Niederlage in Obernburg

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat seinen Vorteil im Kampf um Platz zwei leichtfertig verspielt. Beim Vorletzten Tuspo Obernburg musste sich der TVB am Freitag vor 900 Zuschauern mit 30:32 (14:15) geschlagen geben. Acht Minuten vor dem Ende hatte der Favorit noch mit drei Toren geführt, fühlte sich offensichtlich zu sicher und wurde dafür bestraft.

Die Szene 25 Sekunden vor Schluss passte zu einem Spiel, in dem die Bittenfelder über weite Strecken nicht richtig bei der Sache waren. Obernburg führte mit 31:30 und bekam Zeitspiel abgepfiffen. Mit dem siebten Feldspieler auf dem Feld hatte der TVB die Chance, wenigstens einen Punkt zu retten. Der finale Angriff indes wurde jäh unterbrochen: Zeitnehmer Gunter Eckart und Sekretär Wilhelm Fröhlich monierten einen Wechselfehler. Der Bittenfelder Torhüter Daniel Sdunek hatte das Spielfeld noch nicht verlassen, als der siebte Feldspieler aufs Feld rannte. Jürgen Schweikardt bekam eine Zeitstrafe aufgebrummt, Obernburg den Ball – und machte mit dem 32:30 alles klar.

Während die Tuspo-Spieler ihren im Abstiegskampf womöglich entscheidenden Sieg ausgelassen feierten, schlichen die Bittenfelder gesenkten Hauptes in die Kabine. Selten zuvor hat eine Niederlage so geschmerzt.

Dabei hatten die Bittenfelder die besten Aussichten auf den fünften Sieg in Folge, bekamen sie doch Verstärkung vom Erstligisten FA Göppingen: Kai Häfner durfte wieder einmal per Zweifachspielrecht ran. Ein Segen für den TVB. Erstens, weil Häfner zuletzt starke Leistungen im TVB-Trikot zeigte. Zweitens, weil die rechte Angriffsseite des Tabellenzweiten mit Marco Hauk und Sebastian Seitner derzeit ziemlich lädiert ist.

Stark: Schöbinger und Baumgarten

Allerdings erwischte Häfner keinen guten Tag – und damit war der Junioren-Weltmeister nicht alleine. In richtig guter Verfassung präsentierten sich Simon Baumgarten und Florian Schöbinger, der Rest zeigte Durchschnitt. Und dennoch hätten die Bittenfelder als Sieger vom Feld gehen müssen – wenn sie mit etwas mehr Spannung und Entschlossenheit die Partie angegangen wären.

Seit elf Spielen hatte Tuspo Obernburg auf einen Sieg gewartet und steckt deshalb mitten im Abstiegskampf. Angesichts des schweren Restprogramms wären die Chancen auf den Ligaverbleib bei einer Niederlage gegen den TVB ziemlich gering gewesen. Die Bittenfelder wären gut beraten gewesen, hätten sie dem verunsicherten Gegner von Beginn an gezeigt, wer die bessere Mannschaft ist. Das taten sie allerdings nicht, ließen es eher gemächlich angehen. Offensichtlich im sicheren Glauben, stets zulegen zu können, wenn’s denn sein musste. So hat’s schließlich in Neuhausen, gegen Eisenach und auch gegen Coburg funktioniert.

Das Problem am Freitag war jedoch, dass der TVB den Gegner mit wenig entschlossenen Aktionen stärkte. So waren die ersten 30 Minuten absolut ausgeglichen. Wie in etlichen Spielen zuvor, fehlte den Bittenfeldern zunächst die Standfestigkeit in der Abwehr. Sie wussten zwar um die Gefährlichkeit von Tuspo-Kreisläufer Hannes Volk. Der indes entwischte dem TVB gleich reihenweise, und der rechte Rückraumspieler Martin Justus freute sich über seine Freiheiten.

