Bittenfeld lässt Essen keine Chance

Bei der Niederlage in Obernburg hatte Handball-Zweitligist TV Bittenfeld noch blutleer agiert. Gegen TUSEM Essen zeigte der TVB, dass er zu Recht auf dem zweiten Platz steht: Vor 900 Zuschauern in der Gemeindehalle ließ er dem Ex-Erstligisten beim 34:25 (14:9) keine Chance. Grundlage des Sieges war die starke Abwehr vor dem überragenden Keeper Bastian Rutschmann.

Wie hat der TV Bittenfeld die schmerzliche Niederlage beim Vorletzten Tuspo Obernburg verdaut? Wie groß ist die Verunsicherung? Diese Fragen stellten sich die 900 Fans in der Gemeindehalle – und sie gingen mit einem sehr guten Gefühl nach Hause. Sicher: In der einen oder anderen Situation war den Bittenfeldern anzumerken, dass die Partie gegen TUSEM Essen eine größere Bedeutung hatte als ein Spielchen beim Most- und Rettichfest.

Unterm Strich jedoch war’s erstaunlich, wie schnell der TVB wieder zu alter Form zurückfand. Die Konkurrenten um Platz zwei, der Bergische HC und der TV Hüttenberg, jubelten ob des Bittenfelder Schwächeanfalls in Obernburg. Nun müssen sie weiter auf die Hilfe der TVB-Gegner hoffen, wollen sie noch an Bittenfeld vorbeiziehen.

Das war so nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Zum einen zeigten die Essener zuletzt aufsteigende Form. Zum anderen fehlte dem TVB mit Rechtsaußen Marco Hauk ein zentraler Spieler. Dessen Vertreter indes machte ein prima Spiel: Patrick Rothe fand gegen TUSEM zu alter Stärke zurück.

Auch beim Gegner des TVB fehlte der Rechtsaußen, der österreichische Nationalspieler Richard Wöss. Mit 1,86 Metern zählt Wöss zu den Knirpsen im Essener Team. Sechs Spieler im Kader sind mindestens 1,97 Meter groß. Logisch, dass die Bittenfelder deutliche körperliche Defizite hatten. Die jedoch fielen nicht ins Gewicht, der TVB war hervorragend auf den Gegner eingestellt.

Die Abwehr hatte das gefährliche Trio der Essener sehr gut im Griff. Am Kreis war der aktuelle Nationalspieler Patrick Wiencek bei Ludek Drobek und Co. in besten Händen. Da nützten dem 21-Jährigen auch seine 2,01 Meter und 107 Kilogramm nichts. Spielgestalter Philipp Pöter fehlten gegen die aufmerksame TVB-Deckung die Ideen. Junioren-Nationalspieler Matthias Gerlich traf zwar hin und wieder aus dem Rückraum. Er verzweifelte aber – wie seine Mannschaftskollegen – oft am überragenden Bastian Rutschmann. 22 gehaltene Bälle und zwei Siebenmeter waren die starke Bilanz des Schlussmanns.

Zur Pause hätte der TVB höher führen müssen

Nach elf Minuten hielt Rutschmann seinen fünften Ball, der gute Sebastian Seitner traf unnachahmlich zum 7:3. Diese Führung gab den Bittenfeldern Sicherheit. Spätestens nach dem 13:6 (25.) hatte der TVB die Essener im Griff – und hätte zur Pause höher als 14:9 führen müssen. Gegen Ende der ersten 30 Minuten schwächelte er aber im Abschluss. TUSEM-Torhüter Jan Kulhanek, der zuvor kaum eine Hand an den Ball gebracht hatte, kam besser ins Spiel.

Am Erfolg schnuppern durfte Essen allerdings nicht. Die Bittenfelder kamen konzentriert aus der Kabine. Die Defensive stand weiter sicher, und damit ergaben sich immer wieder Konterchancen über die schnellen Außen Marcel Lenz und Jens Baumbach. Letzterer verwandelte zum 17:10 (34.). Dann jedoch folgte eine Phase, in der die Konzentration im Angriff zu wünschen übrig ließ. Beim 19:15 (38.) und 24:21 (48.) waren die Essener wieder in Schlagdistanz. Mit einer etwas offensiveren Deckung versuchten sie, das Aufbauspiel des TVB zu stören. Das indes funktionierte nicht wirklich. Nach dem 25:22 (50.) zogen die Bittenfelder das Tempo an. Nach fünf Toren in Folge zum 30:22 (55.) war das Spiel endgültig durch. Nun ging’s nur noch darum, das Torverhältnis aufzubessern. Das tat der TVB auch mit dem 34:25-Sieg.

Weil auch der Bergische HC und der TV Hüttenberg ihre Spiele gewannen, blieb an der Spitze in der Tabelle alles beim Alten. Der TVB und der BHC sind punktgleich, Hüttenberg liegt einen Zähler zurück. Einen kleinen, vielleicht aber feinen Unterschied gibt’s jedoch: Der TV Bittenfeld ist gegenüber den Konkurrenten nun 14 und 59 Tore im Vorteil.

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner (7/2), Schöbinger (1), Weiß (1), Baumbach (4), Lenz (5), Schweikardt (1), Heib (5/3), Baumgarten (3), Wehner (2), Rothe (5), Drobek. TUSEM Essen: Kulhanek, Kundt; Schulz (2), Wozniak, Tovornik, Pöter (3), Gerlich (6/1), Trodler, Schütte (1), Farkasovsky (7/1), Wiencek, Ciupinski (6), Krönung.

Bilder gibts hier.