Rutschmann ist zurück, Rothe gegen Ex-Club

(twa). Besondere Brisanz verspricht das Derby zwischen der SG BBM Bietigheim und dem TV Bittenfeld in der 2. Handball-Bundesliga heute (20 Uhr) in Ludwigsburg. Die SG hat den Trainer entlassen und hofft auf frische Impulse. Pierre Freudl, Benjamin Krotz und Patrick Rothe treffen auf ihren Ex-Verein. TVB-Torhüter Bastian Rutschmann steht vor seinem Comeback. SG BBM Bietigheim (12. Platz, 13:17 Punkte) – TV Bittenfeld (3. Platz, 19:11 Punkte/heute, 20 Uhr, Arena Ludwigsburg).

Mit dem zweiten Auswärtssieg beim 33:22 in Essen verteidigte der TVB den dritten Tabellenplatz. Ganz so leicht, wie es das Ergebnis aussagt, war die Aufgabe für die Bittenfelder allerdings nicht. TUSEM blieb bis zur 40. Minute dran. Gefallen hat TVB-Trainer Günter Schweikardt, dass seine Mannschaft auch nach sechs Toren Führung keine Nachlässigkeiten gezeigt habe.

Wollen die Bittenfelder bis zur WM-Pause im Januar am Führungsduo dranbleiben, sollten aus den restlichen drei Spielen gegen Bietigheim, Saarlouis und Friesenheim mindestens vier Punkte her. Zwei davon möglichst schon heute Abend.

Zu wenig Punkte: Trainer Uwe Rahn musste gehen

Die SG BBM Bietigheim steht zwar mit 13:17 Punkten nicht so gut da wie erwartet und musste zuletzt drei Niederlagen in Folge einstecken. Doch beim 27:30 gegen den Bergischen HC zeigte die SG in den ersten 30 Minuten, wozu sie in der Lage ist. Mit dem wieder genesenen Spielmacher Nico Kibat spielten die Bietigheimer laut ihres Trainers Uwe Rahn „unsere beste erste Halbzeit in dieser Saison“. 17:11 führte die SG zur Pause, geriet aber mit fünf Gegentoren in Folge aus dem Tritt.

Die guten ersten 30 Minuten nutzten am Ende nichts – vor allem Uwe Rahn nicht. Am Dienstagabend trennte sich die SG von ihrem Trainer, befürchtete offenbar, noch weiter abzurutschen in der Tabelle. Co-Trainer Jochen Zürn soll die SG wieder in diese Sphären bringen, wo sie nach ihren eigenen Ansprüchen hingehört: ins vordere Tabellendrittel. Mindestens. Vor allem in eigener Halle blieben die Bietigheimer vieles schuldig. In sieben Heimspielen mussten sie bereits neun Punkte abgeben und sind mit nur zwei Siegen sogar das schlechteste Heimteam der Liga.

Weil ein Trainerwechsel meist Kräfte freisetzt, dürften die Bittenfelder nicht allzu glücklich darüber sein. TVB-Coach Günter Schweikardt versucht die neue Situation für die SG auszublenden. „Wir wollen unbedingt gewinnen“, sagt er. „Ganz egal, was drumherum bei den anderen passiert.“

Die SG verfüge einen enorm breiten, qualitativ sehr ausgeglichenen Kader. Möglicherweise habe diese Tatsache und die enorme Erwartungshaltung von außen für Unruhe gesorgt. Auf nahezu jeder Position ist die SG gleich gut besetzt. Verstärkt hat sie sich mit Spielmacher Andreas Blodig (SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen), dem bulligen Kreisläufer Steffen Bühler (TSG Friesenheim), Linkshänder Christoph Auer (HG Erlangen), Philipp Schulz (HSC Coburg) – und natürlich mit Benjamin Krotz vom TVB. „Zusammen mit Matthias Lenz hat die SG ein gutes Torhüterduo“, sagt Schweikardt. Doch gerade hier sind die Bittenfelder auch stark besetzt. Bastian Rutschmann wird nach fünfwöchiger Verletzungspause aller Voraussicht nach sein Comeback feiern. Fraglich ist allerdings, ob der 26-Jährige gleich wieder an seine Top-Form anknüpfen kann, die er in den ersten Spielen hatte. „Die Belastung im Training war noch nicht so hoch“, sagt Schweikardt. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass er in den paar Wochen alles verlernt hat.“

Unter besonders großem Druck wird Rutschmann nicht stehen, schließlich präsentierte sich auch Daniel Sdunek zuletzt in ausgezeichneter Form. Schweikardt geht davon aus, dass die Torhütergespanne das Derby mitentscheiden werden.

Zum ersten Mal werden die Bietigheimer ein Heimspiel in der neuen Arena Ludwigsburg austragen, und das Interesse ist riesengroß. 3400 Karten waren bis Mittwoch verkauft, rund 4000 Fans passen in die Arena. „Das Spiel in dieser tollen Halle ist auch für uns etwas Besonderes und sicher ein kleiner Höhepunkt in dieser Saison“, sagt Schweikardt. Wobei die Bittenfelder durch ihre Auftritte in der Porsche-Arena einen kleinen atmosphärischen Vorteil haben dürften. Für Schweikardt ist das Derby kein richtiges Auswärtsspiel, sondern eher ein Spiel auf einem neutralen Platz. Er geht davon aus, dass rund die Hälfte der Fans den Bittenfeldern die Daumen drücken wird in „einem sicher wieder sehr emotionsgeladenen Spiel“. Für drei Spieler wird das Spiel keines wie jedes andere. Die Bietigheimer Pierre Freudl und Benjamin Krotz trugen bereits das TVB-Trikot. Patrick Rothe war vor der Saison von Bittenfeld zum Nachbarn gewechselt und kehrte vor ein paar Wochen wieder zurück.

Der TVB wird erneut ohne Kai Häfner auskommen müssen. Der Linkshänder wird auch gegen Saarlouis und Friesenheim fehlen, weil er für FA Göppingen im Einsatz sein wird.