„Den letzten Wurf hätte ich reinmachen müssen“

Eher selten bekommen die Handball-Fans derzeit den Junioren-Weltmeister Kai Häfner (20) in Aktion zu sehen. Beim Topspiel der 2. Bundesliga in der Porsche-Arena hatte Häfner großen Anteil am 22:22 des TV Bittenfeld gegen den Bergischen HC. Die Krönung indes blieb Häfner verwehrt. Den letzten Wurf zum möglichen Siegtreffer „hätte ich irgendwie reinmachen müssen“.

Zwei Minuten waren in der Porsche-Arena am Freitag noch zu spielen. Sebastian Seitner hatte eben unter dem ohrenbetäubenden Lärm der 6000 Fans den 22:22-Ausgleich für den TVB erzielt. Im nächsten Angriff verlor der Bergische HC den Ball. Kai Häfner machte sich, verfolgt und behindert von Mathias Fuchs, alleine auf den Weg Richtung Gästetor – und scheiterte am überragenden Torhüter Jan Stochl. Nichts war’s mit dem 23:22, das vielleicht den Sieg für den TVB bedeutet hätte.

Ungewöhnlich: Häfner als Siebenmeterschütze

„Den hätte ich schon gerne reingemacht und auch irgendwie machen müssen“, sagte Kai Häfner gestern. Trotz der verpassten Siegchance denkt der 20-Jährige gerne an seinen ersten Auftritt für den TV Bittenfeld seit dem 28. November vergangenen Jahres – beim 33:23 gegen Obernburg – zurück. „Es war ein geiles Spiel, die Stimmung in der Porsche-Arena war super. Es hat riesig Spaß gemacht.“

Mit fünf Toren war Häfner nicht nur erfolgreichster Torschütze des TVB, sondern auch einer der wichtigsten und auffälligsten Spieler. Am Freitag musste er sogar eine ganz ungewöhnliche Aufgabe übernehmen: Jürgen Schweikardt und Alexander Heib waren mit drei Siebenmetern an den Löwen-Torhütern Jan Stochl und Mario Huhnstock gescheitert. Der dritte Schütze, Florian Schöbinger, saß eine Sperre ab. Also übernahm der Junioren-Weltmeister die Verantwortung und traf souverän zum wichtigen 13:15 nach dem 10:15-Halbzeitrückstand. „Es zeichnet uns aus, dass wir auch nach einem großen Rückstand zurückkommen“, sagte Häfner. „Die Halle hat uns dabei natürlich auch sehr geholfen.“

Neun Spiele in Folge fehlte der mit Zweifachspielrecht beim Erstligisten FA Göppingen ausgestattete Häfner den Bittenfeldern. Göppingen hat Erstzugriffsrecht, und Trainer Velimir Petkovic wollte seit November nicht auf Häfner verzichten. Hinter Nationalspieler Christian Schöne ist der 20-Jährige auf Rechtsaußen zweiter Mann, die Einsatzzeiten indes haben sich in Grenzen gehalten. Den 31:24-Sieg der Göppinger gegen die HSG Wetzlar am Samstag verfolgte Häfner wieder einmal komplett von der Bank aus.

Wie oft Kai Häfner in den letzten zehn Zweitligaspielen im Bittenfelder Trikot auflaufen wird, ist noch nicht abzusehen. Fünf Termine der Bittenfelder überschneiden sich nicht mit Göppinger Spielen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig einen Einsatz der Linkshänders für den TVB. „Für Göppingen geht’s in den nächsten Wochen mit Bundesliga und IHF-Pokal hart zur Sache“, sagt Häfner. Was so viel bedeutet wie: Göppingen braucht seinen kompletten Kader. „Wenn es sich aber irgendwie machen lässt, würde ich sehr gerne wieder für Bittenfeld spielen.“

Der TVB könnte Häfner in der Form von Freitag jedenfalls gut gebrauchen.