Und täglich grüßen die Löwen

Nichts wurde es mit dem zweiten Coup bei den Bergischen Löwen. Handball-Zweitligist TV Bittenfeld musste die Überlegenheit des Titelkandidaten anerkennen. Nicht gerade Begeisterung rief die Auslosung der dritten Runde im DHB-Pokal bei den Bittenfeldern aus: Einen Erstligisten wünschte sich der TVB – aber mussten es ausgerechnet die Rhein-Neckar-Löwen sein?

Nach der 27:34-Niederlage am Samstag bei den Bergischen Löwen hofften die Bittenfelder tags darauf bei der Auslosung der dritten Runde im DHB-Pokal auf mehr Glück. Ein Erstligist sollte es sein. Am besten von der Qualität der Rhein-Neckar-Löwen, die in der vergangenen Saison den TVB in der Gemeindehalle unterschätzten und denkbar knapp an einer Blamage vorbeischlitterten.

Zur Not auch ein württembergisches Derby

Die Bittenfelder träumten vom HSV Hamburg und vom THW Kiel. Oder vom MT Melsungen oder dem TBV Lemgo, die mit Michael Schweikardt und Jens Bechtloff jeweils einen Ex-Bittenfelder im Team haben. Attraktiv wären auch die Füchse Berlin oder der SC Magdeburg gewesen, notfalls hätten sich die Bittenfelder auch mit einem württembergischen Derby gegen FA Göppingen oder den HBW Balingen-Weilstetten zufrieden gegeben.

Doch die Losfee, der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan, meinte es nicht so gut mit dem TV Bittenfeld. Nach und nach verteilte Stephan die Top-Gegner an andere Teams. Nachdem die 15. und damit vorletzte Paarung HSG Gensungen-Felsberg gegen HG Saarlouis gezogen war, stand der Gegner der Bittenfelder fest. Und der hieß, wie im Vorjahr, Rhein-Neckar-Löwen.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“, kommentierte gestern Rainer Heib vom TVB das Los. „Jeder andere Erstligist wäre mir lieber gewesen, darüber bin ich nicht gerade amüsiert.“ Der Mythos des denkwürdigen Spiels der vergangenen Saison sei damit zerstört, das Alleinstellungsmerkmal dahin. Auch TVB-Spieler Jürgen Schweikardt hatte sich einen anderen Gegner gewünscht. „Andererseits ist es ja nicht selbstverständlich, dass man in einem Pflichtspiel auf so einen Gegner trifft.“ Für Schweikardt gehören die Löwen zu den zehn besten Teams der Welt. Wie gut die Mannheimer sind, demonstrierten sie beim 31:30-Sieg in Barcelona am Wochenende.

Die Löwen werden auch im zweiten Spiel in Bittenfeld ein Zuschauermagnet sein –oder weicht der TVB für den Pokalknüller in die Stuttgarter Porsche-Arena aus? Diese Option indes war gestern rasch vom Tisch. Am Dienstag vor dem Spiel ist die Arena mit dem Konzert der Pop-Gruppe A-ha belegt. „Theoretisch könnten wir mittwochs rein“, sagt Heib. Praktisch allerdings nicht, weil die Events beim TVB nach wie vor von Ehrenamtlichen gestemmt werden. „Wir bräuchten einen Tag oder zwei Tage Vorlauf für den Aufbau.“ Und den haben die Bittenfelder wegen des Konzerts nicht.

Ob Gemeindehalle oder Porsche-Arena: Für Heib ist der Pokalwettbewerb eindeutig zweitrangig. Momentan richtet sich sein Blick alleine auf die beiden Heimspiele morgen (20 Uhr) gegen die HG Saarlouis und am Samstag (19.30 Uhr) gegen den HSC Coburg. „Diese Spiele sollten wir gewinnen.“

So sieht’s auch der Trainer, der seiner Mannschaft bei den Bergischen Löwen „40 Minuten eine ordentliche Leistung“ bescheinigte. Nach der Zwei-Tore-Führung zum 19:17 sei die Chance – zumal in Überzahl – dagewesen, den Gegner länger zu ärgern. „In dieser Phase haben wir uns aber von den Löwen einschüchtern und uns den Schneid abkaufen lassen“, sagt Günter Schweikardt. Entscheidenden Anteil am deutlichen Sieg des BHC hatte dessen überragender Torhüter Mario Huhnstock, spielbestimmende Figur auf dem Feld war Kenneth Klev mit zwölf Treffern. Der Norweger war kaum zu bremsen. Wäre da nicht eine kurze Deckung eine Option gewesen?

Kenneth Klev war eine Klasse für sich

„Sicherlich haben wir uns das überlegt“, sagt Günter Schweikardt. Sein Sohn glaubt nicht, dass dies viel am Spielverlauf geändert hätte. „Dann hätten die anderen viel Platz gehabt.“ Mit Runar Karason und Jiri Vitek hat der BHC zwei weitere herausragende Rückraumspieler in seinen Reihen, die gegen Bittenfeld – zumindest an den Toren gemessen – nicht sonderlich in Erscheinung traten. „Der BHC hat genügend individuelle Klasse“, sagt Jürgen Schweikardt. Und andere Ziele als der TVB, der sich schleunigst in die obere Tabellenhälfte orientieren sollte.

Die überraschenden Resultate vom Wochenende lassen wieder viel Spielraum für Spekulationen. Wie stark ist welche Mannschaft tatsächlich? Die TSG Groß-Bieberau verlor unter der Woche im Pokal mit zehn Toren gegen den TV Bittenfeld und siegte nun in Aue. „Ich dachte eigentlich, dort gewinnen nicht viele Mannschaften“, sagt Jürgen Schweikardt.