Bittenfeld zerlegt Erlangen

Zweites Heimspiel, zweiter überzeugender Auftritt: Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat dem HC Erlangen beim 35:22-Sieg (19:10) keine Luft zum Atmen gelassen – und dabei durften sich die Franken über die Höhe der Niederlage nicht beschweren. Mit etwas mehr Konzentration hätten die Bittenfelder den Gegner noch schlimmer demontieren können.

Nach der unglücklichen Niederlage in Hüttenberg zweifelten die Bittenfelder zwar nicht an ihrer Form, die Punkte freilich fehlten dennoch. Also stand der TVB vor seinem zweiten Heimspiel in dieser Saison unter Zugzwang. Mit 2:6 Punkten nächste Woche zum Titelkandidaten Bergischer HC zu fahren, das wäre nicht allzu gut fürs Gemüt gewesen.

Der Gegner am Samstag, der HC Erlangen, hatte die Bergischen Löwen vergangene Woche am Rande einer Niederlage. Das war Beweis genug für die Stärke der Erlanger. In Bittenfeld indes präsentierten sie sich weit weniger furchteinflößend. Schon lange nicht mehr war ein Gästeteam in der Gemeindehalle derart chancenlos – was allerdings natürlich auch an den dominanten Bittenfeldern lag.

Die kamen perfekt ins Spiel. Mit Dominik Weiß wusste die Erlanger Deckung überhaupt nichts anzufangen. Der Lange agierte im linken Rückraum ebenso frech und selbstbewusst wie Jan Forstbauer auf der anderen Seite.

Keeper Sdunek erwischte einen Sahnetag

Den Grundstein für das überlegene Spiel legte der TVB aber in der Defensive. Torhüter Daniel Sdunek erwischte einen Sahnetag, und die 6:0-Deckung um Weiß und Ludek Drobek im Zentrum vor ihm stand – wie schon gegen Eisenach – wie eine Mauer. Über 3:0 und 10:5 setzte sich der TVB nach 20 Minuten auf 14:6 ab. Gerade einmal drei Tore aus dem Spiel heraus waren dem Gast bis dahin gelungen.

Der Erlanger Trainer Frank Bergemann nahm seine Nummer eins, Andreas Bayerschmidt, für Bernhard Zapf aus dem Tor und versuchte, mit einer Auszeit den Bittenfelder Spielfluss zu unterbrechen. Zudem sollte fortan Routinier Tobias Wannemacher für Ideen im Rückraum sorgen. Das gelang ihm allerdings ebenso wenig wie Georg und Hannes Münch. Es blieb die eine oder andere Einzelaktion von Daniel Pankofer, dessen Erfolgsquote jedoch nicht eben berauschend war. Ohne den verletzten Christoph Nienhaus fehlte Erlangen schlichtweg die Durchschlagskraft. Außerdem kam der HCE nicht dazu, seine große Stärke auszuspielen: den Gegenstoß. Dazu schlossen die Bittenfelder zu konsequent ab.

So nahm das Drama aus Sicht der Gäste seinen Lauf. Der 10:19-Rückstand zur Pause bedeutete bereits die Vorentscheidung, zumal die personellen Alternativen beim HCE äußerst übersichtlich waren. Anders beim TVB: Der konnte es sich sogar leisten, Jürgen Schweikardt und Jens Baumbach komplett zu schonen und Adrian Wehner erst in der Schlussviertelstunde zu bringen.

Die Gäste setzten im zweiten Abschnitt wieder auf Bayerschmidt, der in der Vergangenheit schon so manche Gegner zur Verzweiflung gebracht hat. Dieser nahe war allerdings am Samstag der Torhüter. Allzu oft tauchten die Bittenfelder alleine vor ihm auf oder warfen ihm die Bälle aus dem Rückraum um die Ohren. Auf der anderen Seite glänzte Sdunek weiter.

Der Erlanger Trainer hatte nach zwölf Minuten bereits wieder genug und legte die grüne Karte auf den Tisch. Ein mickriges Tor durch Pankofer brachte der Gast bis dahin in Hälfte zwei zustande (25:11), Erlangen schlitterte geradewegs in ein Debakel. Weiß‘ sechster Treffer brachte beim 29:13 die 16-Tore-Führung für den TVB, der sich anschließend allerdings ein kleines Päuschen gönnte. Der Angriff zauberte ein bisschen zu viel, die Abwehr nahm ihren Auftrag angesichts der deutlichen Führung nicht mehr ganz so ernst. Vier Tore in Folge der Erlanger zum 29:17 gestalteten das Resultat aus Gäste-Sicht etwas erträglicher.

Mehr ließ der TVB aber nicht mehr zu. In der Schlussphase hatten vor allem Adrian Wehner und Tobias Schimmelbauer ihren Spaß – wie übrigens auch die lautstarken Erlanger Fans. Die feierten mit nacktem Oberkörper die 22:35-Niederlage ihres Teams.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Schimmelbauer (5), Schöbinger, Kienzle (1), Forstbauer (6), Weiß (6), Schweikardt (n.e.), Baumbach (n.e.), Gunnarsson (6/2), Baumgarten (3), Drobek (2), Heib (3), Wehner (3). HC Erlangen: Bayerschmidt, Zapf; Müller (3), Schwandner (2), Georg Münch (1), Pankofer (3), Hannes Münch (1), Krämer (4), Wannenmacher, Eisenträger (2), Schmidtke (2/1), Stumpf (4/2).

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