Nur reagiert, nicht agiert

Das 28:36 in Korschenbroich war die höchste Saisonniederlage der Bittenfelder Zweitliga-Handballer, die dem Gegner hoffnungslos unterlegen waren. „Das war sehr ernüchternd“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Bei so einem Ergebnis gibt’s nichts zu beschönigen.“ Dabei schien der TVB doch durch die jüngsten Erfolgserlebnisse gefestigt.

Rund 410 Kilometer sind’s vom niederrheinischen Korschenbroich nach Bittenfeld. Gefühlt waren es für die TVB-Delegation wohl quälende 2000, als sie um halb vier in der Nacht von Samstag auf Sonntag enttäuscht in der Heimat angekommen waren.

Die Niederlage an sich beim TV Korschenbroich war keine Sensation. Immerhin hatte der TVK eine Woche zuvor beim Titelkandidaten Bergischer HC gewonnen. Die Hilflosigkeit indes der Bittenfelder gab dem Trainer, der grundsätzlich so ungern zurückblickt, auch am Montag noch zu denken. Wenn überhaupt, könne er dem Spiel nur zwei positive Aspekte abgewinnen. Erstens: Alexander Heib habe seine Arbeit ordentlich erledigt. Zweitens: Auch die Niederlage in Korschenbroich habe nur zwei Minuspunkte zur Folge.

Ansonsten überwog bei Schweikardt der Frust. „Mit dieser Leistung brauchen wir uns über die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga keine Gedanken machen“, sagte er. „Die Leistungsschwankungen in dieser Saison sind äußerst ärgerlich. Wir müssen dringend Konstanz reinbringen.“

Nach den drei Siegen in Folge gegen die HSG Düsseldorf, in Groß-Bieberau und gegen die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen war der TVB mit ordentlich Selbstbewusstsein an den Niederrhein gefahren. Zumal er in den bisherigen vier Vergleichen mit Korschenbroich stets die Oberhand behalten hatte. Dass die Statistik nichts wert ist, zeigte das Spiel am Samstag. Noch nie in dieser oder in der vergangenen Saison war der TVB von Beginn an derart unterlegen. Beim 3:5-Rückstand nach neun Minuten war noch nichts Dramatisches passiert, doch schon bei der Auszeit beim 3:8 nach elf Minuten schwante TVB-Trainer Günter Schweikardt Böses. In den restlichen 49 Minuten hatten die Korschenbroicher keinerlei Probleme mit ihrem Gegner.

Der TVB hatte immense Probleme mit der variablen Korschenbroicher Deckung, die eigene Abwehr dagegen war löchrig und schläfrig gegen den flüssig kombinierenden Angriff des TVK. Darüber ärgerte sich Schweikardt mindestens genauso wie über die vielen schwachen Abschlüsse. Die Würfe seien nicht überlegt, scharf und platziert genug gewesen. „Und in der Deckung haben wir nur reagiert anstatt zu agieren“, sagt er. „Wenn man im Handball nicht vorausschauend spielt, kann man nicht erfolgreich sein.“ Die Bittenfelder Defensive sei für die gegnerischen Angreifer „ein kleines Himmelreich“ gewesen.

Jetzt kommt Obernburg, das die Löwen zuletzt ärgerte

Nun hofft Schweikardt, dass seine Mannschaft bis zum Spiel gegen Obernburg am Samstag wieder „in die Spur“ kommt. „Und das werden wir auch.“ Trotz der Schlappe in Korschenbroich ist der TVB Favorit – auch wenn’s der Trainer nicht gerne hören mag. „Das waren wir in Korschenbroich angeblich auch.“

Fünf Spiele vor Ende der Hinrunde hat Tuspo Obernburg acht Punkte Rückstand auf den rettenden neunten Platz. Dass die Obernburger noch längst nicht aufgegeben haben, bewiesen sie am Sonntag: Gegen den Tabellenvierten Bergischer HC stand’s 13 Minuten vor dem Ende noch 19:19, am Ende unterlag Tuspo knapp mit 22:25.

Das müsste für den TVB eigentlich Warnung genug sein. Zudem hat er etwas gutzumachen: In der vergangenen Saison verspielte er beim 30:32 in Obernburg wichtige Punkte im Kampf um Rang zwei.