Die Arena soll zum Löwen-Käfig werden

Es ist der Knaller des 23. Spieltags in der 2. Handball-Bundesliga: Morgen erwartet der Zweite TV Bittenfeld den Dritten Bergischer HC. Mindestens 5500 Fans sollen den TVB zum ersten Heimsieg gegen die Löwen brüllen. Ein Erfolg hievte Bittenfeld im Kampf um den Relegationsplatz in eine glänzende Ausgangsposition. Nach langer Zeit wird Kai Häfner wieder dabei sein. TV Bittenfeld (2. Platz, 32:14 Punkte) – Bergischer HC (3. Platz, 31:15 Punkte/Freitag, 20 Uhr, Porsche-Arena Stuttgart).

Es ist das vierte Porsche-Arena-Spiel des TV Bittenfeld in dieser Saison und das zwölfte insgesamt, seit der TVB der 2. Bundesliga angehört. Die Tabellenkonstellation indes war noch nie so brisant. Bei einem Sieg hätte der TVB als Tabellenzweiter drei Punkte Vorsprung auf den BHC und sich damit eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die restlichen zehn Spiele geschaffen. Andererseits: Selbst eine Niederlage bedeutete keine Vorentscheidung bei dann einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz.

Der Sieger nimmt den psychologischen Vorteil mit

Günter Schweikardt ist normalerweise keiner, der die Bedeutung von Spielen unterstreicht. Die Partie morgen indes ist für ihn „absolut richtungsweisend“. Platz zwei stehe auf dem Spiel. Und das sage schon alles über die Bedeutung des Spiels. Für Schweikardt geht’s allerdings nicht nur um die Punkte. „Der Sieger wird ungemein viel Selbstbewusstsein mitnehmen für den Rest der Saison.“

Der Bergische HC war als großer Aufstiegsfavorit in die Saison gestartet und wurde mit 8:2 Punkten zunächst seiner Rolle gerecht. Die überraschende 35:43-Heimniederlage am siebten Spieltag gegen den TV Bittenfeld brachte die Löwen ziemlich aus der Spur. Sie verloren in Saarlouis, Korschenbroich und Aue. Trainer Raimo Wilde musste gehen. Nachfolger wurde Hans-Dieter „HaDe“ Schmitz, ehemaliger Meistertrainer und Sportdirektor bei TUSEM Essen.

10:2 Punkte holte der BHC unter Schmitz’ Leitung, im Viertelfinale des DHB-Pokals scheiterte er beim 22:26 knapp am Erstligisten TuS Nettelstedt-Lübbecke. „Da hat der BHC ein Riesenspiel gemacht“, sagt Schweikardt. „Man hat gesehen, welches Potenzial die Mannschaft hat.“ Ganz frei von Schwächen seien die Löwen allerdings nicht, wie die 26:27-Niederlage beim TV Neuhausen/Erms gezeigt habe. Dass die Löwen gegen TUSEM Essen beim 24:22 erhebliche Probleme hatten, ist für Schweikardt weniger von Bedeutung. „Da steckte eine besondere Brisanz drin.“

Im vierten Jahr seines Bestehens hat der Bergische HC, entstanden aus den Erstligaclubs Wuppertal und Solingen, ein eindeutiges Ziel ausgegeben: die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Dafür hat der Verein kräftig investiert. Bereits zur Winterpause der vergangenen Saison kamen der Norweger Kenneth Klev (VfL Gummersbach) und der Holländer Joey Duin (TSV Dormagen). Zur aktuellen Runde verstärkte sich der Bittenfelder Gegner mit dem Norweger Kristoffer Kleven Moen. Alle drei sind Nationalspieler ihres Landes, Moen bringt Champions-League-Erfahrung mit.

Wer ist besser: Rutschmann/Sdunek oder Stochl/Huhnstock?

Vom Erstligisten TSV Dormagen kam Junioren-Nationalspieler Tim Henkel, vom Nord-Zweitligisten Ahlen der tschechische Nationaltorhüter Jan Stochl. Dessen Bruder Petr spielt beim Erstligisten Füchse Berlin.

Somit ist der Bergische HC auf sämtlichen Position doppelt und gleich gut besetzt. Die meisten Spieler haben langjährige Zweitligaerfahrung. Überragend besetzt ist für Schweikardt der Rückraum mit Klev, dem 65-fachen tschechischen Nationalspieler Jiri Vitek sowie Moen und Matthias Fuchs auf der Spielmacherposition. Auf den Außenpositionen hat Schmitz die Wahl zwischen Christian Hoße und Jens-Peter Reinarz links sowie Tim Henkel und Simon Kluge auf der anderen Seite. Gefährlich ist das Kreisspiel über Henning Quade und Sebastian Hinze. Sehr beweglich und robust agiere die 6:0-Deckung der Löwen. „Da wird es schwer sein, Tore zu erzielen.“ Andererseits machte auch die Bittenfelder Abwehr zuletzt einen sehr starken Eindruck. Besonders bedeutend ist für Schweikardt, wer das Torhüterduell gewinnen wird. Jan Stochl und Junioren-Nationalspieler Mario Huhnstock beim BHC oder Bastian Rutschmann und Daniel Sdunek beim TVB. „Ich hoffe, wir haben das bessere Pärchen.“ Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg seien die Zuschauer, sagt Schweikardt. „Sie haben uns immer gut unterstützt, diesmal brauchen wir sie aber noch dringender.“

Die Bittenfelder Fans dürfen sich auf einen Spieler freuen, den sie in dieser Saison eher selten zu Gesicht bekommen haben: Kai Häfner hat vom Erstligisten FA Göppingen freibekommen und wird von seinem Zweifachspielrecht Gebrauch machen. Damit hat der TVB mit Marco Hauk, Sebastian Seitner, Patrick Rothe und Kai Häfner gleich vier Linkshänder im Team und deutlich mehr Alternativen. Fehlen wird nach wie vor Florian Schöbinger, der seine Sperre aus dem Aue-Spiel absitzen muss und erst im nächsten Heimspiel gegen Hüttenberg wieder mitwirken darf. Leicht angeschlagen ist Dominik Weiß. Der Rückraumspieler hat sich im Training an der Kapsel des Daumens verletzt. Günter Schweikardt geht aber davon aus, dass Weiß auflaufen wird.