Stolz auf Bittenfelder Rasselbande

Die Pessimisten hatten den Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld nach der Niederlage in Aue einen Start mit 0:6 Punkten prophezeit. Mit dem 35:29-Sieg gegen Eisenach im ersten Heimspiel überzeugte der TVB die Zweifler. „Es sind zwar erst zwei Spieltage vorbei“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. „Aber wir haben gezeigt, wozu wir fähig sind.“

Spiele zwischen dem TV Bittenfeld und dem ThSV Eisenach haben oft ihre eigene Geschichte. Im ersten Zweitligajahr hätten die Eisenacher den TVB beinahe zurück in die Regionalliga geschickt. Am vorletzten Spieltag siegten die Thüringer in der Gemeindehalle mit 34:33. Die Bittenfelder schafften die Sensation am finalen Spieltag mit einem Sieg in Hüttenberg.

Knapp ein halbes Jahr später nahmen die Bittenfelder beim 32:28 Revanche – wobei die Eisenacher die achteinhalbstündige Anreise in den Knochen steckte. Ein Stau auf der Autobahn verzögerte den Angriff um 70 Minuten.

Am Samstag nun musste der Mannschaftsbus 40 Minuten vor dem Ziel einen unfreiwilligen, einstündigen Stopp einlegen. Ein geplatzter Reifen musste gewechselt werden. Und schließlich versagte offensichtlich auch noch das Navigationsgerät. Jedenfalls steckte der Bus in einer Sackgasse im Ort fest, die Bittenfelder lotsten die Delegation via Handy zur Gemeindehalle.

Ein dickes Lob von Abwehrchef Ludek Drobek

Probleme ganz anderer Art hatte der TV Bittenfeld. Mit Jürgen Schweikardt und Alexander Heib fielen kurzfristig zwei wichtige Rückraumspieler aus, zudem war Jens Baumbach stark angeschlagen. Damit waren die Wechselmöglichkeiten auf diesen Positionen und die Siegesaussichten gegen den starken Gegner nahezu erschöpft.

Unterkriegen ließ sich der TVB von den schlechten Voraussetzungen allerdings nicht – im Gegenteil. „Wir wollten nach dem Spiel in Aue zeigen, dass wir nicht so schlecht sind“, sagt TVB-Abwehrchef Ludek Drobek. Ein bisschen bange war dem mit 35 Jahren ältesten Bittenfelder vor dem Spiel schon, lief sein Team doch mit einer sehr jungen Mannschaft auf. „Den Spielern fehlt natürlich die Erfahrung, aber sie haben es super gemacht.“

In der Formation vom Samstag spielten die Bittenfelder, zumindest über einen so langen Zeitraum hinweg, noch nie zusammen. Die Außen Tobias Schimmelbauer (23) und Arnor Gunnarsson (22) sowie Jugend-Nationalspieler Jan Forstbauer (18) waren neu im Team. Komplettiert wurde die erste Sechs durch Dominik Weiß (21) auf Halblinks, Florian Schöbinger (24) auf der Spielmacherposition und Simon Baumgarten (25) am Kreis. Dass der TVB keinerlei Anlaufschwierigkeiten hatte, freute den Trainer. „Da ging aber nur, weil wir seit Jahren im Training mit verschiedenen Aufstellungen spielen“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. In diesem Spiel hätten seine Spieler von ihrer breiten Ausbildung profitiert. So sorgte Adrian Wehner in einer kritischen Situation nach seiner Einwechslung im ungewohnten rechten Rückraum für einen entscheidenden Impuls. „Aber eigentlich kann man in diesem Spiel keinen hervorheben, das war durch die Bank eine prima Leistung.“ Seine Spieler hätten großartig gekämpft und sehenswerte Kombinationen gezeigt.

Einer indes konnte weniger glänzen: Torhüter Daniel Sdunek drückte, bis auf einen Kurzeinsatz bei einem Siebenmeter, die Bank. „Er wird sicher wieder Einsatzzeiten bekommen“, sagt Schweikardt. „Wenn’s gut läuft, besteht nun einmal weniger die Notwendigkeit zu wechseln.“

Am Samstag müssen die Bittenfelder nach Hüttenberg, das sich überraschend beim Titelkandidaten Bergischer HC durchsetzte. Es scheint so, als hätte der Tabellenvierte des Vorjahrs seine Form konserviert. „Wir freuen uns auf dieses Spiel“, sagt Schweikardt. „Ich sehe auch keinen Favoriten.“