Bittenfeld lässt Neuling keine Chance

Das württembergische Derby in der 2. Handball-Bundesliga gestern Abend ist eine deutliche Angelegenheit gewesen. Vor 5100 begeisterten Fans in der Porsche-Arena bezwang der TV Bittenfeld die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen mit 38:29 (21:17). Der Aufsteiger hatte 30 Minuten ordentlich mitgehalten, im zweiten Abschnitt war’s bisweilen fast ein Klassenunterschied.

Axel Kromer, Trainer der SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen, hatte vor dem Derby den TV Bittenfeld starkgeredet. „Es wäre unseriös, in einem Auswärtsspiel gegen diesen Gegner Punkte zu fordern oder gar einzuplanen“, sagte er.

Es war die übliche Spielerei vor einer Partie, auf die der Aufsteiger natürlich besonders heiß war. Dass die Spielgemeinschaft durchaus ernst zu nehmen ist, hatte sie in dieser Saison mehrfach bewiesen. Immerhin knöpfte die SG dem Spitzenreiter TV Neuhausen/Erms als – bis gestern – einziges Team einen Punkt ab. Und vor sechs Tagen hatte der Neuling die Bietigheim, eine der stärksten Mannschaften der Liga, am Rande einer Heimniederlage.

Bittenfeld brachte den Gegner wieder ins Spiel

Für den TVB hieß es also: höchste Konzentration beim 14. Auftritt in der Porsche-Arena – und entsprechend legte er auch los. Die 6:0-Deckung blockte die biederen Versuche der Gäste aus dem Rückraum zu Beginn gleich reihenweise oder TVB-Keeper Bastian Rutschmann war zur Stelle. Die Bittenfelder nutzten ihre Konter und hatten auch mit der offensiven Deckung des Neulinge kaum Probleme. Über 6:1 (6.) und 9:4 (10.) legte der TVB zum 11:5 vor (12.), ehe Gästetrainer Kromer mit einer Auszeit dem TVB den Schwung nehmen wollte.

Und tatsächlich: Nach der Ansprache kam Herrenberg besser ins Spiel, was allerdings eher an der nun etwas lässigen Spielweise der Bittenfelder lag. Die fühlten sich angesichts ihrer deutlichen Überlegenheit offensichtlich zu sicher. Nach vier Toren in Folge der SG war das Derby beim 11:9 (15.) wieder offen. Diese Konzentrationsschwächen hielten noch gut zehn Minuten an. TVB-Trainer Günter Schweikardt wechselte munter durch, die Fehlerquote blieb aber vor allem in der Abwehr zu hoch. So hielten die Bittenfelder den Gegner nicht deutlicher auf Distanz. Auch nicht nach einem Zaubertor des starken Rechtsaußen Arnor Gunnarsson zum 19:14 (25.). Angesichts seiner spielerischen Überlegenheit war die 21:17-Pausenführung für den TVB eigentlich zu gering.

In den zweiten 30 Minuten stand beim TVB Daniel Sdunek für den gewiss nicht schlechten Rutschmann im Kasten – und der 30-Jährige vernagelte denselben förmlich. Der TVB verschärfte das Tempo, zog zwischen der 38. und 43. Minute vom 25:21 auf 29:22 davon und hatte nun endgültig die Fans in seinem Rücken.

Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde bei Herrenberg der Kräfteverschleiß überdeutlich. Gegen die jetzt aufmerksame Deckung des TVB fehlten der SG die Ideen. Zudem hatte Bittenfeld den gefährlichsten Werfer, Valentin Hörer, abgemeldet. Und am Kreis ließ der TVB keine Lücken zu. Spätestens beim 31:23 durch den guten Simon Baumgarten 13 Minuten vor dem Ende war das Derby entschieden. Herrenberg rieb sich weiter an der Bittenfelder Defensive auf, scheiterte an Sdunek oder traf das Tor nicht mehr. In der Schlussphase ging’s für den tapferen Neuling lediglich noch darum, nicht völlig unterzugehen. Der TVB spielte mittlerweile mehr für die Galerie, ansonsten hätte er die 40-Tore-Marke wohl geknackt.

Das Endresultat von 38:29 spiegelte jedoch auch so die Kräfteverhältnisse wider. Der TVB nutzte seine breitere Bank und war nahezu auf jeder Position besser besetzt. Mit nun 14:8 Punkten liegen die Bittenfelder weiterhin auf dem fünften Platz. Nun soll in Korschenbroich der zweite Auswärtssieg folgen.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann, Schimmelbauer (3), Schöbinger (4), Forstbauer, Weiß (5), Baumbach (1), Schweikardt (5), Gunnarsson (7/2), Heib (5/3), Baumgarten (7), Wehner (1), Drobek.

SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen: Barthold, Eipperle; Hörer (4), Maier, Wohlbold (8/6), Hold (2), Kreyßig, Kiener (4), Wolf, Kohler (2), Krämer (6), Hess (2), Meyer-Hübner, Geist (1).