Der Regisseur abseits des Platzes

Die Familie Heib ist beim Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld gleich vierfach eingebunden: Vater Rainer arbeitet im Management, Mutter Monika leitet die Geschäftsstelle. Der jüngere Sohn Alexander zieht die Fäden auf dem Spielfeld, der ältere Sven kümmert sich um die Technik. „Man muss den Leuten mehr bieten als nur die Zeit zwischen Anpfiff und Abpfiff“, sagt er.

Natürlich hat Sven Heib (27) früher, wie sein Vater auch, Handball gespielt beim TV Bittenfeld. Und das ist noch gar nicht so lange her. In der Oberliga und BW-Oberliga stand er mit den Erstligaspielern Jens Bechtloff und Michael Schweikardt im Team. Wenn Jürgen Schweikardt, Patrick Rothe, Adrian Wehner, Jens Baumbach und Florian Schöbinger heute für den Zweitligisten auf dem Feld stehen, sitzt ihr ehemaliger Mannschaftskollege Sven Heib ein paar Etagen höher im Regieraum der Bittenfelder Gemeindehalle oder in der Porsche-Arena. Kein einziges der 66 Heimspiele in der 2. Bundesliga hat er verpasst.

Um 12 Uhr beginnt am Samstag Sven Heibs Arbeitstag

Alles, was akustisch und visuell vor und nach dem Spiel und während der 60 Minuten geschieht, liegt in den Händen Sven Heibs. Dabei steckt viel mehr dahinter, als nur mal kurz einen Musiktitel einzuspielen. „Vor einem Heimspiel bin ich rund 20 Stunden in der Woche mit der Vorbereitung beschäftigt“, sagt Heib. Den Spieltag selbst nicht eingerechnet. Da fährt er um 12 Uhr in die Gemeindehalle, baut die Anlage auf und checkt noch mal alles durch. „Wenn ein Kabel durchbrennt, kann ich noch schnell eines besorgen. Das geht eine Stunde vor dem Anpfiff nicht mehr.“

Bei einem Kontrollgang hat Heib einst festgestellt, dass der Beamer schräg hing. Ein Ausfall käme für Heib einer kleinen Katastrophe gleich. Die Videoleinwand muss funktionieren. Jeder Sponsor hat, je nach Vertrag, Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Videoclips. Heib protokolliert deshalb jede Einspielung. Er muss jedoch nicht nur die Sponsoren zufriedenstellen, sondern auch die Zuschauer. „Ihnen müssen wir mehr bieten als nur 60 Minuten Handball.“

„Schon immer“ hat sich Heib für Mediengestaltung interessiert, alles was mit Musik und Videos zu tun hat. Vor kurzem schloss er am SAE-Institut in Stuttgart sein Studium als „2D/3D-Artist“ der Medientechnik ab. Die ersten praktischen Erfahrungen sammelte er vor knapp vier Jahren. Zum Aufstieg des TV Bittenfeld in die 2. Bundesliga bastelte er zusammen mit seinem Kumpel Patrick Kamal eine 80-minütige DVD. „Aus heutiger Sicht war das natürlich laienhaft“, sagt Heib. „Aber wir haben halt ein bisschen herumprobiert.“

Mit dem Aufstieg in die 2. Liga war klar, dass der TVB auch im Umfeld professioneller arbeiten muss. „Zunächst haben wir uns Gedanken gemacht über eine Videoleinwand.“ Die installierte die Stadt Waiblingen. Damit hatten die Bittenfelder die Möglichkeit, Sponsorenvideos zu zeigen.

Wichtige Bestandteile des Rahmenprogramms sind die selbst produzierten Videos, Animationen und Tafelbilder – und die Musik, die Heib selbst zusammenstellt und auch die Programme dazu schreibt. Nicht alle jedoch in der Halle haben denselben Musikgeschmack, auch die Sensibilität ist unterschiedlich. „Manchen ist’s zu laut, anderen zu leise“, sagt Heib. Es sei nicht ganz einfach, allen gerecht zu werden. „Wir wechseln die Musikrichtung immer wieder.“ Auch die Einlaufzeremonie – eine Kombination aus Musik, Video und Lichteffekten – gestaltet Heib in Zusammenarbeit mit Ingo Rossmann von der Remshaldener Firma FPC, welche die Lichtanlage stellt.

Während des Spiels sitzt Heib, zusammen mit zwei Helfern, hoch oben im Regieraum der Gemeindehalle. Über zwei Laptops und einen Videomischer wird die Anlage gesteuert, kilometerweise Kabel wurden verlegt. „Wir haben in allen Bereichen aufgeholt, technisch sind wir auf einem guten Zweitliga-Niveau.“ Noch eine Spur professioneller kann Heib in der Stuttgarter Porsche-Arena arbeiten. „Das macht natürlich riesig Spaß.“ Die technischen Voraussetzungen sind besser, was Heib viele Möglichkeiten eröffnet – aber auch einen größeren Zeitaufwand mit sich bringt. In den zwei Wochen vor dem Spiel beschäftigt er sich ausschließlich mit der Arena.

Pannen darf sich der TVB vor 6000 Fans nicht leisten

Die Halbzeitshow muss organisiert werden, mit Hallensprecher Jens Zimmermann und Marketing- und Vertriebschef Jürgen Schweikardt bespricht Heib den Ablaufplan. Größere Pannen vor 6000 Zuschauern kann sich der TVB nicht leisten. Eine kleine gab’s in einem der ersten Spiele: Auf dem Videowürfel blendete Heib die Namen der Torschützen als Vollbild ein. Erst im Nachhinein erfuhren die Bittenfelder, dass dies nicht erlaubt war: Der Spielstand muss ständig sichtbar sein. Mittlerweile hat Heib ein Programm entwickelt, dabei läuft jeder Torschütze als sogenannte „Bauchbinde“ am unteren Rand des Würfels durch. Ähnliches plant Heib für die nächste Saison in der Gemeindehalle.

Immer wieder denkt sich Heib etwas Neues aus. Eine Idee für die neue Spielzeit hat er schon, will sie aber noch nicht verraten. „Ich bin noch nicht ganz zufrieden.“

Bei allem, was Heib anpackt, hat er stets das „Gesamtprodukt TV Bittenfeld“ im Blick, zu dem auch der Internetauftritt gehört. Als Webmaster ist Heib seit gut einem Jahr auch dafür verantwortlich. Aktualität und eine gute inhaltliche Mischung – mit Fotogalerien und Videos von den Spielen – sind ihm wichtig.

Für viele Fans gehöre der Click auf die Homepage am Montag zum Pflichtprogramm. „TVB 1898 und Wild Boys – das muss für die Leute ein Begriff sein.“