Favoriten: Düsseldorf und die Bergischen Löwen

Selten hat die Bezeichnung „verschärfter Abstieg“ besser gepasst als in der kommenden Spielzeit der 2. Handball-Bundesliga. Von der Saison 2011/2012 an werden die Nord- und Südliga vereint sein, nur die jeweils ersten neun qualifizieren sich. Die besten Chancen, den Sprung in die höchste Liga zu schaffen, werden Erstliga-Absteiger HSG Düsseldorf und dem Vorjahreszweiten Bergischer HC eingeräumt.

SG BBM Bietigheim

Mit einer starken Rückrunde spielte sich die SG, zu Beginn noch in Abstiegsgefahr, in der vergangenen Saison bis auf Platz sechs. Dieser Rang ist dem Team um die Trainer Jochen Zürn und Sven Scheerschmid mindestens in der neuen Runde zuzutrauen, schließlich hat sich die Mannschaft kaum verändert. Bis auf Linksaußen Jochen Bauer (SV Kornwestheim), Christian Löffler (hörte auf) und Julian Pflugfelder ist der Kader unverändert. Letzterer hat sich im Trainingslager seinen dritten Kreuzbandriss zugezogen und seine Karriere beendet. Hinzugestoßen ist Junioren-Nationalspieler Patrick Zieker.

ThSV Eisenach

Der Vorjahreszehnte geht mit einem neuen Trainer, dem Isländer Adalsteinn Eyjolfsson, in die Saison. Mit Pavel Prokopec (Tusem Essen) sowie Christoph Jauernik und Krisztian Szep-Kis (hörten auf) verlieren die Eisenacher zwar erfahrene Rückraumspieler. Mit Alexander Koke (SVH Kassel), Gabor Langhans (Füchse Berlin) und dem tschechischen Torjäger Erik Kaluzinski (HSV Hannover) dürfte der ThSV aber eher an Qualität zugelegt haben. Der ehemalige tschechische Nationalspieler Petr Huby (Einheit Halle) soll den Deckungsverband stärken.

HSC Coburg

Im Frühjahr 2011 soll die neue, 3500 Zuschauer fassende Halle in Coburg fertig sein. Klar, dass der HSC in der übernächsten Saison wieder Zweitliga-Handball anbieten will. In den vergangenen Jahren war Coburg stets zu den Titelkandidaten gezählt worden – und enttäuschte regelmäßig. Manager Siegfried Roch will vor allem am zuletzt fehlenden Teamgeist feilen. Anders als in den Spielzeiten zuvor verzichteten die Coburger diesmal auf hochkarätige Neuverpflichtungen. Aus der zweiten Mannschaft des SC Magdeburg kamen Alexander Auerbach und Sebastian Munzert. Linksaußen Sebastian Kirchner wechselte vom Ligakonkurrenten HC Erlangen zum HSC, aus dem erweiterten Kader des THW Kiel kam Rückraumspieler Daniel Wessig.

HSG Düsseldorf

Schnellstmöglich zurück in die 1. Liga will Absteiger Düsseldorf. Dafür hat die HSG zunächst einmal ins Management investiert: Der ehemalige Nationalspieler Daniel Stephan hat das Amt des Sportdirektors übernommen. Daniel Brack (TSV Hannover-Burgdorf) und Rückkehrer Valdas Novickis (Leichlinger TV) sollen Andrej Kurchev (TV Emsdetten), Max Ramota (hörte auf), Frantisek Sulc (Pick Szeged) und Sturla Assgeirsson (unbekannt) ersetzen. In der Spitze sind die Düsseldorfer glänzend besetzt, größtes Hindernis auf dem Weg in Liga eins könnte der dünne Kader sein.

HSG Frankfurt Rhein-Main

Etwas mehr als den elften Platz hatte sich die aus der SG Wallau und der TSG Münster hervorgegangene HSG in ihrer ersten Saison erwartet. Nun setzt der Verein fast ausschließlich auf eigene Talente aus den beiden Trägervereinen. Der neue Trainer Konrad Bansa muss eine ganze Reihe wichtiger Spieler ersetzen: die beiden Torhüter Michael Rebstock (TV Groß-Umstadt) und Matthias Beer (unbekannt), Linksaußen Axel Buschsieper (TV Groß-Umstadt), Ex-Nationalspieler Jan-Olaf Immel, Daniel Wernig (beide DHC Rheinland), Stefan Bonnkirch (TSG Friesenheim), Steffen Fäth (HSG Wetzlar), Tim Plattner (SG Wallau)., Tobias Schimmelbauer (TV Bittenfeld). Hochkarätigste Neuverpflichtungen sind der österreichische Nationaltorhüter Thomas Bauer (TV Korschenbroich) und Jugend-Nationalspieler Andreas Schröder (HSC Bad Neustadt).

