„Mitfavorit“ beim Favoriten

(twa). Der TV Bittenfeld steht mit 7:5 Punkten zwar nur auf dem sechsten Platz in der Tabelle der 2. Handball-Bundesliga Süd. Die etablierten und ambitionierten Teams treten ihm allerdings mit Respekt gegenüber. So rät der Bergische HC vor dem Spiel am heutigen Mittwoch seinen Fans, sich das Ticket gegen den „Mitfavoriten“ im Vorverkauf zu sichern. Bergischer HC (3. Platz, 9:3 Punkte) – TV Bittenfeld (6. Platz, 7:5 Punkte/heute, 20 Uhr, Bayerhalle Wuppertal).

Dritter ist der Bergische HC, Sechster der TV Bittenfeld. Der TVB könnte mit diesem Rang am Ende der Saison gut leben, für die Bergischen Löwen indes wäre schon der zweite Platz eine Enttäuschung. Im vierten Jahr nach dem Zusammenschluss der SG Solingen und des LTV Wuppertal steht das Saisonziel außer Diskussion: Der Club will mit Macht in die 1. Bundesliga.

Nach sechs Spieltagen liegt der BHC zwei Punkte hinter dem Führungsduo TSG Friesenheim und TV Hüttenberg. Kein Grund für das Team von Trainer Raimo Wilde also, nervös zu werden. Allerdings sollte es nicht zu früh den Kontakt verlieren zur überraschend starken Konkurrenz.

Eine Situation, mit der die Bittenfelder umgehen müssen

Ein bisschen unruhig scheinen die Löwen aber doch zu sein. Im zweiten Auswärtsspiel in Folge blieben sie ohne Sieg. Nach dem überraschenden 25:27 beim Schlusslicht HSC Coburg reichte es zuletzt bei TUSEM Essen nur zu einem 23:23. In der 42. Minute hatte der BHC noch mit 14:18 im Hintertreffen gelegen. So kommt dem Mittwochspiel gegen den TV Bittenfeld große Bedeutung zu.

Dass der BHC die Bittenfelder in dieser Saison als Mitfavorit bezeichnet, zeigt TVB-Trainer Günter Schweikardt, dass sein Team mittlerweile „ganz anders wahrgenommen“ werde. Bisher habe Bittenfeld gegen die etablierten Mannschaften stets die Außenseiterrolle eingenommen. Nun stuften die Gegner den TVB durchaus als gefährlich ein. „Das ist eine neue Situation, mit der wir umgehen müssen“, sagt er. „Aber das wollten wir ja so.“

Auch wenn der TVB mit Gegnern wie dem Bergischen HC an guten Tagen auf Augenhöhe spielen kann: Heute reist er dennoch als Außenseiter nach Wuppertal. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn mit der Favoritenrolle hat sich der TVB in dieser Saison noch nicht so richtig angefreundet. Bestes Beispiel war die Partie in der Porsche-Arena gegen die TSG Groß-Bieberau. „Wir haben die Nervosität und Verkrampfung übers ganze Spiel hinweg nicht ablegen können“, sagt Schweikardt. Der Trainer hat ein zerfahrenes Spiel mit wenig Spielfluss gesehen. „Wir sind froh, dass wir es für uns entschieden haben.“

Klarkommen musste der TVB damit, dass Simon Baumgarten und Florian Schöbinger nicht hundertprozentig fit waren, Ludek Drobek kugelte sich in der heißen Schlussphase den Daumen aus. Und schließlich erfüllte auch Kai Häfner bei seinem Saisondebüt die Erwartungen nicht. Schweikardt war dennoch froh, dass der Linkshänder dabei war. Sicher habe die Bindung gefehlt, „aber ohne ihn wäre es noch schwieriger geworden“.

Schon heute Abend kann Häfner zeigen, was er wirklich drauf hat: Der Linkshänder wird wieder dabei sein. Damit tritt der TVB mit derselben Besetzung an wie in der Porsche-Arena – mit Ausnahme von Jens Baumbach, der sich die Nase angebrochen hat.

Mit dem Spiel heute, dem Heimspiel gegen die HSG Frankfurt am kommenden Samstag und der Auswärtsaufgabe beim Tabellenzweiten TV Hüttenberg steht der TVB vor Bewährungsproben. „Für uns ist zunächst der Bergische HC eine schöne Herausforderung“, sagt Schweikardt. „Allerdings ist er unwahrscheinlich heimstark.“ Schweikardt glaubt, dass der BHC jetzt schon das Zeug für die 1. Liga hat. Der Vorjahresdritte hat sich zur neuen Saison noch mal verstärkt. Rückraumspieler Kristoffer Moen bringt Champions-League-Erfahrung mit, Jan Stochl ist tschechischer Nationaltorhüter, Rechtsaußen Tim Henkel kommt vom Erstligisten Bayer Dormagen. Zur Rückrunde der vergangenen Saison hatten sich die Löwen bereits die Dienste des Holländers Joey Duin (Bayer Dormagen) und des Norwegers Kenneth Klev (VfL Gummersbach) gesichert. Damit ist der Bittenfelder Gegner auf jeder Position mindestens doppelt besetzt.

„Aber auch schlagbar“, sagt Schweikardt. „Das hat Coburg bewiesen.“ Allerdings nicht in Wuppertal. Schweikardt geht davon aus, dass der BHC gegen sein Team hellwach sein wird. „Vielleicht wird er aber auch nervös, wenn wir dranbleiben.“