TV Bittenfeld: Zu wenig für Platz zwei

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas WagnerNichts geworden ist aus dem großen Traum des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld, am letzten Spieltag den zweiten Platz zurückzuholen. Bei der 31:33-Niederlage (17:16) in Saarlouis war dem TVB der Substanzverlust der langen Runde deutlich anzumerken. Der Angriff agierte bisweilen fahrig, die Abwehr ließ sich mit einfachen Mitteln düpieren.

Wenn’s einen Trost gab für den TVB, dann war’s die Nachricht vom 29:22-Sieg des Bergischen HC über den TV Hüttenberg. Selbst ein Bittenfelder Sieg in Saarlouis hätte also nichts gebracht. Zur Halbzeit indes hatte es noch glänzend ausgesehen für die Bittenfelder: Zu diesem Zeitpunkt führte Hüttenberg bei den Bergischen Löwen und der TVB in Saarlouis. In diesem Moment war Bittenfeld wieder Zweiter.

In den zweiten 30 Minuten zeigte sich jedoch, wer im Aufstiegskampf über die größeren Kraftreserven und die besseren Nerven verfügte: Es waren die Bergischen Löwen. Wie schon in der Vorwoche in Frankfurt steckten sie einen Rückstand weg. Und die Bittenfelder verspielten, ähnlich wie in Obernburg, relativ leichtfertig eine Drei-Tore-Führung eine Viertelstunde vor Schluss.

Die erste schlechte Nachricht hatten die Bittenfelder schon vor dem Spiel verdauen müssen: Linksaußen Marcel Lenz wird mit derselben Verletzung wie Rechtsaußen Marco Hauk (Patellarsehnen-Anriss) mehrere Wochen ausfallen. Damit indes nicht genug der Misere: Nach 15 Minuten kam auch für Kai Häfner das Aus. Der Junioren-Nationalspieler verletzte sich am Knie. Patrick Rothe ersetzte den Linkshänder allerdings ordentlich.

Zahlreiche technische Fehler im Bittenfelder Spielaufbau

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der TVB nach einigen vogelwilden Aktionen gerade einigermaßen gefangen. Wie schon gegen Bietigheim war der Spielaufbau geprägt von technischen Unzulänglichkeiten und Ballverlusten. Dabei hatte der TVB nach dem 3:1-Führungstreffer durch den guten Adrian Wehner beste Chancen, die Saarlouiser frühzeitig auf Distanz zu halten.

Doch unpräzise eingeleitete Konter und Konzentrationsschwächen im Abschluss brachten die Gäste völlig außer Tritt. Mit einem 7:1-Lauf drehte der Aufsteiger das Spiel zum 9:5 (13.). Das Schlimme dabei aus Bittenfelder Sicht war, dass die HG nicht besonders tief in die Trickkiste greifen musste. Wenn es gefährlich wurde für TVB-Keeper Bastian Rutschmann, dann vornehmlich über die Achse Rückraummitte – Kreis. Danijel Grgic und André Kropp ließen die Bittenfelder reihenweise alt aussehen. 22 der 33 Saarlouiser Treffer gingen auf das Konto dieses herausragenden Duos. Da brachte selbst die kurze Deckung gegen Grgic wenig. Der TVB kämpfte sich nach dem Vier-Tore-Rückstand und trotz acht vergebener Großchancen zurück ins Spiel. Simon Baumgarten sorgte nach einem Traumpass von Jürgen Schweikardt für die 17:16-Pausenführung der Bittenfelder.

Die hätten eigentlich mit noch größerem Willen die zweiten 30 Minuten angehen müssen, nachdem die Nachricht vom Rückstand des Bergischen HC die Runde gemacht hatte. Doch die mangelhafte Chancenauswertung setzte sich auch nach der Pause fort. Erst nach zwei schönen Anspielen von Alexander Heib und Florian Schöbinger auf Baumgarten setzte sich der TVB beim 24:21 (40.) etwas ab.

Dieses Polster war aber in der nun zerfahrenen und hektischen Partie schnell wieder weg (25:25/48.). Die Bittenfelder verloren die Duelle gegen den Saarlouiser Torhüter Darius Jonczyk gleich reihenweise. Und sehr zum Leidwesen des TVB hatten Grgic und Kropp auch in der letzten Viertelstunde noch mächtig Spaß am Handballspielen.

Eine Zeitstrafe gegen den diesmal etwas unglücklich spielenden Sebastian Seitner nutzte die HG zweieinhalb Minuten vor Schluss durch drei Grgic-Treffer zur 32:30-Führung. Der TVB, dem nun der Dampf ausging, hatte 29:28 geführt und eine weitere freie Chance zum 30:28 vergeben. Nach dem 33:30 durch Christian Kühn waren die Bittenfelder geschlagen – und hätten sich schwarz ärgern müssen, wenn Hüttenberg beim Bergischen HC die Überraschung gelungen wäre.

Andererseits: In der derzeitigen Verfassung wäre es für den TVB auch extrem schwer geworden in den Aufstiegsspielen. Die Enttäuschung über die verpasste Relegation muss sich aber in Grenzen halten: Der TV Bittenfeld hat schließlich eine glänzende Saison mit dem dritten Rang abgeschlossen.

HG Saarlouis: Ehrich, Jonczyk; Kühn (3), Altmeyer, Fontaine (2), Hoffmann (3), Koppenburg, Kessler, Nielsen (1), Lohrbach (2), Grgic (17/7), Kropp (5). TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner (2/1), Schöbinger (2), Weiß (1), Baumbach (1), Schweikardt (5), Heib (4/2), Baumgarten (5), Wehner (5), Rothe (4), Häfner (2), Drobek.