H 43 Lund oder Lugi HF statt TV Bittenfeld

Florian Schöbingers Gegner in der nächsten Saison werden nicht HSG Frankfurt, SG BBM Bietigheim oder TUSEM Essen heißen, sondern IFK Kristianstad, HK Malmö oder OV Helsingborg. Der 23-Jährige vom Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld wird von August an für ein knappes Jahr im schwedischen Lund Betriebswirtschaft studieren und dort auch Handball spielen.

Vergleichsweise groß sein wird die Fluktuation beim TV Bittenfeld zur nächsten Saison. Dass durch die Abgänge von Sebastian Seitner (SV Stuttgarter Kickers) und Marco Hauk (TSG Friesenheim) die rechte Seite wegbricht, trifft die Bittenfelder hart. Das Fehlen von Florian Schöbinger indes könnte die Bittenfelder mindestens genauso schmerzen. Wie wertvoll der Allrounder für den TVB ist, zeigte er vorige Woche in der Porsche-Arena beim Sieg gegen Delitzsch.

Die Arena ist ein gutes Stichwort für den 23-Jährigen. „Gerade nach solchen Spielen macht man sich natürlich seine Gedanken“, sagt er. „Es ist schade, dass ich das in der nächsten Saison nicht erleben kann.“ Andererseits: Es ist nur ein Abschied auf Zeit. „So ein Jahr ist ja schnell vorbei.“

Auf ein Auslandssemester kann ein Student kaum verzichten

Für Schöbinger ist’s müßig, darüber zu sinnieren, ob der Zeitpunkt des Auslandssemesters der richtige ist. Sicher, in der nächsten Saison hat der TVB mit der Qualifikation für die eingleisige Zweite Bundesliga ein großes Ziel. „Wenn man unsere Abgänge sieht, wäre ich besser hiergeblieben.“ Allerdings müsse er auch ein Stück weit an sich denken. „Ich muss Prioritäten setzen und an die Zeit nach dem Sport denken.“

Seit eineinhalb Jahren studiert Schöbinger in Stuttgart Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsingenieur. Ein Auslandssemester ist zwar nicht vorgeschrieben, „aber heutzutage kann man darauf eigentlich kaum mehr verzichten“.

Also hat sich Schöbinger nach einem Studienplatz umgesehen. In einem europäischen Land, in dem – auch – englisch gesprochen wird. Zweite Bedingung: Es musste hochklassigen Handball geben, schließlich will Schöbinger nicht aus dem Tritt kommen. „Und da bleiben im Grunde nur die skandinavischen Länder.“

Beispielsweise Schweden. Ganz im Süden, in der knapp 80 000-Einwohner-Stadt Lund, hat’s geklappt mit der Bewerbung. Mehr als ein Drittel der Einwohner von Lund studiert. Für den Bittenfelder war klar, dass er zuschlagen muss. „Wer weiß, ob ich so eine Chance noch einmal kriege?“, sagt er. „Außerdem passt der Zeitpunkt, weil ich ungebunden bin.“

Großer Vorteil für den Handballer ist, dass in der Stadt gleich zwei Erstligisten ansässig sind: H 43 Lund und Lugi HF. Schöbinger ist guter Dinge, dass er bei einem der beiden Clubs unterkommen wird. Vorderes Zweitliganiveau attestiert er der ersten schwedischen Liga. „Ich denke schon, dass ich da mitspielen kann.“

Im August geht’s los, die Vorbereitungen laufen bereits: Schöbinger hat sich an der Uni in Stuttgart zu einem Schwedisch-Sprachkurs angemeldet. „Ein bisschen verständigen möchte ich mich schon.“

Derweil genießt er die „überragende“ Situation beim TVB, für die Schöbinger mehrere Erklärungen hat. „Wir sind eingespielt, spielen abgezockter als früher, haben viel Selbstvertrauen, unser Torhütergespann ist Ligaspitze. Und wir sind schwer auszurechnen.“ Platz drei sei ein hervorragendes Ergebnis. Allerdings keines, mit dem sich Florian Schöbinger zufriedengeben will. „Friesenheim scheint recht stabil zu sein“, sagt er. Im Kampf um Platz zwei sieht er sein Team nicht gerade in der ungünstigsten Position. „Außerdem muss man sich ja neue Ziele setzen.“