„Der Handball in Deutschland ist viel schneller!“

Arnór Thor Gunnarsson (22) ist nicht der erste Isländer beim TV Bittenfeld. In der Saison 2008/2009 spielte bereits der isländische Nationaltorwart Björgvin Pal Gustavsson beim TVB. Dieser hat den Verein inzwischen verlassen und spielt seit 2009 für die Kadetten Schaffhausen. Der neue Rechtsaußen will länger als sein Landsmann bleiben und hat mit seinem neuen Team großes vor. Genau wie sein isländischer „Vorgänger“ hat er schon für den Inselstaat gespielt und soll beim TVB die durch den Abgang von Marco Hauk gerissene Lücke schließen. Beim Saisonauftakt zeichnete er sich bereits als bester Torschütze seiner Mannschaft aus, konnte damit aber die Niederlage gegen den EHV Aue nicht verhindern.

Im Interview äußert sich der Neuzugang des TV Bittenfeld (deutsche Übersetzung):

TVB1898: Einige andere deutsche und internationale Vereine hätten dich gerne verpflichtet. Was waren deine Beweggründe beim TV Bittenfeld einen Vertrag zu unterschreiben?

Gunnarsson:
Ich war im letzten Winter hier und mir gefielen die Mannschaft und das gesamte  Umfeld sehr gut.




TVB1898: Hast du dich bei Björgvin Gustavsson über den TVB erkundigt?

Gunnarsson: Ja, ich habe mit ihm gesprochen und er hat mir den Verein sehr empfohlen.




TVB1898: Wenn du die ersten Wochen in Bittenfeld betrachtest, wie hat die Integration in die neue Mannschaft funktioniert und hast du bereits ein passendes Quartier gefunden?



Gunnarsson: Die Integration verlief so, wie es sich für ein erfolgreiches Team gehört, nämlich sehr gut. Wir, also meine Freundin und ich, denken dass Bittenfeld ein guter Wohnort für uns ist. Wir mögen es in kleinen Städten zu wohnen, demnach ist Bittenfeld ideal für uns.




TVB1898: Was sind die entscheidenden Unterschiede zwischen Deutschland und Island? Und wie unterscheidet sich der Stil des deutschen Handballs vom isländischen, vor allem in Bezug auf das Training und die Spielweise?

Gunnarsson:
In Deutschland ist das Wetter in der Sommerzeit deutlich besser und es ist überall sehr grün. Die Landschaft ist ganz anders als bei uns in Island. Es gibt auch große Unterschiede zwischen dem Handball in Deutschland und Island. Hier wird er deutlich professioneller betrieben und es gibt viel mehr Trainingseinheiten als in Island. Außerdem ist der Handball in Deutschland viel schneller als in meiner Heimat.




TVB1898: Du hast bisher zwei Pflichtspiele mit dem TV Bittenfeld absolviert. Zum einen das Pokalspiel in Leutershausen und das erste Saisonspiel am letzten Wochenende in Aue. Wie war dein Eindruck bei diesen ersten beiden Einsätzen?



Gunnarsson: Es hat mich gefreut, dass die Saison endlich begonnen hat. Aber die Niederlage in Aue war natürlich nicht was wir uns vorgestellt hatten.




TVB1898: Du wirst noch einige Zeit brauchen um die deutsche Sprache zu lernen. Ist es ein Problem für dich diese Sprachbarriere gegenüber Mitspielern und dem Trainer zu haben?



Gunnarsson: Nein, das ist kein großes Problem für mich. Ich kann inzwischen die wichtigen Worte rund um den Handball und kann mich so im Training und in den Spielen verständigen. Außerdem ist es sehr praktisch, dass ein Großteil der Mannschaft die englische Sprache beherrscht und sie mir so, wenn ich mal etwas nicht verstehe, weiterhelfen können. 




TVB1898: Was ist dein Ziel mit dem TV Bittenfeld in dieser Saison und darüber hinaus? Planst du ein kurzes Abenteuer in Europa oder willst du länger bleiben?



Gunnarsson: In dieser Saison ist die Qualifikation für die eingleisige 2.Bundesliga ganz wichtig. Mein größtes Ziel wäre natürlich mit dem TV Bittenfeld in die 1.Bundesliga aufzusteigen und in dieser dauerhaft spielen zu können. In Deutschland würde ich sehr gerne länger bleiben und wenn möglich hier für 10-12 Jahre Handball spielen. 




TVB1898: Dein Bruder ist isländischer Nationalspieler im Fußball. Er spielt aktuell in der englischen 2.Liga für Coventry City. Du hast Spiele für die isländische Nationalmannschaft im Handball bestritten. Du musst aus einem sehr sportlichen Elternhaus kommen.



Gunnarsson: Mein Vater war auch Handballer  und meine Mutter war in jungen Jahren Skifahrerin.

TVB1898: Streitest du mit deinem Bruder darüber welche die wahre Sportart ist?

Gunnarsson:
Handball ist der schnellere Sport, beim Handball fallen mehr Tore als beim Fußball und Handball ist der härtere, der intensivere Sport. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen! Wobei ich zugeben muss, dass man mit Fußball deutlich mehr Geld verdienen kann. Fußball ist am Ende doch die Sportart Nummer eins auf der Welt, aber nicht in Island.

TVB1898: Du hast im Winter auch ein Spiel in der Porsche Arena besucht. Welche Erinnerungen hast du an diesen Abend?

Gunnarsson: Ich kann mich natürlich noch sehr gut erinnern. Vor allem an die großartige Stimmung bei dem Spiel, ich kann es nicht erwarten dort zu selber anzutreten.



TVB1898:
Wie gefällt dir die deutsche Küche? Hast du schon etwas typisch schwäbisches, wie Maultaschen oder Spätzle, probiert?



Gunnarsson: Ja, ich habe Spätzle gegessen und natürlich Schnitzel. Beides hat mir sehr gut geschmeckt.




TVB1898: Was für Pläne hast du nach deiner Handballkarriere? Hast du eine Ausbildung gemacht oder etwas studiert neben dem Sport?



Gunnarsson: Ich habe eine Tischler-Ausbildung gemacht. Allerdings habe ich bisher nur den schulischen Teil abgeschlossen, die Praxis fehlt noch. Ich müsste 12 Monate in Island als Tischer arbeiten, um dann offiziell anerkannt zu werden. Am liebsten würde ich irgendwann als Personaltrainer in einem Studio arbeiten.

TVB1898: Vielen Dank für das Gespräch und eine erfolgreiche Heimpremiere am Samstag.