Der Musterschüler von Christian Schwarzer

Handball Jan Forstbauer ist bei der U18-Europameisterschaft mit von der Partie.

Jan Forstbauer besteht zurzeit jede Prüfung mit Leichtigkeit. In der Aufstiegsrunde zur Baden-Württemberg-Oberliga trug der 18-jährige Handballer mit seinen ebenso angstarmen wie torreichen Auftritten zum Sprung des TSV Schmiden in die vierthöchste Spielklasse bei. Das Abitur meisterte das 1,90 Meter große Käpsele am Friedrich-Eugens-Gymnasium in Stuttgart-West mal eben mit einem formidablen Notenschnitt von 1,3. Und auch im A-Jugend-Nationalteam macht er schier unaufhaltsam seinen Weg. "Es ist schön, dass alles so gut läuft. Manchmal bin ich ganz überrascht, wie schnell alles ging. Ich hätte nix dagegen, wenn es so weitergehen würde", sagt er.

Seit Mai 2008 gehört Jan Forstbauer der deutschen Nachwuchsauswahl der Jahrgänge 1992 und 1993 an, mit der er am Donnerstag in die U18-Europameisterschaft in Montenegro startet. In seiner Anfangszeit durfte der Linkshänder sich stets nur auf der für ihn ungewohnten rechten Außenbahn beweisen. Seit mehr als einem Jahr – seit einer Verletzung von David Twardon (Kreuzbandriss) aus der Jugend des Erstligisten Rhein-Neckar Löwen – kommt er auf seiner angestammten Position im rechten Rückraum zum Zug. Seit dem Wechsel auf vertrautes Spielfeld-Terrain blüht Jan Forstbauer auch im Nationalteam auf. Im dritten und finalen Testspiel gegen die Slowakei (35:25) war er unlängst mit neun Treffern der mit Abstand beste Torschütze. In den beiden Vergleichen davor hatte er jeweils dreimal getroffen.

Der 1992 geborene Jan Forstbauer war neulich sogar als Nachrücker ins erweiterte Aufgebot des deutschen Juniorenteams (Jahrgänge 1990 und 1991) nominiert, das die Europameisterschaft in der Slowakei gerade auf dem vierten Platz beendet hat. Und er ist ein aussichtsreicher Kandidat für einen Platz in der deutschen Anfangsformation bei der am Donnerstag beginnenden U18-Europameisterschaft.

"Es wäre schön, wenn das klappt. Ich bin insgesamt zufrieden", sagt das Toptalent, das vom TSV Schmiden zum Zweitligisten TV Bittenfeld gewechselt ist. Ein ursprünglich angedachtes Doppelspielrecht für beide Vereine wird immer unwahrscheinlicher. "Ich denke eher nicht: Ich bekomme in Bittenfeld meine Spielanteile, das hat sich damit erledigt", sagt Jan Forstbauer.

Das Ziel bei der Europameisterschaft ist eine Medaille. In der Vorrunde treffen die deutschen Teenager auf den Gastgeber Montenegro, Portugal und Spanien. "Wir haben eine schwere Gruppe erwischt, da müssen wir erst einmal durchkommen. Wenn das klappt, ist alles möglich", sagt Jan Forstbauer, der mit sechs Jahren bei der HSG Cannstatt mit Handball begann und im Sommer 2008 vom SV Salamander Kornwestheim zum HSC Schmiden/Oeffingen (Jugend-Spielgemeinschaft des TSV Schmiden und des TV Oeffingen) wechselte.

Trainiert wird die deutsche A-Jugend-Auswahl von dem 319-maligen Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer, dem charismatischen Weltmeister von 2007. "Es ist cool, mit ihm zusammenzuarbeiten, er ist ein sehr umgänglicher Typ. Wir haben alle Respekt vor ihm, er hat natürlich Großes in seiner Karriere geleistet", sagt Jan Forstbauer über den früheren Kreisläufer von Weltklasseformat, Auch Christian Schwarzers Assistent Heiko Karrer ist ein Ex-Nationalspieler, mit 53 A-Länderspielen.

Nach zwei abschließenden Trainingstagen in Großwallstadt bricht die deutsche Abordnung am Mittwoch in Richtung Montenegro auf. "Bisher geht"s noch mit der Anspannung. Aber ich denke, wenn es richtig losgeht, werde ich schon aufgeregt sein", sagt Jan Forstbauer. Die Prüfungen für den 18-Jährigen mit dem Hang zu ebenso angstarmen wie torreichen Auftritten gehen eben zurzeit nicht aus.