„Es geht nur mit äußerstem Willen“

Spiele wie das gegen die HG Saarlouis am Mittwoch lassen Trainer altern. Die schwache Defensive hätte den Zweitliga-Handballern des TV Bittenfeld fast den Sieg gekostet. „Wir werden unsere Lehren aus diesem Spiel ziehen“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt vor dem Spiel morgen gegen Coburg. „Jeder muss gemerkt haben, dass es nur mit äußerstem Willen geht.“

Am Mittwoch hat sich wieder einmal gezeigt: Die HG Saarlouis ist keine Mannschaft, die den Bittenfeldern besonders gut liegt. Immerhin: Das 42:41 war der erste Sieg im dritten Aufeinandertreffen. Doch der hing am seidenen Faden. „Wir sind sehr froh, dass wir gewonnen haben“, sagt Günter Schweikardt. Natürlich ist dem Bittenfelder Trainer nicht entgangen, „dass wir in der Abwehr von Anfang an keine Ordnung hatten“. Der Saarlouiser Rückraum sei teilweise unbehindert zu seinen Würfen gekommen. Und wie das oft so sei ist, seien auch die Torhüter Daniel Sdunek und Bastian Rutschmann dadurch nicht ins Spiel gekommen. Geärgert hat sich Schweikardt, dass bei seinem Team nach dem großen Vorsprung die Spannung nachgelassen habe. „Nach 35 Minuten ist ein Spiel eben auch bei sieben Toren Vorsprung noch nicht entschieden.“ Eine ähnliche Abwehrleistung dürfen die Bittenfelder morgen gegen den HSC Coburg nicht zeigen, ansonsten dürfte es ein böses Erwachen geben. Die Coburger ließen in der Vorbereitung mit einem Sieg gegen den Bergischen HC aufhorchen. Der Saisonstart ging beim 27:39 in Bietigheim kräftig daneben, es folgten das 24:24 zu Hause gegen Aue, die 26:28-Niederlage in Eisenach und das 26:26 gegen Hüttenberg. Gegen denselben Gegner schied der HSG im DHB-Pokal mit 29:36 aus, die schwache Angriffsleistung war verantwortlich für die 20:24-Niederlage in Erlangen. Am Mittwoch zeigten die Coburger aufsteigende Form, unterlagen dem Bergischen HC nur mit 26:28.

Nur Tuspo Obernburg und Coburg sind nach sechs Spieltagen noch ohne Sieg, entsprechend groß wird der Druck für den HSC morgen sein.

In seiner vierten Saison spielt der HSC Coburg nun in der 2. Liga. Im furiosen Aufstiegsjahr überraschte der HSC mit Rang vier, der TV Bittenfeld musste beim 30:44 eine der bittersten Zweitligapleiten überhaupt einstecken. In den nächsten beiden Spielzeiten zählten die Coburger, stets mit einem hochkarätigen Kader am Start, zum engsten Kreis der Titelkandidaten. Kurioserweise schrammten sie zweimal knapp am Abstieg vorbei.

In dieser Saison nun soll alles anders werden: Mit einer neuen Strategie will der HSC die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga schaffen. Manager Sigi Roch verpflichtete diesmal keine teuren ausländischen Spieler, sondern junge deutsche. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass sich der ehemalige Nationaltorhüter in den unteren Ligen umgesehen hat. Alexander Auerbach und Sebastian Munzert kommen von der Erstligareserve des SC Magdeburg, Sebastian Kirchner vom HC Erlangen und Daniel Wessig vom THW Kiel.

Nach wie vor verfügen die Coburger über erfahrene Spieler. Stützen der Mannschaft sind die beiden Torhüter, der Norweger Havard Martinsen und der Ex-Lemgoer René Selke. Von den Füchsen Berlin kam 2009 Rückraumspieler Jonathan Rivera Vieco (Spanien), im rechten Rückraum spielen der Schwede Johan Andersson und Christian Rose. Letzterer ist allerdings derzeit verletzt. Rechtsaußen Ronny Göhl zählt zu den torgefährlichsten und konterstärksten Außenspielern der 2. Liga.

Der TVB wird bis auf Marcel Lenz und Jens Baumbach in Bestbesetzung antreten. In den Kader rutschen wird wahrscheinlich wieder Martin Kienzle für Marvin Gille. Die Heimbilanz gegen Coburg spricht eindeutig für den TVB: drei Spiele, drei Siege.