Entspannung in Bittenfeld

Noch souveräner als gegen Eisenach im ersten Saisonheimspiel ist Handball-Zweitligist TV Bittenfeld beim 33:22 gegen den HC Erlangen aufgetreten. Trainer Günter Schweikardt freute sich zum Auftakt der beiden englischen Wochen über „die gute Leistung in der Defensive wie in der Offensive“. Dabei zeigte sich der TV Bittenfeld erstaunlich geschlossen.

Schwer zu sagen, wer nach den 60 aus Erlanger Sicht frustrierenden Minuten am Samstag in der Bittenfelder Gemeindehalle bedröppelter dreinblickte: der ansonsten so starke Torhüter Andreas Bayerschmidt oder Trainer Frank Bergemann? Letzterer suchte in der Pressekonferenz nach den geeigneten Worten. Er habe seinen Spielern zur Vorbereitung noch mal das Video des Eisenach-Spiels gezeigt, als die Bittenfelder mit einem Zwischenspurt vom 9:8 auf 17:12 davonzogen. „Ich habe ihnen gesagt, das darf uns nicht passieren“, sagte Bergemann. „Alle haben genickt, aber wahrscheinlich ins Nirwana.“

In der Tat geriet auch der zweite Heimgegner des TVB binnen kurzer Zeit vorentscheidend ins Hintertreffen – und wurde fortan zum Spielball der Bittenfelder. Bisweilen war’s ein Klassenunterschied und in dieser Form nicht zu erwarten. „Wir hatten Erlangen von Anfang an im Griff“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Dabei hatte ich großen Respekt vor dem Spiel.“

Im Vergleich zur unglücklichen Niederlage in Hüttenberg sei die Erfolgsquote wesentlich höher gewesen, in Angriff wie Abwehr. Kaum ein Durchkommen gab’s für die Erlanger gegen die kompakte 6:0-Deckung der Bittenfelder. Nahezu unmöglich war’s für die Franken, den Innenblock mit Ludek Drobek (2,02 Meter) und Dominik Weiß (2,07) zu überwerfen. Zumal deren Nebenmänner Florian Schöbinger (1,92) und Simon Baumgarten (1,93) auch nicht eben zur Zwergenabteilung zählen.

Treffen der Isländer: Gustavsson zu Besuch

Kam doch einmal einer der seltenen Rückraumwürfe durch den Block, hatte der TVB mit Daniel Sdunek einen verlässlichen Rückhalt. Für ihn freute sich Günter Schweikardt besonders. Sdunek hatte Ende der vergangenen Runde gesundheitliche Probleme, in der Vorbereitung fehlte er lange Zeit wegen einer Fingerverletzung. „Jetzt ist er wieder vollkommen fit“, sagt der Trainer. „Wir haben zwei gute Torhüter.“ Der andere, Bastian Rutschmann, kam gegen Erlangen nicht zum Einsatz.

Ein weiterer starker Torhüter schaute am Samstag in der Gemeindehalle vorbei: Björgvin Gustavsson kam samt Freundin aus Schaffhausen angereist. Vor zwei Jahren war der Isländer vom TVB zum Schweizer Erstligisten gewechselt, der Kontakt ist nie abgebrochen. Seit dieser Saison gibt’s für den Olympia-Silbermedaillengewinner einen zusätzlichen Grund für einen Besuch in Bittenfeld: Gustavssons Nationalmannschaftskollege Arnor Gunnarsson spielt beim TVB – und das sehr erfolgreich. Gegen Erlangen zählte der 22-Jährige zum wiederholten Male zu den Aktivposten.

Wobei – wie schon gegen Eisenach – kein Spieler abfiel. Erstaunlich schnell zurechtgefunden haben sich auch die beiden anderen neuen Spieler. Jugend-Nationalspieler Jan Forstbauer (18) scheint sich rasch an das bisweilen raue Klima gewöhnt zu haben. Auch Tobias Schimmelbauer kommt nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser in Tritt. Gegen Erlangen steuerte der Linksaußen immerhin fünf Treffer bei.

Nicht ganz so erfolgreich, aber durchaus eine Alternative auf dieser Position war TVB-Nachwuchsspieler Martin Kienzle (18). „Er hat seine Sache ordentlich gemacht“, sagt Schweikardt. Wie alle eingesetzten Akteure, jeder sei sofort im Spiel gewesen. Beispielsweise Alexander Heib und Adrian Wehner. Mit ihnen verfügt das Team über ganz andere Spielertypen. „Der Gegner muss sich immer wieder neu einstellen, das könnte ein Vorteil für uns werden.“

Große Freude macht Schweikardt die Entwicklung von Dominik Weiß, der wie gegen Eisenach eine klasse Leistung zeigte. „Er ist deutlich stabiler geworden“, sagt der Trainer. Damit hat der TVB im Rückraum etliche Alternativen. Gegen Erlangen konnten es sich die Bittenfelder sogar leisten, seinen Spielmacher Jürgen Schweikardt komplett zu schonen.

Dass der Coach am Samstag einen entspannten Abend erlebte, hatte auch noch einen anderen Grund: Zum ersten Mal pfiffen die erstligaerfahrenen Andreas und Marcus Pritschow in der Gemeindehalle. Für den Bittenfelder Trainer, der nicht immer mit den Schiedsrichtern einer Meinung ist, war’s „wohltuend, Schiedsrichter mit einer klaren Linie“ bekommen zu haben. Die Pritschows pfiffen unauffällig und unaufgeregt. Allerdings machten es ihnen die Mannschaften auch nicht allzu schwer. Zu eindeutig waren die Kräfteverhältnisse in diesem Spiel verteilt.