Rutschmann will aufsteigen

Der drittletzte Spieltag der 2. Handball-Bundesliga hat an der Spitze keine Veränderungen gebracht: Friesenheim steht mit eineinhalb Beinen in der 1. Liga, im Kampf um den Relegationsplatz hat der TV Bittenfeld die besten Karten. Der gegen Essen überragende Bastian Rutschmann jedenfalls ist hochmotiviert: Er will unbedingt aufsteigen.

Nach der Bittenfelder Pleite in Obernburg hatten sich die Konkurrenten des TVB um den Relegationsplatz, der Bergische HC und der TV Hüttenberg, diebisch gefreut und auf einen erneuten Punktverlust der Bittenfelder gegen die zuletzt starken Essener gehofft. Von einem weiteren Stolperer indes war der TVB gegen TUSEM ein gutes Stück entfernt. Mit einer konzentrierten und über weite Strecken auch spielerisch sehr guten Leistung ließ er dem Gegner keine Chance. Eine Niederlage hätte für den TVB wahrscheinlich den K.o. im Rennen um Platz zwei bedeutet. „Wir waren vor dem Spiel schwer angespannt“, sagt Günter Schweikardt. Der Bittenfelder Trainer freute sich nicht nur über die beiden Punkte, sondern auch darüber, „wie wir gespielt haben“. Das sei nicht selbstverständlich gewesen.

Besonders gut gefallen hat Schweikardt die Defensive. Die stand über 60 Minuten hinweg glänzend und war die Voraussetzung dafür, dass der TVB eine seiner Stärken ausspielten konnte: das Konterspiel. So war Schweikardt auch sehr zufrieden mit seinen Außenspielern Marcel Lenz, Jens Baumbach und Patrick Rothe.

Rutschmann plant keinen Urlaub

Nicht alle Gegenstöße indes landeten im Tor der Essener. Das lag unter anderem daran, „dass wir ein paar Bälle verhaspelt haben“. Aber auch an Jan Kulhanek. Der Essener Torhüter steigerte sich mit zunehmender Spieldauer. Die Klasse seines Gegenübers indes erreichte er längst nicht. Bastian Rutschmann knüpfte nach einigen durchschnittlichen Spielen an seine prächtige Form aus der Hinrunde an. Bei 23 Würfen des Gegners blieb er Sieger, darunter auch zweimal vom Siebenmeterstrich.

Der emotionale Keeper war ganz in seinem Element, trieb seine Mitspieler und sich selbst immer wieder an. Nach dem Spiel lobte er seine Abwehr. „Genau so müssen wir die nächsten sechs Spiele angehen“, sagte er uns grinste. Der 27-Jährige spürt kein allzugroßes Verlangen, am 22. Mai nach dem letzten Rundenspiel in Saarlouis den Urlaub anzutreten. „Natürlich will ich aufsteigen.“

Die Aufstiegsspiele gegen den Zweiten der Nordstaffel und im Erfolgsfall gegen den Drittletzten der 1. Liga will sich Rutschmann nicht entgehen lassen. Dafür werde er alles tun. Beispielsweise seine Beziehungen spielen lassen zu seinem alten Kumpel aus gemeinsamen Oftersheimer Zeiten, Axel Buschsieper. Der spielt mittlerweile bei der HSG Frankfurt Rhein-Main, die am Samstag den Bergischen HC erwartet. Rutschmann setzt auf seine Motivationskünste. An einem guten Tag könnten die Frankfurter den BHC schlagen. So wie sie den designierten Aufsteiger Friesenheim in die Schranken wiesen.

So eine Konstellation gab’s im Derby noch nie

Für die Bittenfelder jedenfalls wird’s von entscheidender Bedeutung sein, dass ihre Torhüter im Endspurt wieder voll da sind. Wobei Daniel Sdunek derzeit nicht in bester körperlicher Verfassung ist. „Er ist rundum ein bisschen angeschlagen und kann sich nicht richtig belasten“, sagt Schweikardt. „Aber natürlich sind die beiden jetzt auch gefordert.“

Am Samstag in der Porsche-Arena ganz speziell. Da steht der TV Bittenfeld gleich in dreifacher Hinsicht vor einem außergewöhnlichen Spiel: Auftritte in Stuttgart sind für den TVB nach wie vor nicht alltäglich. Genauso wenig die Vergleiche mit dem Nachbarn aus Bietigheim. So bedeutend wie am Samstag jedoch war das Derby noch nie. „Das ist eine einmalige Konstellation in der Geschichte des TV Bittenfeld“, sagt Schweikardt. „Zwei Spieltage vor Schluss haben wir die Chance auf den Relegationsplatz. Darüber sollte man auch einmal nachdenken.“ Dabei kann sich der TVB des Widerstandes der Bietigheimer sicher sein. Nach der 28:32-Niederlage beim Bergischen HC versprach SG-Trainer Jochen Zürn seinem Kollegen HaDe Schmitz den Sieg über Bittenfeld. „Wir werden brennen“, sagte Zürn in der Pressekonferenz.

Rutschmann und sein TVB werden alles dafür tun, die SG auf kleiner Flamme zu halten.