Mutig gegen den Top-Favoriten

Einen Sieg gegen die HSG Düsseldorf hatten die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld vor der Saison nicht auf der Rechnung. Angesichts des durchwachsenen Punktestandes stünde dem TVB eine Überraschung gegen den Aufstiegsfavoriten morgen gut zu Gesicht. „Wir müssen die Aufgabe mutig angehen“, sagt Trainer Günter Schweikardt. TV Bittenfeld (8. Platz, 8:8 Punkte) – HSG Düsseldorf (4. Platz, 10:6 Punkte/Samstag, 19.30 Uhr, Gemeindehalle).

Es ist wie so oft beim TV Bittenfeld: Die einen bleiben gelassen, die anderen machen sich Sorgen. Die Optimisten ärgern sich, dass der TVB mit der Niederlage in Frankfurt den Sprung auf den vierten Tabellenplatz verpasst hat. Damit hätten sich die Bittenfelder bei einem Punkt Rückstand auf Platz drei noch vor den nächsten Gegner gesetzt, die HSG Düsseldorf.

Die Nörgler geben zu bedenken, dass den TVB lediglich die bessere Tordifferenz vom ersten Abstiegsplatz trennt. Nimmt der TVB womöglich die eine oder andere Aufgabe zu locker? Trainer Günter Schweikardt will keinem Spieler den Willen absprechen. „Sicher ist aber auch, dass es schon zu spät ist, wenn wir auch nur ein paar Prozent nachlassen“, sagt Schweikardt. Sicher ist auch, dass sich die Bittenfelder gerne möglichst schnell im vorderen Tabellendrittel tummeln möchten, um nicht bis zum letzten Spieltag um die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga zu zittern.

Noch höhere Ziele hat der Gegner am Samstag. Die HSG Düsseldorf stieg in der vergangenen Saison aus der 1. Liga ab, verpasste dabei den Relegationsplatz nur um einen Punkt. Nun soll’s postwendend wieder zurück in die höchste Spielklasse – und dazu haben sich die Düsseldorfer einen prominenten Sportdirektor geholt: Ex-Welthandballer Daniel Stephan soll’s gemeinsam mit dem dänischen Trainer Ronny Rogawska richten.

Der Kader hat sich, wie immer nach einem Abstieg, auf einigen Positionen verändert. Nicht mehr dabei sind Andrej Kurtchev, Max Ramota, Frantisek Sulc und Sturla Asgeirsson. Hinzugestoßen sind Daniel Brack, zuvor in Balingen und bei den Füchsen Berlin und Sohn des Balinger Trainer Rolf Brack, sowie der aus Leichlingen zurückgekehrte Valdas Novickis.

Novickis ist nach Torhüter Almantas Savonis der zweite aktuelle litauische Nationalspieler. Internationale Erfahrungen bringen zudem Kreisläufer Patrick Fölser (Österreich), Jan-Hendrik Behrends und Michael Hegemann (beide Deutschland). Hegemann gehörte zum Weltmeisterkader 2007. Ergänzt wurde der Kader mit Talenten aus der eigenen A-Jugend, die in der vergangenen Saison Deutscher Meister wurden.

In der Spitze sind die Düsseldorfer also hervorragend besetzt. Einziges Manko scheint die Quantität des Kaders zu sein. Davon war in den ersten vier Spielen nichts zu spüren, mit 8:0 Punkten erwischte die HSG einen perfekten Start. Anschließend jedoch wackelten die Düsseldorfer. Auf die 24:34-Schlappe in Eisenach folgten die 23:24-Heimniederlage gegen Hüttenberg und das 21:24 in Erlangen. Gerade rechtzeitig zum Spitzenspiel gegen den Bergischen HC hatte sich der Absteiger wieder gefangen: Die Löwen waren weit chancenloser, als es das 26:24 aussagt.

„Vielleicht haben sich die Düsseldorfer nach dem guten Auftakt etwas zu sicher gefühlt“, sagt Schweikardt. Nun will – und muss – die HSG allerdings unbedingt nachlegen. Bei einer Niederlage in Bittenfeld könnte der Rückstand auf die Spitze bereits sieben Punkte betragen. Verliert der TVB, wird er sich sicherlich bis auf weiteres in der zweiten Tabellenhälfte wiederfinden.

Natürlich gehen die Bittenfelder als Außenseiter in die Partie. „Einen Vergleich der einzelnen Spieler dürfen wir nicht anstellen“, sagt Schweikardt. „Was nicht heißt, dass wir keine Chance hätten.“ Zumal sein Team in der Gemeindehalle immer ordentlich gespielt habe. Wichtig sei, nicht mehr als dreißig Gegentore zu kassieren. „Mehr zu schießen dürfte gegen Düsseldorf sehr schwer werden.“

Jürgen Schweikardt wird wegen einer Zerrung am Ellbogen nicht voll einsatzfähig sein. Adrian Wehner, der in Frankfurt von einem Virus geschwächt war, geht es wieder besser. Ob Jens Baumbach oder Martin Kienzle im Kader stehen, wird sich kurzfristig entscheiden.