Keine Pläne, aber längst nicht planlos

Die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld sind in die vierwöchige Vorbereitung auf die Rückrunde gestartet. Ist der Tabellendritte in der Lage, in den Aufstiegskampf einzugreifen? „Wir wollen so lange wie möglich dranbleiben“, sagt Trainer Schweikardt. Pläne für die 1. Liga gebe es nicht. „Das heißt nicht, dass wir planlos sind. Und wir nehmen jede Herausforderung an.“

Halbzeit in der 2. Handball-Bundesliga. Während der Europameisterschaft in Österreich ruht der Spielbetrieb für sechs Wochen, die meisten Mannschaften haben jedoch den Trainingsbetrieb mittlerweile wieder aufgenommen. Zwei Wochen gab Günter Schweikardt seinen Spielern nach Weihnachten frei. „Die Saison bis Ende Mai ist lang“, sagt der Trainer. „Die Spieler brauchten dringend eine Pause.“ Nicht nur die angeschlagenen Spieler wie Torhüter Bastian Rutschmann, Jürgen Schweikardt oder Florian Schöbinger.

12:24 Punkte im Vorjahr, jetzt 24:12

Knapp vier Wochen bleiben dem TV Bittenfeld zur Vorbereitung. „Wir werden so intensiv wie möglich arbeiten, mit drei bis vier Trainingsspielen“, sagt Günter Schweikardt, der zufrieden auf die Hinserie zurückblickt. Einzig der Innenbandriss von Simon Baumgarten trübt etwas die Stimmung in Bittenfeld. Der Kreisläufer wird vermutlich im ersten Spiel am 5. Februar in Korschenbroich fehlen.

Vor vier Monaten war der TVB mit einem Remis beim Vorjahreszweiten und Titelkandidaten TSG Friesenheim in seine vierte Zweitligasaison gestartet. Der souveräne 31:25-Sieg im Rückspiel am zweiten Weihnachtsfeiertag in der ausverkauften Porsche-Arena war das Sahnehäubchen auf das überaus erfolgreiche Jahr 2009.

In der vergangenen Saison hatten die Bittenfelder zur Winterpause bei 12:24 Punkten große Abstiegssorgen, nun überwintern sie mit 24:12 Punkten auf Platz drei. Die Tabellenspitze und damit die Aufstiegsplätze sind in Sichtweite. Vier Punkte auf Platz eins und drei auf den Relegationsplatz sind nicht die Welt – und wecken beim einen oder anderen möglicherweise Lust auf mehr. Andererseits: Bei zwei oder drei Niederlagen in Folge fände sich der TVB im Mittelfeld wieder. „Wir wissen, was uns in der Rückrunde erwartet“, sagt Schweikardt. „Und wir bleiben realistisch.“ Um ganz nach vorne zu kommen, muss der TVB zwei, drei Spiele mehr als die Konkurrenz gewinnen. „Außerdem nehmen uns unsere Gegner mittlerweile ganz anders wahr. Andererseits wissen wir, dass wir gegen jeden bestehen können.“

Die Planungen sind für die eingleisige 2. Liga ausgelegt

Drei Punkte knöpfte der TVB beispielsweise dem Tabellenzweiten TSG Friesenheim ab, beim Titelkandidaten Bergischer HC setzte sich Bittenfeld mit 43:35 durch. Das Rückrundenprogramm spricht zumindest nicht gegen den TVB: Der Tabellenführer TV Hüttenberg muss in der Gemeindehalle antreten, der Bergische HC kommt am 12. März in die Porsche-Arena. Ein kleiner Nachteil für den TVB könnte sein, dass er ein Heimspiel weniger hat als der BHC und Friesenheim.

Ganz so abwegig ist’s also nicht, dass die Bittenfelder im Kampf um den Aufstieg eine Rolle spielen werden. Günter Schweikardt gibt sich gewohnt zurückhaltend. „Es kommt, wie’s kommt“, sagt er. Im Falle eines Falles werde der TVB aber nicht „völlig planlos“ dastehen. „Wir arbeiten derzeit sowieso mit Hochdruck an den Strukturen, um in der eingleisigen 2. Liga bestehen zu können. Wir werden also so oder so nicht bei Null anfangen.“

Will sich der TVB für die eingleisige 2. Liga qualifizieren, muss er nicht nur im Sponsoring zulegen. Geregelt werden müssen auch die Personalien. „Natürlich wollen wir unseren Kader zusammenhalten“, sagt Schweikardt. Was vermutlich nicht einfach werden wird. „Wenn ein Spieler gut spielt, gerät er automatisch in den Fokus.“ Derzeit würden Gespräche mit den Spielern geführt, definitiv sei noch nichts.

Überhaupt nichts hält Schweikardt davon, den Kader nach jeder Saison mehr oder weniger komplett auszutauschen, wie’s oft üblich sei. „Die Vereine sollten besser ihre eigenen Spieler weiterentwickeln.“ Der TVB ist gut damit gefahren, und so will’s Schweikardt auch in den nächsten Jahren halten.

Ausschließlich mit eigenen Spielern, das weiß auch Schweikardt, geht’s freilich auf diesem Niveau nicht. Bei der Suche nach Verstärkungen will Schweikardt aber seinem Motto treu bleiben. „Wir wollen Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren.“ Nur so könne ein kleiner Verein wie der TVB in der eingleisigen 2. Liga bestehen. Die bleibt das große Ziel – ungeachtet der aktuellen Aufstiegschancen. Jeweils die ersten neun Mannschaften der 2. Liga Nord und Süd qualifizieren sich in der nächsten Spielzeit für die 18 Teams umfassende eingleisige 2. Liga. „Sollten wir das schaffen, wäre das für uns ein weiterer Aufstieg“, sagt Schweikardt. „Darauf könnten wir stolz sein.“