HC Erlangen

Der HCE schloss eine starke Saison mit dem siebten Platz ab, in der neuen Runde indes steht er vor einem Problem: Nach dem Verlust von Guillaume Laout (Tusem Essen) gibt’s im rechten Rückraum keinen Linkshänder mehr. In den Jahren davor hatten die Franken schon Steffen Weinhold (TV Großwallstadt) und Christoph Auer (SG BBM Bietigheim) verloren. Linksaußen Sebastian Kirchner schloss sich dem Ligakonkurrenten HSC Coburg an. Aus Griechenland kehrte Daniel Pankhofer zurück. Ansonsten setzt Trainer Frank Bergemann auf ein eingespieltes Team.

TSG Groß-Bieberau

Die TSG dürfte es schwer haben, unter die ersten neun zu kommen. Zwei wichtige Spieler verlor sie an Erstligisten: Rechtsaußen Felix Kossler (TV Großwallstadt) und auf der anderen Außenposition Junioren-Nationalspieler Maximilian Schubert (FA Göppingen). Auf der Torhüterposition hat sich Groß-Bieberau mit Marco Henne (HG Saarlouis) verstärkt, aus Obernburg kam Tobias Milde. Entscheidend könnte sein, wie gut Dennis Rybakov nach seiner schweren Verletzung in Form kommt. Ansonsten setzt Trainer Thomas Göttmann auf eine starke Abwehr.

Haslach-Herrenberg-Kuppingen

Zuletzt hielten die Aufsteiger – siehe Saarlouis und Neuhausen – sehr gut mit in der 2. Liga. Schafft das auch Trainer Axel Kromer mit seiner Mannschaft nach dem Aufstieg aus der Regionalliga Süd? Namhafte Verstärkungen gibt’s nicht, die Spielgemeinschaft vertraut auf ein eingespieltes und gut funktionierendes Team. Abgänge gab’s nicht. Stützen sind der Ex-Balinger Torhüter Tobias Barthold, Kapitän Kai Wohlbold und der ehemalige Pfullinger Nico Kiener. Gut entwickelt hat sich im Rückraum auch der frühere Waiblinger Valentin Hörer.

TV Groß-Umstadt

Ähnlich wie die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen, so wird es auch für diesen Aufsteiger schwer, unter die ersten neun zu kommen. Nach zwei siebten Plätzen schaffte der TV in der vergangenen Saison etwas überraschend den Aufstieg. Erfahrung gewinnt das Team durch die beiden Neuen von der HSG Frankfurt: Fürs Tor kam Michael Rebstock, für Linksaußen Axel Buschsieper.

TV Hüttenberg

Die Hüttenbeger gehörten in der vergangenen Saison – zusammen mit dem TV Bittenfeld – zu den positiven Überraschungen. Punktgleich mit dem TVB belegte das Team von Trainer Jan Gorr Rang vier. Wie Bittenfeld, so wäre auch Hüttenberg mit der Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga zufrieden. Trotz der Abgänge von Arne Rigterink (HSG Polheim), Christian Stelzenbach, Mario Weber (hörten auf) und Matthias Lang (SG Kleenheim) ist dem spielerisch starken TVH wieder eine Rolle im vorderen Tabellendrittel zuzutrauen. Vom Erstligisten HSG Wetzlar kommen Sebastian Weber und Timm Schneider. Stark besetzt sind die Hüttenberger im Tor mit Matthias Ritschel.

TV Neuhausen/Erms

In seiner ersten Saison in der 2. Liga lehrte der TVN den Gegnern vor allem in eigener Halle das Fürchten. Rang acht hatte den Neuhausenern kaum einer zugetraut. Mit dieser Platzierung wäre das Team von Trainer Markus Gaugisch natürlich auch diesmal sehr zufrieden. Der TVN muss zwar auf Michael Hackius (Stuttgarter Kickers) und Martin Fiedler (hörte auf) verzichten. Mit der Verpflichtung auf Fiedlers Position im rechten Rückraum ist Neuhausen ein Coup gelungen und dürfte es noch stärker machen: Aus Hildesheim kam der gebürtige Tübinger Jeremias Rose ins Ländle zurück. Ansonsten setzt Gaugisch auf die gute Jugend, ein Großteil der Spieler wurde 2009 deutscher A-Jugend-Meister. Torhüter Milos Slaby, Fabian Gutbrod (Zweifachspielrecht bei FA Göppingen), Alexander Stevic, Ralf Bader und Alexander Trost bringen Erstligaerfahrung mit.

