Schimmelbauer ist der Held

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat sich gestern in einem nervenaufreibenden Spiel zum 42:41-Sieg (21:20) gegen die HG Saarlouis gezittert. Held des Spieles war der starke Bittenfelder Linksaußen Tobias Schimmelbauer, der vier Sekunden vor dem Ende den Siegtreffer erzielte. Die Bittenfelder verspielten beinahe ihren zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Vorsprung.

Wäre Tobias Schimmelbauer nicht annähernd zwei Meter groß und 100 Kilogramm schwer, müsste er sich heute wohl krankschreiben lassen. Nachdem der 23-Jährige von Linksaußen den entscheidenden Ball zum 42:41 ins Netz der HG Saarlouis gedonnert hatte und die Schlusssirene ertönt war, rannte er quer über das Spielfeld. Weit kam er nicht, denn seine Mitspieler erdrückten ihn fast.

Die Erleichterung war riesengroß nach einem Spiel, das es in der Form in Bittenfeld wahrscheinlich noch nie gegeben hat. Die Zuschauer erlebten nicht nur 83 Tore, sondern auch ein Wechselbad der Gefühle in dieser für den TVB so wichtigen Partie. Auf tolle Aktionen im Angriff folgten haarsträubende Patzer in der Deckung – und zwar bei beiden Mannschaften.

Dazu trugen auch die vier Torhüter bei, die nicht ihren besten Tag erwischten. Sowohl TVB-Trainer Günter Schweikardt, als auch Gäste-Coach André Gulbicki wechselten mehrfach. Die notwendige Stabilität indes brachte keiner – was natürlich auch an den Abwehrreihen lag. Saarlouis ist bekannt dafür, dass es nicht gerade die stabilste Deckung stellt. Die Bittenfelder haben in ihren beiden Heimspielen gegen Eisenach und Erlangen jedoch bewiesen, dass ihnen nur schwer beizukommen ist.

So war’s auch gestern – allerdings nur zwischen der 30. und 35. Minute. Ansonsten wirkte der Deckungsverband in vielen Situation merkwürdig lethargisch. Die cleveren Gäste nutzten die fehlende Entschlossenheit des TVB konsequent. Die Bittenfelder bekamen den Saarlouiser Rückraum mit Daniel Fontaine (elf Tore), Aleksandar Kokoszka (acht) und Danijel Grgic (sieben) überhaupt nicht in den Griff.

Schon zur Pause war klar, dass es ein torreiches Spiel werden würde. Mit 21:20 enden manche Spiele. Der TVB startete extrem nervös, leistete sich viele Abspielfehler. Dies spielte der konterstarken HG natürlich prima in die Karten. Beim 9:6 durch Simon Baumgarten nach zwölf Minuten glaubten die Fans, dass ihre Mannschaft den Gegner in den Griff bekäme. Doch die mitunter zauberhaften Tore machten sich die Bittenfelder durch Konzentrationsschwächen in der Defensive umgehend zunichte. Mehr als drei Tore Vorsprung sprangen in den ersten 30 Minuten nicht heraus.

Günter Schweikardt schien in der Pause wieder einmal die richtigen Worte gefunden zu haben. Plötzlich packte die Abwehr energischer zu, mit einem Zwischenspurt zog der TVB binnen fünf Minuten vom 21:21 auf 29:22 davon. Saarlouis war nach 36 Minuten perplex.

Das indes schien nur so, denn genauso schnell büßte der TVB durch dumme Fehler und überhastete Abschlüsse das komfortable Polster wieder ein. Nach 42 Minuten war Saarlouis beim 30:29 wieder im Spiel.

Fortan ließ sich der Gast nicht mehr abschütteln und ging sechs Minuten vor dem Ende beim 38:37 sogar in Führung. Dramatisch war das Finale. Nach Jürgen Schweikardts 41:40 musste Ludek Drobek für den Rest der Partie auf die Strafbank. Der starke HG-Kreisläufer Ingars Dude glich zum 41:41 aus. 13 Sekunden vor Schluss hatte Saarlouis in Überzahl den Punkt eigentlich sicher – bis Tobias Schimmelbauer zum achten Mal zuschlug.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Schimmelbauer (8), Schöbinger (1), Forstbauer (4), Weiß (6), Schweikardt (3), Gunnarsson (8/4), Heib (2/2), Baumgarten (5), Wehner (4), Drobek (1).

HG Saarlouis: Peveling, Jonczyk; Kokoszka (8), Balaz (2), Fontaine (11), Dude (6), Wischniewski (5), Grgic (7/1), Holzner (1), Leist, Lohrbach (1), Koppenburg.