Bittenfeld knackt bestes Heimteam

Der 28:22-Sieg des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld beim TV Neuhausen/Erms, dem bis dato heimstärksten Team der Liga, dürfte bei der Konkurrenz Eindruck hinterlassen haben. Und der TVB hat mit einer klasse Leistung viel Selbstvertrauen gesammelt im Kampf um die Aufstiegsplätze. Die Gäste entschieden das verbissen geführte württembergische Derby mit einem fulminanten Schlussspurt.

Was für eine Stimmung, was für ein Spiel: 1400 Zuschauer – so viele passen offiziell in die Hofbühlhalle in Neuhausen – veranstalteten im Spitzenspiel zwischen der besten Heimmannschaft gegen den Tabellenzweiten einen Höllenlärm. In den letzten zehn Minuten indes war die Halle fest in der Hand der 200 tapferen Bittenfelder Fans. Die feierten ihr Team, das in der heißen Schlussphase überaus kühl blieb und aus dem 20:20 in der 49. Minute binnen viereinhalb Minuten das 25:20 machte. Damit war das Spiel entschieden.

Auch in den 50 Minuten davor wurden die Fans prima unterhalten. Das lag auch daran, dass die Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner das hitzige Derby hervorragend im Griff hatten.

Der Aufsteiger aus Neuhausen erwischte den besseren Start und führte nach fünf Minuten mit 4:1. Der TV Bittenfeld hatte zunächst erhebliche Probleme, sich auf die äußerst aggressive 3:2:1-Deckung der Neuhausener einzustellen und agierte etwas behäbig. Die eigene defensive Abwehr offenbarte vor allem am Kreis etliche Lücken. Die nützte der beste Spieler beim TVN am Samstag, der ehemalige Bittenfelder Julius Emrich, gleich reihenweise.

Seitner und Hauk sorgen für regen Betrieb

Der TVB ließ sich allerdings weder vom Blitzstart des Gegners, noch vom fanatischen Publikum verunsichern und holte sich beim 6:5 (13.) die erste Führung durch Sebastian Seitner. Der Linkshänder sorgte zusammen mit Marco Hauk auf der rechten Angriffsseite für regen Betrieb. Im Eins-gegen-Eins nutzte Seitner immer wieder seine Routine, musste aber auch eine ganze Menge einstecken.

Während sich die Bittenfelder Deckung nach und nach stabilisierte, fehlte im Angriff der Spielfluss. Gescheite Aktionen und leichtfertige Ballverluste hielten sich die Waage. Auch scheiterte der TVB mit einigen Würfen am Neuhausener Torhüter Milos Slaby. Weil sich auch Bastian Rutschmann auf der anderen Seite in guter Form präsentierte, blieb das Spiel eng.

Glänzender Start in die zweite Hälfte

Christian Dürner brachte Neuhausen/Erms nach 24 Minuten mit 11:10 in Führung, ehe sich die Bittenfelder mit einem kleinen Zwischenspurt die 13:11-Pausenführung erspielten – und einen glänzenden Start in die zweiten 30 Minuten erwischten.

Simon Baumgarten, der am Kreis ein gutes Spiel machte, und Hauk schraubten die Führung des TVB auf vier Tore (15:11). TVN-Trainer Markus Gaugisch brachte im Tor Magnus Becker für Slaby, der keine Hand mehr an den Ball brachte.

Die Bittenfelder kontrollierten nun das Derby. Die Abwehr stand kompakt, aus dem Rückraum der Neuhausener kam viel zu wenig. Ohne den erkrankten Fabian Gutbrod fehlte dem TVN ein wurfgewaltiger Schütze. Die Last lag mehr oder weniger auf den Schultern von Martin Fiedler und Alexander Stevic, die jedoch keinen guten Tag erwischten.

Neuhausen lässt sich nicht abschütteln

Die Neuhausener kämpften jedoch verbissen in der nach wie vor sehr intensiven Partie und ließen sich nicht abschütteln. Beim TVB dagegen schienen die Kräfte nachzulassen, beim 20:20 (49.) durch Dürner schien Neuhausen bereit für den Schlussspurt.

Zu diesem jedoch rafften sich die Bittenfelder auf. TVB-Trainer Günter Schweikardt brachte wieder Rutschmann für den nach der Pause eingewechselten Daniel Sdunek und zum ersten Mal in dieser Partie überhaupt Dominik Weiß. Beide Einwechslungen erwiesen sich als Glücksgriffe: Rutschmann nagelte mit sechs Paraden in den letzten zehn Minuten sein Tor zu, und Weiß traf zweimal ganz kühl.

Binnen viereinhalb Minuten sorgten die Bittenfelder abgezockt mit fünf Treffern in Folge für die 25:20-Führung. Die Auszeit von Gaugisch brachte den TVB ebenso wenig in Gefahr wie die frühe Manndeckung vier Minuten vor dem Ende. Hauk, Jürgen Schweikardt und Marcel Lenz sicherten mit feinen Einzelleistungen – in Unterzahl – den 28:22-Sieg.

Der Bittenfelder Erfolg fiel möglicherweise ein bisschen zu hoch aus. Eindrucksvoll war der Auftritt des TVB aber allemal.

TV Neuhausen/Erms: Slaby, Becker; Emrich (6), Fiedler (3), Trost (2), Reusch, Schiller (2), Stevic, Dürner (7/4), Hackius, Michalik (2), Bader, Eisele, Oesterle.

TV Bittenfeld: Rutschmann, Sdunek; Seitner (5), Schöbinger (1), Weiß (2), Baumbach, Lenz (1), Schweikardt (2), Heib (4/4), Baumgarten (4), Wehner (3), Hauk (5), Rothe, Drobek (1).

Zu den Bilder von Heiko Potthoff