Die blaue Wand der Bittenfelder steht

Auf ein hart umkämpftes Württemberg-Derby in der 2. Handball-Bundesliga hatten sich der TV Bittenfeld und die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen am Freitag in der Porsche-Arena eingestellt. Die SG indes stand – wie auch ihre knapp 600 Fans – auf verlorenem Posten. Die Bittenfelder hielten sich auch in ihrem sechsten Heimspiel schadlos.

Zweitliga-Derbys vor großer Kulisse waren für den Aufsteiger aus Herrenberg nichts Neues. Nach den Arenen in Tübingen und Ludwigsburg war nun am Freitag Stuttgart an der Reihe. Und die Spielgemeinschaft war nach den starken Auftritten gegen Neuhausen und Bietigheim auch guter Hoffnung, den dritten Württemberger ärgern zu können. „Vielleicht ist die Arena für uns sogar ein kleiner Vorteil, weil die Bittenfelder nicht in ihrer guten Stube spielen“, sagte Peter Kiener, Sportlicher Leiter der SG, vor dem Spiel. Zudem setzte er auf die bewährte „rote Wand“ auf der Tribüne. In Ludwigsburg hatten die Herrenberger Fans für mächtig Stimmung gesorgt. Das taten sie auch am Freitag, waren aber gegen die übermächtige „blaue Wand“ der Bittenfelder Fans ebenso chancenlos wie die Herrenberger Spieler auf dem Platz.

Kromer gefällt’s in Tübingen besser als in Stuttgart

So hatte die Frage bei der Pressekonferenz nach dem Spiel in der Buddha-Lounge an den Herrenberger Trainer fast schon einen quälerischen Aspekt. „Wo hat es Ihnen am besten gefallen: in Tübingen, Ludwigsburg oder hier in Stuttgart?“, wollte Moderator Jens Zimmermann wissen. „Gegen Neuhausen haben wir einen Punkt geholt, damit ist die Frage eigentlich schon geklärt: in Tübingen“, sagte Axel Kromer und grinste. „Aber natürlich ist die Halle hier noch schöner.“

Allzu gerne hätten Kromer und sein Team das Derby etwas offener gestaltet. Dass der Aufsteiger letztlich auf verlorenem Posten stand, hatte mehrere Gründe. So hatten die Bittenfelder diesmal eindeutige Vorteile auf der Torhüterposition. Bastian Rutschmann hielt vor allem in der Anfangsphase sehr gut, Daniel Sdunek in den zweiten 30 Minuten überragend. Auf der anderen Seite musste der zuletzt so starke Tobias Barthold nach 40 Minuten Markus Eipperle Platz machen. Der verhinderte mit etlichen Paraden zwar ein Debakel für die SG, aber nicht die deutliche Niederlage.

Die Chancenauswertung der Herrenberger war zu schwach, um den Bittenfeldern ernsthaft Paroli bieten zu können. So hatte Kromer insgesamt 30 Fehlwürfe auf seinem Statistik-Zettel notiert, einige davon verfehlten das Ziel deutlich. Irgendwann war der Respekt vor Sdunek offensichtlich zu groß.

Die größeren personellen Alternativen der Bittenfelder waren ein weiterer ausschlaggebender Punkt. Die Herrenberger waren nicht in der Lage, die unglücklich agierenden Valentin Hörer und Oliver Hess adäquat zu ersetzen. Zudem musste sich der Kopf des Herrenberger Spiels, Kai Wohlbold, nach der frühen zweiten Zeitstrafe zurücknehmen. Dass sich bei den Bittenfeldern nicht alle Spieler in Topform präsentierten, fiel dagegen nicht ins Gewicht. So gelang dem jungen Jan Forstbauer, wie schon zuvor in Groß-Bieberau, nicht sehr viel. Dafür zeigten andere, wie Jürgen Schweikardt, aufstrebende Form. Die großen Variationsmöglichkeiten im Rückraum mit Schweikardt, Forstbauer, Adrian Wehner, Alexander Heib, Dominik Weiß und Florian Schöbinger machten und machen den TVB schwer ausrechenbar.

Einen Sieg in dieser Deutlichkeit hatte auch der Bittenfelder Trainer nicht erwartet. „Ich hatte großen Respekt vor dem Gegner“, sagte Günter Schweikardt. Ein Sieg sei alles andere als selbstverständlich gewesen. Nicht gefallen haben ihm der kleine Einbruch vor der Pause und die Chancenausbeute in der Schlussphase. „Da sind wir etwas oberflächlich geworden.“

Nach dem dritten Sieg in Folge haben die Bittenfelder mit 14:8 Punkten ihren fünften Platz verteidigt. Der Abstand zum ersten Abstiegsplatz beträgt allerdings nur vier Punkte.

„Wir müssen schauen, dass wir konstant bleiben und uns bis zur Winterpause ein Polster anlegen“, sagte TVB-Torhüter Daniel Sdunek. Am Samstag geht’s nach Korschenbroich. „Ein Sieg dort wären Zusatzpunkte.“ Und steigerte das Selbstvertrauen vor dem nächsten Auswärtsspiel beim ungeschlagenen Tabellenführer TV Neuhausen/Erms.