Die Punkte bleiben im Erzgebirge

Der Saisonstart der Zweitliga-Handballer vom TV Bittenfeld ist missglückt. Die Schützlinge von Trainer Günter Schweikardt verloren ihr erstes Saisonspiel in Aue letztlich verdient mit 35:30 (17:16). Der TVB lief dabei über weite Strecken einem Rückstand hinterher und zeigte vor allem in der Defensive ungewohnte Schwächen. Die Offensivreihen der Bittenfelder scheiterten zudem immer wieder am starken Auer Torhüter Timo Meinl. Die besten Torschützen auf Seiten der „Wild Boys“ waren Neuzugang Arnor Gunnarsson (5), Adrian Wehner (4) und Simon Baumgarten (4). Für den EHV Aue trafen Agnarsson (7) und Mägi (7/2) am häufigsten.

Der TV Bittenfeld erwischte einen guten Start und ging durch die Tore von Florian Schöbinger und Ludek Drobek in Führung. Der erste Ligatreffer von Neuzugang Arnor Gunnarsson zum 4:3, stellte am Samstagabend bereits die letzte Führung für den TVB her.

Bis zum zwischenzeitlichen 11:11 hielt die Mannschaft von Gästetrainer Günter Schweikardt die Partie dennoch weiter offen. Bastian Rutschmann begann stark und kompensierte die mangelnden Abschlusserfolge seines Teams durch seine Paraden. Gegen die Würfe von Ersatz-Spielmacher Marcel Schäfer (4) fand auch der starke Bittenfelder Torhüter keine Antwort und das Spiel kippte. Schäfer, der später zum Spieler des Tages gewählt wurde, erfuhr erst unter der Woche von seiner neuen Rolle. Maik Nowak, Trainer des EHV Aue, fand lobende Worte für das Eigengewächs. „Wir haben inzwischen alle Positionen doppelt besetzt, dennoch können wir zwei Ausfälle auf einer Position eigentlich nicht kompensieren. Auch deshalb ein großes Lob an Marcel Schäfer, der mit einer sehr kurzen Vorbereitung die Rolle in der Mitte übernommen hat.“ In dieser Phase des Spiels gelang es den Gastgebern auf vier Tore davon zu ziehen.

Auch die Einwechslung von Daniel Sdunek erzielte zunächst nicht den erwarteten Effekt. Mangelnde Konzentration und unnötige Ballverluste verhinderten aus der Sicht des TVB einen ausgeglichenen Spielstand. „Der EHV ist immer besser in das Spiel gekommen und wir haben es einfach nicht geschafft den Rückstand dauerhaft zu verkürzen, sind immer wieder hinterher gelaufen“, kommentierte TVB-Trainer Günter Schweikardt den Spielverlauf. Dabei hatte seine Mannschaft kurz vor der Pause den Anschluss wieder hergestellt und konnte ermutigt mit einem knappen 16:17 Rückstand in die Kabine gehen.  Vor allem Jens Baumbach schaffte es in dieser Phase, in der Abwehr als auch im Angriff, mit gelungenen Aktionen und zwei wichtigen Treffern sein Team wieder heranzuführen. Den Start in den zweiten Durchgang verpassten die „Wild Boys“, während sich auf der Seite des EHV Aue zwei Spieler in den Vordergrund drängten. Dank der überragenden Leistungen von Torwart Timo Meinl, der auch  von Günter Schweikhardt „eine klasse Partie“ attestiert bekam und Neuzugang Janar Mägi, der all seine sieben Treffen im zweiten Durchgang erzielte, baute der EHV Aue den Abstand erneut auf vier Treffer aus. Dieser Zwischenspurt der Heimmannschaft ließ auch die knapp 1000 Zuschauer in der Erzgebirgshalle endgültig erwachen und diese sorgten für eine großartige Stimmung.

Gute Laune hatte nach dem Spiel auch Aue-Trainer Maik Nowak, der sich vor allem über das Verhalten seiner Mannschaft in Unterzahl stolz zeigte. „Wir haben diese Situationen, auch im 4 gegen 6 richtig gut gemeistert.“ Nowak spielte damit auf die zahlreichen Zeitstrafen gegen den EHV (8) und die daraus resultierenden Überzahlspiele für den TVB an. Allein im zweiten Durchgang agierten die Gäste aus Bittenfeld 12 Minuten in Überzahl, zeitweise in doppelter. TVB-Spieler Florian Schöbinger analysierte, dass „seine Mannschaft in der Überzahl gute Wurfmöglichkeiten herausspielte, diese aber nicht zu nutzen wusste“. Auch deswegen gratulierte Günter Schweikardt seinem Kollegen Nowak zu einem „in der Summe verdienten Sieg“. Seine Mannschaft hatte es dennoch vier Minuten vor Schluss noch einmal spannend gemacht, als der Vorsprung auf lediglich zwei Tore geschmolzen war. Der Isländer Jon Arnar Agnarsson zerstörte diese letzte Hoffnung und erzielte drei seiner insgesamt sieben Treffer in den letzten Minuten. „Wir haben reichlich Fehler gemacht, vor allem in der Abwehr“, resümierte Günter Schweikardt in der Pressekonferenz und fügte hinzu, „dass 35 Gegentore einfach zu viele waren“. Dem schloss sich auch Florian Schöbinger an und bemängelte nach dem Spiel „die fehlende Konsequenz im Abwehrverhalten“.

Letztlich mussten sich die „Wild Boys“ mit fünf Toren geschlagen geben und haben nun eine Woche Zeit um an den aufgedeckten Schwächen zu arbeiten. Am kommenden Samstag steht dann ein Heimspiel gegen den ThSV Eisenach auf dem Programm, der im ersten Saisonspiel gegen den Bergischen HC (32:32) einen Achtungserfolg landete. Die Revanche gegen Aue findet kurz vor dem Jahreswechsel in der Porsche-Arena statt. Darauf warten nicht nur die Bittenfelder, sondern auch Maik Nowak, Trainer des EHV Aue „freut sich riesig auf diese Partie vor vielleicht 6000 Zuschauern“. „Dafür“, scherzt Nowak, „nimmt seine Mannschaft auch gerne ein, zwei Trainingseinheiten an den Weihnachtstagen in Kauf“. Hoffen wir, dass es im Dezember für die Spieler des TV Bittenfeld mehr zu feiern gibt.