Gestolpert beim Tanz in den Mai

Nach der schmerzhaften Niederlage am Freitag beim Vorletzten war die Laune bei den Zweitliga-Handballern des TV Bittenfeld im Keller. Tags darauf gab’s erneuten Grund zum Ärgern: Neuhausen fegte Friesenheim aus der Halle. Bei einem Sieg in Obernburg wäre der TVB nach Pluspunkten gleichauf mit dem Tabellenführer gewesen.

Hatte Günter Schweikardt eine böse Vorahnung? „Ich hoffe, die Konzentration wird hoch genug sein“, sagte der Bittenfelder Trainer kurz vor dem Spiel. Eineinhalb Stunden später verteilte er bei der Pressekonferenz artig Komplimente an den Gegner. Kritik an seinen Spielern übte er nicht, tief im Innern jedoch brodelte es. Wie konnten die Bittenfelder eine solch große Chance auslassen? Die Chance sogar, wie sich am nächsten Tag herausstellte, am Direktaufstieg zu schnuppern?

An der unzureichenden Vorbereitungszeit lag’s jedenfalls nicht. Eindreiviertel Stunden vor Spielbeginn parkte der Bus vor der Sparkassen-Arena in Elsenfeld. Die mangelnde Unterstützung der Fans war auch nicht schuld: Der TVB-Fanblock machte mächtig Stimmung in der 2800 Plätze fassenden Halle, die jedoch nur zu einem Viertel gefüllt war. So gab’s jedenfalls genügend Platz, der Anweisung des Hallensprechers zu folgen: „Liebe Zuschauer, wir begrüßen Sie zum Tanz in den Mai mit der Tuspo Obernburg.“

Zum letzten Mal gewann Obernburg am 26. Dezember zu Hause

Die heimischen Fans indes glaubten weniger an eine Party. Zu schwach hatte sich ihre Tuspo zuletzt präsentiert. Manfred Specht, bei den Obernburgern fürs Hallenheft verantwortlich, hatte zumindest den Humor nicht verloren. „Was war am 26. Dezember 2009?“, fragte er in der Vorschau – und lieferte einen Teil der Antwort gleich mit. „Der zweite Weihnachtsfeiertag – richtig.“ An jenem Tag gab’s für die Tuspo-Fans auch zum letzten Mal Grund zum Jubeln: Das 27:26 gegen Delitzsch war der letzte Heimsieg des Bittenfelder Gegners. Dazwischen lagen fünf Heimspiele mit einer Bilanz von 1:9 Punkten, der letzte Sieg datierte vom 6. Februar beim 25:24 in Aue.

Was sprach also für den Tabellenvorletzten außer der Tatsache, gegen den TV Bittenfeld in sämtlichen drei Heimspielen in der 2. Bundesliga ohne Punktverlust geblieben zu sein? Im Grunde wenig. Und doch nutzten die Obernburger ihre Chance – weil die Bittenfelder sie gewähren ließen.

„Wir waren von Anfang an viel zu zaghaft in unseren Aktionen und zu berechnend“, sagt Trainer Günter Schweikardt, dem auch gestern noch die schwache Leistung seiner Mannschaft im Magen lag. Der Abwehr habe die Stabilität gefehlt, sowohl im Verband als auch individuell. Das habe auch für die Torhüter gegolten, wobei Schweikardt nichts davon hält, Einzelkritik an Bastian Rutschmann und Daniel Sdunek zu üben. Die beiden erwischten keinen guten Tag. „Wir alle anderen auch“, sagt Schweikardt. „Kein Spieler hat seine Leistung gebracht.“ Auch das mangelhafte Rückzugsverhalten schmeckte Schweikardt nicht, und im Eins-gegen-eins hätten seine Spieler zu viele Aktionen verloren.

Der Fokus muss alleine dem Spiel gegen Essen gelten

„Im Angriff haben der Mut und die Entschlossenheit gefehlt.“ Das habe der Gegner ausgenutzt, der „unheimlich gefightet“ und das Maximale aus seinen Möglichkeiten herausgeholt habe. „Deshalb müssen wir anerkennen, dass Obernburg sich den Sieg mehr verdiente als wir. So sehr das auch schmerzt in dieser entscheidenden Phase.“

In dieser Form, sagt Schweikardt, habe seine Mannschaft keinen Anspruch auf Platz zwei – was nicht bedeutet, dass er vorzeitig aufgeben will. Die Situation nach der Niederlage gegen Hüttenberg sei vergleichbar gewesen mit der aktuellen. „Da waren wir für viele auch schon weg, ein paar Wochen später hat’s wieder ganz anders ausgesehen.“

Sicher sei, dass sich seine Mannschaft gewaltig steigern müsse, um einen weiteren Rückschlag zu vermeiden. Der bedeutete so ziemlich sicher das Aus im Kampf um Platz zwei. „Unser Fokus muss einzig und allein aufs Wesentliche gerichtet sein: das nächste Spiel gegen Essen am Samstag“, sagt Schweikardt – und ärgert sich über Spekulationen, welche der Konzentration abträglich seien. Den Trainer interessiert momentan nicht, ob sein Sohn Michael in Verhandlungen mit dem MT Melsungen steht oder nun doch zum TVB wechselt. „Ich will jetzt auch nichts von einem neuen Spieler für den rechten Rückraum hören.“