überraschungen in dieser Saison.

Der TV Neuhausen/Erms hatte im Vorjahr als Aufsteiger für Furore gesorgt – allerdings in der Regel in der heimischen Hofbühlhalle. In dieser Saison ist das anders. Von Beginn an trumpfte das Team von Trainer Markus Gaugisch auch in der Fremde auf. Nach zwölf Spielen standen lediglich drei Unentschieden auf der Soll-Seite und damit lange Zeit die Tabellenführung, ehe der TVN am Sonntag beim Bergischen HC mit 27:31 die erste Niederlage einstecken musste. Löwen-Trainer Hans-Dieter Schmitz lobte den Gegner hernach in den höchsten Tönen. „Neuhausen steht vollkommen zu Recht mit oben.“

Bittenfeld kann sich also auf einen heißen Tanz gefasst machen. Im wahrscheinlich ausverkauften Hexenkessel der Hofbühlhalle, die mitunter ganz charmant auch als „Hofbühlhölle“ bezeichnet wird, hat schon so manches Team die Orientierung verloren. Die TSG Groß-Bieberau beim 14:33. Oder der OSC Rheinhausen beim 19:40. Andererseits sind die Neuhausener nicht unverwundbar. So musste sich die SG BBM Bietigheim knapp mit 29:30 geschlagen geben, der HC Erlangen holte beim 23:23 gar einen Punkt.

Außerdem spricht die Statistik für den TVB. Auf solche Daten gibt der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt zwar wenig, aber immerhin: Gegen Neuhausen hat der TVB immer gut ausgesehen – und noch kein Spiel verloren. „Von mir aus kann das auch so bleiben“, sagt der Trainer, der großen Respekt hat vor dem Gegner. „Alle Achtung, was Neuhausen in dieser Saison geleistet hat.“ Der TVN habe eine gesunde Mischung aus erfahrenen Spielern und Talenten. Stütze im Tor ist der tschechische Nationaltorhüter Milos Slaby. Rechtsaußen Alexander Trost, Alexander Stevic und Ralf Bader bringen Erstligaerfahrung mit. Fabian Gutbrod ist mit Zweifachspielrecht bei FA Göppingen ausgestattet. Sehr gut besetzt ist auch der Kreis mit Daniel Reusch und dem Ex-Bittenfelder Julius Emrich. Verstärkt hat sich der TVN vor der Saison mit Linkshänder Jeremias Rose von Eintracht Hildesheim, der die Neuhausener im rechten Rückraum deutlich stärker macht.

In der vergangenen Saison hatten die Bittenfelder den TVN in der Gemeindehalle beim 33:25 im Griff. Und im hochklassigen Rückspiel triumphierten die Bittenfelder mit 28:22. Außer dem TVB setzten sich im Neuhausener Aufstiegsjahr nur zwei Teams in der Hofbühlhalle durch.

„Natürlich brauchen wir eine sehr gute Leistung, wenn wir in Neuhausen gewinnen wollen“, sagt Schweikardt. So viele Fehler in der Vorwärtsbewegung wie in den jüngsten Spielen dürfen sich die Bittenfelder gegen den äußerst konterstarken Gegner nicht erlauben. „Sicherlich wird’s schwierig, wenn wir Neuhausen auf diese Weise in die Karten spielen“, sagt Schweikardt. „Andererseits spielen wir nun einmal keinen Sicherheitshandball.“ Tempohandball ist also angesagt im Derby, in dem die Schiedsrichter besonders gefordert sein werden. Geleitet wird die Partie von den Stuttgarter Zwillingen Andreas und Marcus Pritschow, die dem DHB-Elitekader angehören.

Beim TVB fehlen weiter Jens Baumbach und Marcel Lenz. Bei Neuhausen ist der Einsatz von Bader (Oberschenkelverletzung) fraglich.