Baumbach fordert „totale Präsenz“

Den Sprung auf Platz zwei in der 2. Handball-Bundesliga hatten dem TV Bittenfeld nur wenige zugetraut. Spielt der TVB am Ende womöglich um den Aufstieg in die 1. Liga? So weit ist es noch längst nicht, schließlich liegen noch zwölf Stolpersteine im Weg. Morgen geht’s zur TSG Groß-Bieberau, bei der die Bittenfelder im Vorjahr furchtbar unter die Räder kamen. TSG Groß-Bieberau (14. Platz, 18:26 Punkte) – TV Bittenfeld (2. Platz, 30:14 Punkte/Samstag, 18.30 Uhr).

So spannend ging’s in der 2. Bundesliga Süd seit Jahren nicht mehr zu. Kein Spieltag vergeht ohne größere Überraschungen. Einzig die TSG Friesenheim scheint unbeeindruckt, hat sie doch ihren Vorsprung an der Tabellenspitze auf komfortable fünf Punkte ausgebaut.

Doch wer wird die Chance bekommen, die „Eulen“ in die 1. Liga zu begleiten? Zwölf Spiele vor Schluss haben gleich fünf Mannschaften gute Aussichten auf den Relegationsplatz: TV Bittenfeld, Bergischer HC, TV Hüttenberg, TV Neuhausen/Erms und HC Erlangen. Vier Punkte trennen diese Mannschaften.

Mathias Konrad traf in zwei Spielen 21-mal

Die Frage, wer den leichtesten Restspielplan und damit die besten Chancen hat, muss im Grunde nicht gestellt werden. Zu gering sind die Leistungsunterschiede – auch zu den Mannschaften hinter dem Quintett. Der TV Bittenfeld hat jedenfalls den Vorteil, dass er mit dem Bergischen HC und dem TV Hüttenberg noch in diesem Monat die vermeintlich härtesten Konkurrenten in eigener Halle erwartet. Diesen beiden Spielen fiebern die Bittenfelder natürlich entgegen. Dazwischen indes liegen zwei möglicherweise unangenehme Auswärtspartien bei der TSG Groß-Bieberau und der HSG Frankfurt Rhein-Main.

Die Erinnerungen an die TSG Groß-Bieberau, den Gegner morgen, sind nicht allzu gut. Im Hinspiel hatte der TVB in der Porsche-Arena allergrößte Mühe, mit 30:28 die Punkte zu behalten. In der vergangenen Saison kehrten die Bittenfelder mit einer 20:36-Schlappe vom Auswärtsspiel zurück. Sie werden sich also nicht davon täuschen lassen, dass die TSG momentan nur drei Punkte Vorsprung hat auf den Abstiegs-Relegationsplatz.

Zumal sich der Gegner nach 1:13 Punkten in Folge Ende des vergangenen Jahres wieder berappelt hat. Zuletzt gab’s nach überzeugenden Leistungen 5:1 Punkte gegen die direkten Abstiegskonkurrenten. Besonders in den Mittelpunkt gerückt ist dabei Mathias Konrad: Beim 38:33 gegen Oberburg traf er achtmal. Beim 28:27 in Essen warf er 13 Tore – bei 15 Wurfversuchen.

Dabei hatte Konrad im linken Rückraum lange Zeit im Schatten von Dennis Rybakov gestanden. Doch als sich der erfolgreichste Torschütze der TSG Anfang des Jahres das Schienbein und den Fuß brach, nutzte der 27-Jährige seine Chance. „Er ist ein echter Shooter und kann auch über den Block werfen“, sagt der Bittenfelder Co-Trainer Jens Baumbach. „Deshalb müssen wir ihn früh stören.“ Doch nicht nur auf Konrad müssen die Bittenfelder achten. Der erstligaerfahrene Ungar Szabolcs Laurencz im rechten Rückraum, Alexej Rybakov am Kreis und der mit Zweifachspielrecht beim Erstligisten TV Großwallstadt ausgestattete Rechtsaußen Felix Kossler sind sehr gute Spieler. Auf Linksaußen bietet die TSG den Junioren-Nationalspieler Maximilian Schubert auf, im Tor steht der erfahrene Felix Beck.

Für die Bittenfelder bedeutete der fünfte Auswärtssieg im zwölften Spiel nicht nur die Verteidigung des zweiten Platzes. Damit wäre der Boden bereitet für ein echtes Top-Spiel heute in einer Woche: Die Porsche-Arena dürfte aus allen Nähten platzen, wenn der Zweite TV Bittenfeld den Dritten Bergischer HC erwartet. Für den TVB wär’s dringend an der Zeit für den ersten Heimsieg gegen den BHC.

An die Porsche-Arena denkt Jens Baumbach noch nicht. Er hat großen Respekt vor Groß-Bieberau. „Wenn wir nicht von der ersten Minute an präsent sind, könnte es ausgehen wie in Aue“, sagt er. Dort erwischte der TVB – wie schon gegen Delitzsch im Spiel davor und gegen Erlangen – einen miserablen Start. Groß-Bieberau spiele lange Angriffe und 60 Minuten lang sehr diszipliniert, sagt Baumbach. „Wenn der Gegner Fehler macht, nutzt das die TSG eiskalt aus.“ Baumbach will den zweiten Platz unter allen Umständen verteidigen. „Darum haben wir so lange gekämpft“, sagt er. „Als Zweiter macht’s noch mehr Spaß.“ Für Baumbach ist die Partie morgen „schon ein kleines Schlüsselspiel“. Wenn eine Mannschaft solche Spiele für sich entscheide, könne dies am Ende den Unterschied ausmachen. „Nicht nur die Spiele gegen die direkten Konkurrenten.“

Es fehlt der gesperrte Florian Schöbinger.