Auch im Angriff taten sich die Bittenfelder schwer, agierten sie doch zu statisch. Auf gute Aktionen folgten regelmäßig leichte Fehler, mehr als ein Tor Vorsprung brachte der TVB nicht zustande. Nach 18 Minuten brachte TVB-Trainer Günter Schweikardt für kurze Zeit Marco Hauk auf Rechtsaußen für den unglücklichen Kai Häfner, Daniel Sdunek löste im Tor Bastian Rutschmann ab. Eine Qualitätsverbesserung brachte dies allerdings nicht. So ging Obernburg mit der 15:14-Führung in die Halbzeit.

Die Bittenfelder agierten in der Schlussphase zu fahrig

Rückstände zur Pause sind die Bittenfelder gewohnt. Zuletzt präsentierten sie sich in den zweiten 30 Minuten wesentlich wacher. Darauf hoffte auch der TVB-Fan-Block. Und nach 35 Minuten schien es so, als hätte Bittenfeld – nun wieder mit Rutschmann zwischen den Pfosten – das Spiel in Griff. Die Abwehr wirkte entschlossener. Häfner sorgte mit zwei Kontern zum 18:16 für die erste Zwei-Tore-Führung im Spiel. Fünf Minuten später vergrößerte Jürgen Schweikardt das Polster auf drei Treffer (22:19).

Obernburg kämpfte und schaffte in der nun härter geführten Partie beim 24:24 (45.) den Ausgleich. Es profitierte dabei von etlichen Konzentrationsschwächen des TVB in Angriff wie Abwehr. Noch mal wechselte Günter Schweikardt den Torhüter. Und als Sdunek zwei Bälle zu fassen bekam und Sebastian Seitner das 27:24 besorgte, hatte der TVB elf Minuten vor dem Ende beste Aussichten.

Tuspo-Coach Christian Barthel brachte im Tor Johannes Klimmer für Milos Hacko. Letzterer hatte, wie seine Bittenfelder Kollegen, zwar die eine oder andere starke Szene. Unterm Strich indes spielten alles drei unter ihren Möglichkeiten. Nach dem 29:26 durch Schöbinger fehlten dem TVB noch acht Minuten bis zum Zieleinlauf. Was die Bittenfelder aber in der Schlussphase zeigten, war äußerst konfus. Unglückliche Aktionen am laufenden Band spielten den Obernburgern in die Karten. Jürgen Schweikardt verwarf überhastet, Alexander Heib traf den Pfosten, Häfner donnerte den Ball frei über den Kasten, Ballverlust wegen Kreisübertritt und ein geblockter Wurf von Schweikardt. Binnen sieben Minuten geriet der Favorit ins Wanken und mit 29:31 in Rückstand.

Dass die unsicheren Schiedsrichter Lutz Daßler und Lutz Günther die eine oder andere Zeitstrafe zu viel aussprachen, traf beide Mannschaften und darf dem TVB nicht als Entschuldigung gelten. Trotz der durchwachsenen Leistung hätten die Bittenfelder zumindest einen Punkt retten können. Wenn sie denn in der letzten Minute etwas konzentrierter aufgetreten wären.

So sind die Bittenfelder der große Verlierer des 31. Spieltags. Die Konkurrenten TV Hüttenberg und Bergischer HC gewannen ihre Spiele, der BHC machte zudem in der Tordifferenz erheblich Boden gut. Noch bitterer dürfte den Bittenfeldern die Niederlage aufgestoßen sein, als sie am Samstag von der 23:32-Schlappe des Tabellenführers Friesenheim in Neuhausen hörten.

Bei einem Sieg in Obernburg hätte der TVB nach Pluspunkten zum Spitzenreiter aufgeschlossen. Der erwartet am Mittwoch den Vierten TV Hüttenberg.

Tuspo Obernburg: Hacko, Klimmer; Wilhelm, Schulz (1), Wengerter, Niznan (5), Conrad Fetser (7/3), Justus (8), Hain, Volk (6), Schüßler (1), Maas (4).

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner (4), Schöbinger (7/2), Weiß (3), Baumbach, Lenz (1), Schweikardt (5), Heib (2/2), Baumgarten (6), Häfner (2), Wehner, Hauk, Drobek.