„Wir lassen uns nicht verrückt machen“

Durch den Sieg beim TV Korschenbroich und die Niederlage des TV Hüttenberg in Bietigheim ist der TV Bittenfeld in der 2. Handball-Bundesliga bis auf zwei Punkte an den Relegationsplatz herangerückt. „Wir sind auf Schlagdistanz“, sagt TVB-Torhüter Daniel Sdunek. „Wir lassen uns aber nicht von anderen verrückt machen.“

Nur 630 Zuschauer finden in der Waldsporthalle in Korschenbroich Platz. Warum die Heimspielstätte des Aufsteigers mitunter auch als „Waldsporthölle“ tituliert wird, bekamen die Bittenfelder am Freitag zu spüren: Die Fans peitschten ihre Mannschaft nach vorne, der Geräuschpegel war enorm. Der TVB indes blieb in einem heißen Match kühl. Mit einem Tor führte er in der letzten Spielminute, als Torhüter Daniel Sdunek den Ausgleich verhinderte und Simon Baumgarten Sekunden vor dem Ende mit dem 30:28 alles klar machte.

Während die Bittenfelder ein Freudentänzchen aufführten, zürnte ein Korschenbroicher ganz besonders. Jörn Ilper erhielt zwei Minuten vor dem Ende, die Bittenfelder führten mit 28:27, seine zweite Zeitstrafe aufgebrummt – und hatte die Sündenböcke für die Niederlage rasch gefunden. „Es war ein Spiel zweier sehr guter Zweitligamannschaften“, sagte der Kreisläufer. „Die Einzigen, die das Niveau nicht hatten, waren die Schiedsrichter.“

Rutschmann/Sdunek stellten Leclaire/Bauer in den Schatten

Der Routinier des Aufsteigers fand aber auch noch einen anderen Grund für die Niederlage. „Beim TV Bittenfeld spielt das beste Torhütergespann der Liga, und die Torhüterquote ist immer entscheidend.“

Bastian Rutschmann und Daniel Sdunek stachen ihre Gegenüber, Marcel Leclaire und den österreichischen Nationaltorhüter Thomas Bauer, deutlich aus. Von diesem Vorteil profitierte der Tabellendritte zum wiederholten Mal.

Sdunek hatte in Korschenbroich zwar deutlich weniger Spielanteile als Rutschmann. Doch als er aufs Feld kam, glänzte er. Wie in vielen Spielen in dieser Saison. „Da hat er seine Klasse gezeigt“, sagte TVB-Trainer Günter Schweikardt. Zuvor waren die Korschenbroicher, wie schon die Friesenheimer an Weihnachten, an Rutschmann verzweifelt.

„Sicher hatten wir die etwas besseren Torhüterleistungen“, sagt Daniel Sdunek. „Daran alleine lag’s aber nicht, dass wir gewonnen haben.“ Große Stärke des Teams sei derzeit, dass es in schwierigen Situationen die Nerven behalte. „In der Schlussphase haben wir auch unter angezeigtem Zeitspiel nicht die Nerven verloren und die Tore ruhig herausgespielt.“ Mitentscheidend sei auch das kluge und erfolgreiche Unterzahlspiel gewesen. „Wir waren auf die Deckungsvariante der Korschenbroicher gut vorbereitet und haben die Abwehr prima ausgehebelt.“ Fünf Treffer gelangen dem TVB mit einem Spieler weniger auf dem Feld.

Für Daniel Sdunek war dieser Auftaktsieg bei der Überraschungsmannschaft der Hinrunde ungemein wichtig. „Hier wird noch so manche Mannschaft Probleme bekommen.“ Der 30-Jährige ist sich sicher, dass der Erfolg dem TVB einen Schub geben wird. „Allerdings ist er wertlos, wenn wir gegen Delitzsch nicht gewinnen.“

Bittenfeld kann am Freitag auf Platz zwei vorrücken

Weil der bisherige Tabellenführer TV Hüttenberg in Bietigheim mit 28:33 strauchelte, übernahm die TSG Friesenheim durch ihren 35:27-Erfolg gegen Saarlouis die Tabellenspitze vor den Hüttenbergern. Schon am Freitagabend könnte sich an der Konstellation erneut etwas ändern: Gewinnt der TVB gegen Delitzsch und unterliegt Hüttenberg zeitgleich bei den offensichtlich erstarkten Leichlingern, rückte Bittenfeld aufgrund des besseren Torverhältnisses auf den Relegationsplatz vor. Das sind keine schlechten Aussichten und gibt den Träumen neue Nahrung. Zumal die Hüttenberger ein happiges Rückrundenprogramm haben: Sie müssen unter anderem beim TV Bittenfeld, bei Spitzenreiter Friesenheim und beim Tabellenvierten Bergischer HC antreten.

Für Daniel Sdunek indes ist’s noch viel zu früh, ganz nach vorne zu schauen. „Natürlich sind wir jetzt auf Schlagdistanz zu den ersten beiden Plätzen.“ Andererseits dürfe sich der TVB keine längere Schwächeperiode leisten, wolle er dranbleiben. „Ich denke, wir sollten am 30. Spieltag mal schauen, wo wir stehen.“