TV Korschenbroich

Das Team vom Niederrhein belegte als Aufsteiger mit seiner erfrischenden Spielweise den neunten Platz. Der TVK hat gute Chancen, die Qualifikation zu schaffen. Ersetzen muss Trainer Khalid Khan zwar sein Torhütergespann mit Nationaltorhüter Thomas Bauer (HSG Frankfurt) und Marcel Leclaire (VfL Bardenberg). Die Nachfolger Sven Bartmann (Bayer Uerdingen) und Oliver Mayer (HSV Hannover) überzeugten jedoch in der Vorbereitung. Im Feld hat sich der TVK deutlich verstärkt: Florian Korte (Leichlinger TV) und Spielmacher Matthias Fuchs (Bergischer HC) sind richtig Gute. Zudem ist der zweimalige Zweitliga-Torschützenkönig David Breuer eine Bank.

Tuspo Obernburg

22 Jahre alt ist das Team von Trainer Christoph Barthel im Schnitt: Nicht nur aufgrund seiner Unerfahrenheit zählt es nicht zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf einen einstelligen Tabellenplatz. So viele wichtige Spieler musste Tuspo schon lange nicht mehr ersetzen: Neun sind’s insgesamt, wobei die Verluste von Matthias Conrad, Hannes Volk (beide SG Leutershausen), Tobias Milde (Groß-Bieberau), Juraj Niznan (unbekannt) und Sebastian Schulz (Auslandssemester) am schwersten wiegen dürfen. Fehlen wird auch Milos Hacko (HSG Wetzlar), der im Tor der Obernburger über Jahre hinweg als eine Art Lebensversicherung im Abstiegskampf galt. Und in den war Tuspo stets verwickelt.

HG Saarlouis

Wie Korschenbroich und Neuhausen, so überzeugte auch die HG Saarlouis um ihren Torjäger Danijel Grgic in der vergangenen Saison vor allem im Angriff. Kein Team traf öfter als die HG, dafür schlug es im eigenen Tor etwas zu oft ein. Deshalb holte Trainer Andre Gulbicki mit Jan Peveling vom Nord-Zweitligisten Ahlener SG hier Verstärkung. Defensiv-Experten sind die Neuen Aleksander Kokoszka (Griechenland) und der lettische Nationalspieler Ingars Dude (SV Anhalt Bernburg). Für den rechten Rückraum kam aus Ahlen Christoph Wischniewski. Verkraften muss die HG den Abgang von Andre Kropp (Tusem Essen) und Peter Nielsen (Dänemark).

OSC Rheinhausen

Schwer einzuschätzen ist der dritte Aufsteiger, das dürfte auch der Vorteil der Duisburger sein. Immerhin stehen vier ehemalige Spieler der HSG Düsseldorf in ihren Reihen: Torhüter Jens Bothe, Fabian Schneider, Dennis Backhaus und Jörg Schürmann. Vom Leichlinger TV wechselte Torhüter Matthias Reckzeh zum Neuling. Linksaußen Max Zimmermann kommt von Bayer Dormagen.

Bergischer HC

Die Bergischen Löwen scheiterten in den Aufstiegsspielen zur ersten Liga und wollen nun einen erneuten Anlauf nehmen – und am liebsten auf direktem Weg in die höchste Liga. Es ist davon auszugehen, dass die Löwen mindestens genauso stark sein werden, der Kader ist eher noch ein bisschen besser bestückt. Den Niederländer Joey Duin, der in seine Heimat zurückkehrte, werden die Wuppertaler möglicherweise vermissen. Matthias Fuchs (nach Korschenbroich) gehörte zuletzt nicht mehr zum Stamm. Alexander Oelze kehrte vom Erstligisten HBW Balingen zurück, für den Kreis holte der Bergische HC aus Kiel Hendrik Pekeler. Ansonsten blieb das Team beisammen.

EHV Aue

Abgänge hat der EHV Aue nicht zu verzeichnen. Das bedeutete aber nicht, dass es kein schweres Jahr für die Mannschaft von Trainer Maik Nowak werden könnte. In den vergangenen sieben Jahren schaffte der EHV Aue keinen einstelligen Tabellenplatz – und den braucht er nun zur Qualifikation. Mit Verstärkungen hielt sich Aue angesichts der knappen Kasse ziemlich zurück. Für den Rückraum holte es den Esten Janar Mägi (23) und den 21-jährigen Schweden Fredrik Salmin.