Bittenfeld zerlegt auch Frankfurt

Das war beeindruckend: Nach dem Sieg beim Bergischen HC am Mittwoch hat Handball-Zweitligist TV Bittenfeld drei Tage später in der Gemeindehalle vor 900 begeisterten Zuschauern auch die ambitionierte HSG Frankfurt Rhein-Main mit 41:25 (19:12) zerlegt. Der TVB kletterte mit diesem Sieg auf Platz drei in der Tabelle.

Prominenten Besuch hatte der TVB am Samstag: Maren Baumbach, Schwester des Bittenfelder Co-Trainers Jens Baumbach. Die 120-fache deutsche Nationalspielerin pausiert derzeit und genießt ihre Rolle als Zuschauerin. „Ich habe in letzter Zeit sehr viele Spiele gesehen“, sagte sie nach dem Spiel. „Aber das hier war das schönste seit langem, einfach toll. Das kommt heraus, wenn eine Mannschaft mit Freude und Emotionen spielt.“

Mittelfristig strebt die aus der SG Wallau und TSG Münster neu zusammengestellte HSG Frankfurt Rhein-Main den Aufstieg in die erste Bundesliga an. Am Samstag indes war die HSG, ohne Junioren-Nationalspieler Steffen Fäth angetreten, von diesen Sphären meilenweit entfernt – und das lag in erster Linie am fulminant auftretenden TV Bittenfeld. Der hetzte den Gegner 60 Minuten über den Platz. Der Frankfurter Trainer und Ex-Nationalspieler Mike Fuhrig lehnte derweil fassungslos an der Wand neben der Auswechselbank.

Defensive 6:0-Deckung, Manndeckung, 5:1 oder 4:2: Den Bittenfeldern war’s – wie schon im Spiel beim Bergischen HC – einerlei. Sie spielten wie aus einem Guss und waren für die Frankfurter schlichtweg zu flink.

Selbst dem Schiedsrichter war das Tempo wohl zu hoch

Da nutzte es der HSG auch wenig, dass sie sich nach eineinhalb Minuten bereits ausruhen durfte. Für Schiedsrichter Sascha Wild war das Tempo wohl auch zu hoch. Er verletzte sich an der Wade und musste minutenlang behandelt werden. Schließlich ging’s doch weiter.

Die Bittenfelder legten einen Blitzstart hin. Die Abwehr vor dem erneut starken Keeper Daniel Sdunek stand prächtig, und vorne lief der Ball wie am Schnürchen. 7:2 stand’s nach sieben, 11:4 nach zwölf Minuten. Weder die Auszeit, der Torhüterwechsel noch die Ex-Nationalspieler Jan-Olaf Immel und Steffen Weber brachten beim Gegner Ordnung ins Spiel. Einzig der Ex-Magdeburger Hannes Lindt setzte hier und da Akzente. Die genügten freilich nicht, um dem TVB auch nur annähernd Paroli zu bieten.

Bittenfeld beherrschte den Gegner nach Belieben. Und so kam in der 25. Minute ein weiterer Nachwuchsspieler zu seinem Zweitliga-Debüt: Kaum auf dem Feld, erzielte Marvin Gille eiskalt das 16:8. Mit dem 19:12-Pausenstand waren die Frankfurter noch gut bedient.

Die Bedenken der TVB-Fans, ihre Mannschaft könnte angesichts des deutlichen Vorsprungs leichtsinnig werden, waren unbegründet. Es waren keine vier Minuten gespielt, da sah sich Gästetrainer Mike Fuhrig beim 23:12 bereits zu einer Auszeit gezwungen. Sein Team war auf dem besten Weg, in ein Debakel zu schlittern.

Hübsche Quote: Rutschmann hielt 16 Schüsse in 30 Minuten

Der TVB ließ nicht locker. Auch nicht, als die Frankfurter es mit mehr Härte versuchten. Bastian Rutschmann, der in der Pause Sdunek ablöste, angelte sich gleich reihenweise die Würfe der Gäste. Insgesamt 16- mal blieb er binnen 30 Minuten Sieger.

Fuhrig wechselte weiter die Abwehr- und Angriffsformationen und musste mit ansehen, dass alles nichts brachte. Der TVB spielte wie aus einem Guss, traf mehrfach in Unterzahl. Acht Minuten vor dem Ende erzielte Alexander Heib das 35:20. Bezeichnend war, dass am Ende auch noch die Zaubertore klappten. Jürgen Schweikardt bediente Simon Baumgarten mit einem sogenannten blinden Anspiel, der Kreisläufer beendete mit dem 41:25 einen für die Frankfurter qualvollen Abend.

Die Bittenfelder Fans staunten und feierten ihr Team, das die englische Woche mit 6:0 Punkten beendete. Am nächsten Spieltag tritt der neue Tabellendritte beim Spitzenreiter TV Hüttenberg an.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Seitner (5), Schöbinger (4), Weiß (4), Gille (3), Lenz (5), Schweikardt (4/1), Heib (4/3), Baumgarten (3), Wehner (3), Hauk (6), Drobek.