Fehlstart des TVB? Von wegen

Groß war die Anspannung bei den Zweitliga-Handballern des TV Bittenfeld vor dem ersten Heimspiel der Saison nach der Auftaktpleite. Noch größer war die Erleichterung am Ende. Mit einer spielerisch wie kämpferisch imponierenden Leistung ließ der TVB dem ThSV Eisenach beim 35:29 (21:15) keine Chance. Dabei traten die Bittenfelder ersatzgeschwächt an.

Als Simon Baumgarten am Samstagnachmittag die Bittenfelder Gemeindehalle betrat, waren zunächst einmal die Rechenkünste des Kreisläufers gefragt. Jürgen Schweikardt und Alexander Heib waren krankheitsbedingt nicht einsatzfähig. Weil der operierte Marcel Lenz sowieso fehlte, blieben dem TV Bittenfeld nicht mehr viele Wechselmöglichkeiten. Jens Baumbach saß mit einem Muskelfaserriss zumindest auf der Bank. „Da war mir schon klar, dass mancher heute mehr oder weniger durchspielen muss“, sagte Baumgarten nach dem Spiel. Er selbst zum Beispiel – und wie er das tat. Die Eisenacher bekamen den achtfachen Torschützen nie in den Griff.

Keine Verschnaufpause für die erste Sechs

Mit 25 Jahren war Baumgarten in der (Angriffs-) Stammsechs der Älteste. Sein Stellvertreter auf dieser Position, Florian Schöbinger (24), schlüpfte in die Spielmacherrolle. Auf den Halbpositionen spielten die jungen Dominik Weiß (21) und Jan Forstbauer (18). Auf Rechtsaußen Arnor Gunnarsson (22), auf der anderen Seite Tobias Schimmelbauer (23). In den ersten 30 Minuten wechselte TVB-Trainer Günter Schweikardt lediglich für die Abwehr Ludek Drobek anstelle von Forstbauer ein. Während Schöbinger im Angriff geschickt die Fäden zog, organisierte Drobek die Defensive. Und die stand, vor dem gegenüber dem Aue-Spiel stark verbesserten Torhüter Bastian Rutschmann, von Beginn an sehr gut.

Die Bittenfelder machten trotz ihrer wenigen Wechselmöglichkeiten von Beginn an mächtig Dampf. Die Eisenacher hingegen, quantitativ deutlich besser besetzt, spielten lange Angriffe. Spielgestalter Tomas Sklenak versuchte immer wieder, die Rückraumschützen Eryk Kaluzinski und Girts Lilienfelds in Position zu bringen. Das funktionierte bei den Thüringern in der ersten Viertelstunde auch ganz ordentlich, doch auch die Bittenfelder fanden die Lücken in der Gästeabwehr. So war das kampfbetonte Spiel zunächst ausgeglichen (4:2, 4:5, 9:7).

Nach einer Auszeit beim 10:9 für den TV Bittenfeld änderten sich die Kräfteverhältnisse. Bittenfeld bekam Kaluzinksi besser in den Griff, der Mittelblock mit Ludek Drobek und Dominik Weiß ließ selten die gefährlichen Anspiele Sklenaks an seinen Kreisläufer Benjamin Trautvetter zu. Und vorne war der TVB schwer auszurechnen. Mal trafen die mutigen Forstbauer und Weiß aus der Distanz, mal setzte sich Schöbinger clever durch. In der Eisenacher Deckung gab’s zu viele Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten, zumal der Bittenfelder Rückraum immer wieder gekonnt Baumgarten in Szene setzte, der eine prima Quote hatte. Binnen sechs Minuten setzte sich der TVB auf fünf Tore ab (15:11) und wurde immer stabiler. Als Rutschmann zwei Würfe in Folge parierte und der flinke Gunnarsson per Konter zum 20:14 getroffen hatte (29.), waren die Eisenacher bedient und schlichen mit dem 15:21-Rückstand in die Pause. Wobei der letzte Treffer der Gäste durch einen direkt verwandelten Freiwurf Sklenaks aus Bittenfelder Sicht äußerst unnötig war.

Die Eisenacher, als besonders kampfstark bekannt, kamen hochmotiviert aus der Kabine. Dabei, so fanden die Schiedsrichter Frank Kaiser und Marc Schmitz, übertrieben sie es bisweilen mit dem Einsatz. Nick Heinemann und Lilienfelds mussten kurz hintereinander auf die Strafbank. Das spielte dem TVB in die Karten, der seinen Vorsprung bis zur 40. Minute hielt (26:19). Die Gäste gaben jedoch noch nicht auf, nutzten den einen oder anderen überhasteten Abschluss des TVB und arbeiteten sich mit drei Treffern in Folge auf 26:22 heran (44.). Mit einer Auszeit wollte sich der TVB aus dieser prekären Situation befreien – mit Erfolg. Der gerade erst eingewechselte Adrian Wehner fand prima ins Spiel und donnerte den Ball zum 27:22 ins Tor. Gunnarsson legte zum 28:22 nach. Noch einmal, beim 30:26 (51.), kamen die Eisenacher auf Tuchfühlung. Bittenfeld blieb aber ruhig. Die Auszeit der Gäste beim 33:28 in der 56. Minute kam viel zu spät. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Spieler längst resigniert.

Der TVB hatte die so sehnlichst erhofften Punkte gegen einen unangenehmen Gegner gesichert – und das nach einer bemerkenswerten Leistung.

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Schimmelbauer (2), Schöbinger (6), Kienzle (1), Forstbauer (4), Weiß (7), Baumbach, Gunnarsson (5/1), Baumgarten (8), Wehner (2), Drobek.

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (4), Sklenak (5), Wöhler (2), Lindner, Koke (2/1), Luther (2), Bitterlich, Kaluzinski (7), Schiffner, Langhans, Heinemann (3/2), Lilienfelds (4).