Erster Punktverlust nach einem „gebrauchten Tag“

Im achten Heimspiel der Saison hat Handball-Zweitligist TV Bittenfeld beim 34:34 (13:15) gegen den Aufsteiger HG Saarlouis seinen ersten Punkt eingebüßt. 50 Minuten lief der TVB einem Rückstand hinterher, drehte dann das Spiel – und gab in den letzten fünf Minuten einen Drei-Tore-Vorsprung aus der Hand. Trost nach einer spielerisch durchwachsenen Leistung: Der TVB verteidigte seinen dritten Platz.

Die Bittenfelder beendeten das Kalenderjahr 2009 ohne Niederlage in der heimischen Gemeindehalle. Torhüter Bastian Rutschmann präsentierte sich in seinem zweiten Spiel nach seiner Verletzungspause fast wieder in alter Form. Kämpferisch ist nichts auszusetzen beim TVB.

Das indes war’s auch im Grunde schon an Positivem aus dem letzten Hinrundenspiel der Bittenfelder, das von Beginn an überhaupt nicht nach deren Geschmack lief. „Es war ein gebrauchter Tag“, sagte Torhüter Daniel Sdunek nach dem Spiel.

Personell sah’s vor dem Spiel nicht allzu gut aus beim TVB. Jürgen Schweikardt war durch eine Ellbogenverletzung gehandicapt, Florian Schöbinger spielte mit einer Bänderverletzung. Überhaupt nicht dabei war Simon Baumgarten: Der zuletzt so starke Kreisläufer zog sich im Abschlusstraining eine Muskelverletzung im Gesäß zu. Und nach 18 Minuten war die Partie für Adrian Wehner beendet – dummerweise wegen eines formalen Fehlers der Bittenfelder Mannschaftsverantwortlichen: Wehner erzielte das 7:11, dabei gab’s den Torschützen offiziell gar nicht. Er war nicht auf dem Spielberichtsbogen vermerkt. Den Schiedsrichtern Gunnar Beyer und Thomas Schulte blieb nichts anderes übrig, als Wehner auszuschließen.

Die Schiedsrichter: Auch nicht so dolle

Für viele der rund 900 TVB-Fans war dies eine der wenigen richtigen Entscheidungen der Referees an diesem Abend. Beim ungefährdeten 35:26-Sieg der Bittenfelder Ende Oktober gegen Leichlingen hatten die Zuschauer jenes Gespann mit gellenden Pfiffen in die Kabine verabschiedet, auch am Samstag sorgten die beiden mit einigen merkwürdigen Entscheidungen wieder für jede Menge Diskussionsstoff.

An Beyer/Schulte lag’s allerdings nicht, dass die Bittenfelder miserabel in die Partie starteten. Saarlouis nutzte ein halbes Dutzend Fehlabspiele und technische Fehler des unkonzentriert auftretenden TVB und ging nach acht Minuten mit 5:1 in Führung. Der TVB kam zwar kurz auf zwei Tore heran (4:6), allzu durchdacht war das Angriffsspiel jedoch auch danach nicht. André Lohrbach störte den Spielaufbau des TVB auf der vorgezogenen Position. Erschwerend hinzu kam, dass auch die Defensive ungewöhnlich viele Lücken aufwies. So kamen die Saarlouiser Torjäger Danijel Grgic und Daniel Fontaine viel zu oft zu leichten Toren.

Symptomatisch für die Verunsicherung des TVB war der Siebenmeterversuch von Alexander Heib, der den Ball beim 6:10-Rückstand deutlich übers Tor donnerte (17.). Es wurde sogar noch schlimmer: Nach Fontaines 13:7 (20.) gegen eine seltsam emotionslose Bittenfelder Mannschaft wurde es still auf der Tribüne.

Natürlich war’s zu früh, die Bittenfelder abzuschreiben. Nach drei Treffern von Schöbinger, der seine Sache als Baumgarten-Vertreter am Kreis ordentlich machte, und vier tollen Paraden des inzwischen für Daniel Sdunek eingewechselten Torhüters Bastian Rutschmann war der TVB zurück im Spiel (12:14/26.), beim 13:15 zur Pause war wieder alles offen.

Die Fehlerquote indes war immer noch erschreckend hoch bei den Bittenfeldern – durch die Bank.

Erneut schlecht startete der Tabellendritte in die zweiten 30 Minuten. Eine Zeitstrafe gegen Jens Baumbach, der zweite verworfene Siebenmeter von Heib, zwei strittige Schiedsrichterentscheidungen: Schon lief der TVB wieder einem Vier-Tore-Rückstand hinterher (14:18/34.).

Wenigstens fand der vor der Pause kaum in Szene getretene Sebastian Seitner mit drei Treffern in Folge ins Spiel. Rutschmann hielt weiter stark, und nach Schöbingers 20:21 (39.) war der TVB wieder dran. Genauso schnell jedoch war der Anschluss wieder weg, zu schludrig trug der TVB seine Angriffe vor (20:24).

Erst siebeneinhalb Minuten vor dem Ende schaffte Jürgen Schweikardt beim 30:30 den Ausgleich. Nach einem Konter von Marco Hauk und einem Kreistor von Ludek Drobek zum 32:30 (54.) hatten die Bittenfelder die besseren Karten – zumal bei Saarlouis allmählich die Kräfte nachließen. Hauks 34:31 fünf Minuten vor dem Ende versetzte die TVB-Fans schon in Feierstimmung.

Doch nach zwei Gegentreffern in Folge zum 34:33 fing das Zittern von vorne an. Die numerische Überzahl des TVB nach einer Zeitstrafe gegen Lohrbach war nur von kurzer Dauer. In den letzten zwei Minuten verloren die Bittenfelder und die Schiedsrichter gleichermaßen den Überblick: Der TVB verlor zweimal den Ball, bei einem Angriff entschieden die Schiedsrichter auf Stürmerfoul von Schweikardt, Heib warf frei stehend neben den Kasten. Und binnen einer Minute schickten Beyer/Schulte zum Entsetzen der Bittenfelder Jens Baumbach, Florian Schöbinger und auch noch Marco Hauk für den Rest der Spielzeit auf die Strafbank.

Mit zwei Spielern in Überzahl erzielte Christian Kühn den 34:34-Ausgleich. Pech für den TVB. Der indes hatte in den letzten Sekunden noch Glück, dass er wenigstens den einen Punkt behielt. Die Schlusssirene beendete nach einem neuerlichen Ballverlust des TVB den letzten – freien – Angriff der Saarlouiser.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Seitner (7), Schöbinger (5), Weiß (2), Baumbach, Lenz, Schweikardt (5/2), Heib (5), Hauk (7), Rothe, Drobek (2), Wehner (1). HG Saarlouis: Henne, Jonczyk; Kühn (2), Altmeyer, Fontaine (6), Balaz (1), Hoffmann (1), Koppenburg, Leist, Nielsen (3), Lohrbach (7), Grgic (9/4), Kropp (5).