Vom Gejagten zum Jäger

Nichts ist es geworden mit den erhofften zwei Punkten Vorsprung für den Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld. Die Konkurrenten um Platz zwei sind zwei Punkte und einen Punkt im Vorteil. „Vielleicht kommen wir mit unserer Rolle nicht zurecht, vielleicht sind wir noch nicht so weit“, sagte TVB-Trainer Günter Schweikardt zwei Tage nach der Niederlage gegen den TV Hüttenberg.

Die Bittenfelder hatten sich alles so schön ausgemalt: Sie schlagen Hüttenberg, tags darauf unterliegt der Bergische HC beim souveränen Spitzenreiter TSG Friesenheim. Die Ausgangsposition im Kampf um den Aufstiegsplatz hätte sich bei dann zwei und drei Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz schlagartig verbessert.

Dieser Traum ist nun gleich in zweifacher Hinsicht geplatzt. War der Frust bei den Bittenfeldern nach der 26:27-Niederlage am Samstag schon erheblich, wurden die Gesichter am Sonntagabend noch länger. Der Bergische HC schaffte es doch tatsächlich, den Friesenheimern die erste Heimniederlage seit Dezember 2008 zuzufügen. Damit musste der TVB nicht nur die Hüttenberg vorbeiziehen lassen, sondern auch die Löwen.

Das schmeckt TVB-Trainer Günter Schweikardt natürlich überhaupt nicht. Auch zwei Tage nach der Niederlage ärgert er sich noch über die „unterirdische“ Abwehrleistung seiner Mannschaft in den ersten 30 Minuten. „Ich muss meinen Spielern auch den Vorwurf machen, dass sie von Beginn an nicht an die Belastungsgrenze gegangen sind.“ Wobei er auch Gutes gesehen hat. So habe Patrick Rothe eine ordentliche Partie gemacht, und die Aufholjagd sei aller Ehren wert gewesen. „Wir hatten ein paar tolle Aktionen im Spiel.“

Auch das Trainerteam selbst spricht er nicht frei von Schuld an der Niederlage, vielleicht sei die eine oder andere taktische Maßnahme angebracht gewesen. Beispielsweise den Hüttenberger Spielgestalter Sven Pausch in kurze Deckung zu nehmen. „Wir haben es gemeinsam nicht hinbekommen.“

Nicht ganz unbeteiligt daran waren die Schiedsrichter Harald Schembs und Markus Weyell, die einige strittige Aktionen zum Nachteil der Bittenfelder auslegten. „Ärgerlich war’s, dass die ausgerechnet in der Schlussphase passierten“, sagt Schweikardt.

Schöbinger und Hauk ärgern sich über die Schiedsrichter

So schwor Florian Schöbinger Stein und Bein, dass seine Angriffsaktion drei Minuten vor Schluss beim 24:25 regelkonform war. Die Unparteiischen entschieden auf falsche Sperre, im Gegenzug erzielte Hüttenberg das vorentscheidende 24:26. Zuvor bereits hatten Schembs/Weyell dem Bittenfelder Rechtsaußen einen Kreisübertritt und ein Stürmerfoul abgepfiffen.

„Es ist schon ungewöhnlich, dass Schiedsrichter in so einer Phase gegen den Angreifer pfeifen“, sagte Hauk. „Verstanden habe ich das nicht.“ Alleine an den fragwürdigen Entscheidungen der Schiedsrichter will er die Niederlage aber nicht festmachen. „Wenn wir in der Abwehr von Anfang an so gespielt hätten wie in der Schlussphase, wär’s auf meine beiden möglichen Tore nicht angekommen.“ Hauk glaubt allerdings nicht, dass die Niederlage dem TVB einen Knacks versetzen wird. „Dafür haben wir eine zu gute Runde gespielt.“ Außerdem kann er sich nicht vorstellen, dass die Konkurrenten nun locker alle Spiele durchziehen. „Es wird noch interessante Ergebnisse geben.“

Davon ist auch sein Trainer überzeugt. Er sieht die Mannschaften an der Spitze auf Augenhöhe. „In vielen Fällen entscheiden ein paar Aktionen über Sieg und Niederlage und nicht die bessere oder schlechtere Taktik“, sagt Günter Schweikardt. „Aber natürlich auch die Nerven.“

Und mit denen war’s bei den Bittenfeldern zuletzt nicht allzu gut bestellt. Am Donnerstag schon steht die nächste Bewährungsprobe beim TV Leichlingen an. Der steht als Vorletzter genauso unter Druck wie der TVB.